Schwerer Schlag gegen Russlands Krim-Stützpunkte: SBU trifft Marine und Luftwaffe gleichzeitig

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat mit seiner Eliteeinheit „Alpha" bei einem kombinierten Angriff auf die Krim drei russische Kriegsschiffe im Hafen von Sewastopol sowie einen MiG-31-Kampfjet am Flughafen Belbek ausgeschaltet.

Schwerer Schlag gegen Russlands Krim-Stützpunkte: SBU trifft Marine und Luftwaffe gleichzeitig
Foto: SBU

Ukrainische Geheimdienstoperationen haben den russischen Marinestützpunkt in Sewastopol sowie den Militärflughafen Belbek schwer getroffen. Kämpfer des Zentrums für Spezialoperationen „Alpha" des ukrainischen Geheimdienstes SBU schalteten im Zuge eines kombinierten Kommandoeinsatzes drei russische Kriegsschiffe und einen Kampfjet aus. Die Attacken ereigneten sich vor dem Hintergrund massiver ukrainischer Drohnenangriffe auf die annektierte Halbinsel, bei denen in Sewastopol mindestens ein Mensch ums Leben kam und vier weitere verletzt wurden.

Den Angaben des SBU zufolge führte die Einheit „Alpha" einen präzisen Schlag gegen den russischen Marinestützpunkt in Sewastopol durch. Dabei wurden drei Kriegsschiffe — darunter Landungsboote der russischen Schwarzmeerflotte — sowie mehrere Befehlsstellen beschädigt oder zerstört. Zeitgleich griffen Langstreckendrohnen derselben Spezialeinheit den Militärflughafen Belbek in der Nähe von Sewastopol an und setzten ein russisches Abfangjäger-Flugzeug des Typs MiG-31 außer Gefecht. Neben dem Kampfjet wurden auch technische Einrichtungen auf dem Flugfeld zerstört.

Der Flughafen Belbek ist seit Jahren ein zentraler Stützpunkt der russischen Luftstreitkräfte auf der Halbinsel. Er dient als wichtigste Drehscheibe für die Stationierung von Jagdflugzeugen sowie für Luftabwehrsysteme, die einen erheblichen Teil der russisch kontrollierten Krim schützen. Der jetzt zerstörte MiG-31 zählt zu den leistungsfähigsten Abfangjägern der russischen Luftstreitkräfte und ist imstande, Ziele in großer Höhe und auf weite Distanz zu bekämpfen. Ein Exemplar dieses Typs war dem SBU zufolge bereits in einer früheren Operation am selben Flughafen getroffen worden.

Die Einheit „Alpha" hat sich in den vergangenen Monaten als besonders aktiver Akteur bei Operationen gegen russische Militäranlagen auf der Krim profiliert. Im Jahr 2025 soll sie nach eigenen Angaben insgesamt 15 russische Militärluftfahrzeuge auf der Halbinsel zerstört haben, darunter Kampfflugzeuge der Typen Su-30SM, Su-34, Su-27 und Su-24 sowie verschiedene Hubschraubermodelle. Dabei wurden nach ukrainischen Darstellungen Schäden im Milliardenwert angerichtet.

Der aktuelle Angriff auf die Kriegsschiffe in Sewastopol trifft die russische Schwarzmeerflotte zu einem Zeitpunkt, an dem diese bereits erheblich geschwächt ist. Durch jahrelange ukrainische Angriffe — mit unbemannten Drohnenbooten, Marschflugkörpern und Präzisionsdrohnen — hat Russland einen beträchtlichen Teil seiner auf der Krim stationierten Seestreitkräfte verloren oder abgezogen. Das letzte russische Oberflächenkampfschiff verließ den Hafen von Sewastopol bereits Mitte 2024. Die Landungsschiffe, die bei dem jüngsten Angriff getroffen wurden, gehörten zu den verbliebenen einsatzfähigen Einheiten im Schwarzen Meer und spielen eine wichtige Rolle bei der Versorgung russischer Truppenteile.

Von russischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung der Schäden. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, bezeichnete die nächtlichen Drohnenangriffe auf die Stadt jedoch als einen der schwersten Angriffe überhaupt. Er berichtete von Schäden an 34 Wohnblöcken in verschiedenen Stadtteilen sowie an Einfamilienhäusern und Fahrzeugen. Die Oberleitung einer Bahnstrecke wurde beschädigt, was zu Verspätungen im Nahverkehr führte. Sogar ein Krankenhaus blieb nicht verschont: Trümmer einer abgeschossenen Drohne trafen die kardiologische Abteilung und verletzten mindestens eine Person dort.

Die russische Schwarzmeerflotte sowie Flugabwehrsysteme und mobile Einsatzgruppen hätten 71 Flugobjekte abgeschossen, erklärte Raswoschajew. Das russische Verteidigungsministerium meldete für den Gesamteinsatz in der Nacht den Abschuss von mehr als 203 ukrainischen Drohnen über russisch kontrolliertem Gebiet. Zu konkreten Trefferschäden äußerte sich Moskau wie üblich nicht.

Neben der Krim verzeichneten in dieser Nacht auch Ziele im russischen Hinterland Einschläge. Im Gebiet Wologda wurde das Werk Apatit in Tscherepowez angegriffen, einer der größten Düngemittelproduzenten Russlands. Gouverneur Georgi Filimonow bestätigte fünf Verletzte, die durch eine beschädigte Schwefelsäureleitung Verätzungen erlitten. Luftmessungen hätten jedoch keine Überschreitung der zulässigen Schadstoffwerte ergeben, versicherte er. Auch die große Ölraffinerie in Jaroslawl wurde nach Berichten aus sozialen Netzwerken und Aussagen von Behördenvertretern Ziel der Drohnen, wobei Explosionen und Brände gemeldet wurden.

Die Ukraine verfolgt mit diesen Angriffen auf russische Industrie- und Militäranlagen eine klare strategische Logik: Russland soll nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich unter Druck gesetzt werden. Energieinfrastruktur, Treibstofflager, Düngemittelfabriken und Raffinerien stehen dabei regelmäßig im Visier. Mit den Einnahmen aus dem Export von Öl und Düngemitteln finanziert Moskau seine Kriegswirtschaft, und genau dieser Geldfluss soll durch die ukrainischen Langstreckenschläge empfindlich gestört werden.

Die Krim nimmt in dieser Strategie eine Schlüsselrolle ein. Die Halbinsel, die Russland 2014 völkerrechtswidrig annektiert hatte, dient als wichtiger logistischer und militärischer Rückraum für den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dass es dem SBU und seinen Spezialeinheiten gelingt, dort immer wieder hochwertige Ziele auszuschalten — Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge, Luftabwehrsysteme — zeigt, wie weit die ukrainische Fähigkeit zur asymmetrischen Kriegsführung in den vergangenen Jahren gereift ist. Russland seinerseits konnte bislang keine überzeugenden Antworten auf diese Form der Bedrohung entwickeln.