Gefangenenaustausch: Ukraine holt 193 Soldaten aus russischer Haft zurück

Im 73. Gefangenenaustausch seit Kriegsbeginn hat die Ukraine 193 Soldaten aus russischer Gefangenschaft zurückgeholt – viele von ihnen waren in Tschetschenien festgehalten worden und standen unter fabrizierten Strafanzeigen.

Gefangenenaustausch: Ukraine holt 193 Soldaten aus russischer Haft zurück
Foto: Koordinierungshauptquartier für Kriegsgefangene

Die Ukraine hat im Rahmen des 73. Gefangenenaustauschs seit Beginn des russischen Angriffskriegs 193 weitere Militärangehörige aus russischer Gefangenschaft zurückgeholt. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Austausch am Freitag und erklärte, unter den Freigelassenen seien Soldaten der Streitkräfte, der Nationalgarde, des Staatlichen Grenzschutzdienstes, der Nationalpolizei sowie des Staatlichen Sondertransportdienstes. Viele von ihnen hatten zuvor an verschiedenen Frontabschnitten gekämpft.

Unter den 193 Heimkehrern befinden sich Verwundete sowie Militärangehörige, gegen die Russland Strafverfahren eingeleitet hatte. Selenskyj wies ausdrücklich auf diesen Umstand hin – die Fabrizierung solcher Kriminalverfahren gegen Kriegsgefangene gilt als Verstoß gegen die Genfer Konventionen. Der Koordinierungsstab für Kriegsgefangenenangelegenheiten erklärte, der Austausch habe auch mehrere Angehörige des Jahrgangs 2000 und jünger umfasst sowie Verwundete, deren Freilassung als besonderer Verhandlungserfolg gewertet wird.

Der Großteil der nun befreiten Soldaten war nach Angaben des Koordinierungsstabs in Tschetschenien festgehalten worden – und damit weit abseits des offiziell für Kriegsgefangene vorgesehenen Territoriums Russlands. Ihre Unterbringung dort gilt als weiteres Indiz für systematische Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht seitens Moskaus. Ein Teil der Männer war auf Basis konstruierter Straftatvorwürfe inhaftiert, ein Vorgehen, das nach den Genfer Konventionen ausdrücklich untersagt ist.

Die befreiten Kämpfer hatten zuvor an den Frontabschnitten bei Luhansk, Donezk, Charkiw, Saporischschja und im Gebiet Kursk gekämpft. Damit spiegelt der Austausch in seiner geographischen Breite die gesamte Ausdehnung der aktuellen Kampfhandlungen wider. Der jüngste der Freigelassenen ist 24 Jahre alt – er war 2023 an der Donezker Front in russische Gefangenschaft geraten. Der älteste ist 60 Jahre alt. Zwei der heimgekehrten Soldaten feiern ihren Geburtstag ausgerechnet heute – zum ersten Mal seit ihrer Gefangennahme wieder auf ukrainischem Boden.

Der Koordinierungsstab sicherte allen Freigelassenen eine umfassende medizinische Erstversorgung sowie physische und psychologische Rehabilitation zu. Darüber hinaus sollen sie sämtliche staatlich vorgesehenen Zahlungen erhalten. Die Behörden kündigten an, für eine vollständige gesellschaftliche Reintegration der Soldaten nach ihrer langen Isolation zu sorgen.

Selenskyj dankte in seiner Stellungnahme ausdrücklich all jenen, die an der Vorbereitung des Austauschs beteiligt waren – sowohl den eigenen Militäreinheiten an der Front, die durch ihre Kampfleistungen zur Bildung des ukrainischen Austauschs-Fonds beitragen, als auch den internationalen Partnern. Der Koordinierungsstab richtete seinen Dank namentlich an die Vereinigten Staaten und die Vereinigten Arabischen Emirate, die bei der Organisation des Austauschs mitgewirkt hatten. Die aktive Rolle beider Länder unterstreicht die zunehmend wichtige diplomatische Funktion, die Golfstaaten und Washington in der humanitären Dimension des Krieges spielen.

Seit dem 24. Februar 2022 bemüht sich die Ukraine in einem anhaltenden und mühsamen Verhandlungsprozess um die Rückholung ihrer Gefangenen. Die Austausche folgen in der Regel keinem festen Rhythmus, sondern sind das Ergebnis oft monatelanger Verhandlungen unter Vermittlung dritter Parteien. Russland nutzt die Gefangenen als Druckmittel und erschwert den Prozess durch den Einsatz konstruierter Strafverfahren sowie durch die Verlegung von Gefangenen in weit entfernte Regionen wie Tschetschenien, was Kontrolle und Kommunikation erheblich erschwert.

Selenskyj bekräftigte, dass die Ukraine die Bemühungen um die Rückholung aller Gefangenen täglich fortsetzen werde. „Wir erinnern uns an jeden und jede und arbeiten jeden Tag daran, unsere Menschen aus russischer Gefangenschaft heimzubringen", schrieb er. Allein die Tatsache, dass dieser Austausch der 73. seiner Art ist, verdeutlicht das Ausmaß der humanitären Aufgabe, vor der die Ukraine steht.