Selenskyj zu "Donnyland"-Gerüchten: "Hauptsache, es gibt kein Putinland"
Berichte über einen möglichen "Donnyland"-Vorschlag ukrainischer Unterhändler haben für Aufsehen gesorgt — Selenskyj betonte nun, dass in seinen Gesprächen ausschließlich die offiziellen ukrainischen Gebietsbezeichnungen verwendet werden.
Ein ungewöhnlicher Vorschlag aus den Kulissen der Friedensverhandlungen hat am Mittwoch für Aufmerksamkeit gesorgt: Laut einem Bericht der New York Times sollen ukrainische Unterhändler erwogen haben, den nicht besetzten Teil der Oblast Donezk in "Donnyland" umzubenennen — eine Anspielung auf den Namen des US-Präsidenten Donald Trump. Ziel dieser Überlegung sei es gewesen, Trump stärker auf die Seite der Ukraine zu ziehen und ihn davon abzubringen, Kyjiw zu weiteren territorialen Zugeständnissen zu drängen. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Berichte nun kommentiert — und dabei eine klare Botschaft gesendet.
In einem Online-Briefing über WhatsApp erklärte Selenskyj, dass während seiner eigenen Verhandlungen zu keinem Zeitpunkt derartige Bezeichnungen verwendet worden seien. "Bei meinen Gesprächen gibt es keine anderen Begriffe als Oblast Donezk, Oblast Luhansk, unser Donbas, Territorium der Ukraine. Andere Begriffe gibt es nicht", betonte der ukrainische Präsident. Er verwies zudem auf entsprechende Dokumente, in denen diese Formulierungen festgehalten seien.
Gleichzeitig ließ Selenskyj offen, ob solche Überlegungen möglicherweise auf einer anderen Ebene der ukrainischen Diplomatie kursiert haben könnten. Sonstige Dialoge zwischen verschiedenen Parteien könne er nicht kommentieren, so Selenskyj. Diese Einschränkung legt nahe, dass er eine Beteiligung nachgeordneter Verhandlungsführer an dem mutmaßlichen Namensvorschlag nicht vollständig ausschließt — ohne dies ausdrücklich zu bestätigen.
Den Kern seiner Aussage bildete jedoch eine pointierte Formulierung, die das eigentliche Ziel ukrainischer Politik auf den Punkt brachte: "Das Wichtigste ist, dass Oblast Donezk und Oblast Luhansk ukrainisches Land bleiben. Und so ist es. Damit es kein 'Putinland' gibt — das scheint mir das Allerwichtigste zu sein." Mit diesem Satz rückte Selenskyj den schillernden Markennamen beiseite und benannte das strategische Kerninteresse der Ukraine: den Verbleib der östlichen Oblaste unter ukrainischer Souveränität — ganz gleich, wie das Gebiet heißen mag.
Der Hintergrund des Berichts beleuchtet die komplizierten Dynamiken, die die Friedensverhandlungen seit Monaten prägen. Trump hatte wiederholt Druck auf Kyjiw ausgeübt, Gebietsabtretungen in Betracht zu ziehen, und dabei Ungeduld über den schleppenden Verhandlungsfortschritt gezeigt. Aus ukrainischer Sicht ist die Einbindung der USA in den Vermittlungsprozess zwar unerlässlich, birgt aber auch die Gefahr, dass Washington zugunsten einer schnellen Einigung Konzessionen von Kyjiw einfordert, die die Ukraine als existenzbedrohend betrachtet.
Vor diesem Hintergrund erscheint der mutmaßliche "Donnyland"-Vorschlag weniger als ernsthafte geografische Umbenennung denn als diplomatisches Signal: Man sei bereit, Trump symbolische Aufmerksamkeit zu erweisen, ohne dabei substanzielle Zugeständnisse zu machen. Ob ein solcher Schachzug tatsächlich geeignet wäre, den unberechenbaren US-Präsidenten dauerhaft zu überzeugen, ist unter Beobachtern freilich umstritten. Namensgebungen als diplomatisches Mittel sind in der Geschichte nicht unbekannt — doch selten hat ein Toponym derart offensichtlich politische Absichten verfolgt.
Für die ukrainische Öffentlichkeit wäre eine solche Umbenennung jedenfalls heikel. Der Donbas ist nicht nur eine geografische Region, sondern ein emotional und historisch aufgeladener Begriff, der für Millionen von Ukrainern — darunter Hunderttausende Vertriebene — eine tiefe Heimatbindung verkörpert. Eine Umbenennung zu diplomatischen Zwecken würde innenpolitisch erhebliche Widerstände auslösen, selbst wenn sie nur vorübergehend oder symbolischer Natur wäre.
Selenskyjs Reaktion zielt offenkundig darauf ab, solche Spekulationen zu zerstreuen, ohne die breitere Frage nach dem Verhandlungsrahmen aufzureißen. Die Ukraine kämpft darum, die östlichen Gebiete als unveräußerlichen Bestandteil des eigenen Staatsgebiets in den Friedensverhandlungen zu verankern — unabhängig davon, welche kreativen Ideen hinter den Kulissen kursieren mögen.