Neuer Ansatz in festgefahrenen Verhandlungen: Kyjiw wirbt für europäisch vermittelten Flughafen-Waffenstillstand

Die Ukraine schlägt einen „Flughafen-Waffenstillstand" vor: Kyjiw und Moskau sollen gegenseitig auf Angriffe gegen Flughäfen verzichten — vermittelt von Europa. Außenminister Sybiha präsentierte die Idee beim EU-Außenministertreffen in Brüssel.

Neuer Ansatz in festgefahrenen Verhandlungen: Kyjiw wirbt für europäisch vermittelten Flughafen-Waffenstillstand
Foto: Ukrinform

Die Ukraine hat Europa einen neuen diplomatischen Ansatz im Umgang mit Russland vorgeschlagen: ein begrenztes Waffenstillstandsabkommen, das sich auf den gegenseitigen Verzicht auf Angriffe gegen Flughäfen konzentrieren soll. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha unterbreitete diesen Vorschlag am Rande eines Treffens der EU-Außenminister in Brüssel und regte an, dass europäische Verbündete dabei als Vermittler auftreten könnten.

Der Vorstoß zielt darauf ab, Europa eine konkrete Rolle in den festgefahrenen Friedensbemühungen zu verschaffen, ohne dabei die von den Vereinigten Staaten geführte Diplomatie zu untergraben oder zu ersetzen. Die bisherigen Verhandlungen zwischen Moskau und Kyjiw unter amerikanischer Vermittlung haben sich deutlich verlangsamt, und der russische Präsident Wladimir Putin zeigt wenig Bereitschaft, sich auf ein umfassendes Waffenstillstandsabkommen einzulassen.

„Wahrscheinlich braucht Europa eine neue Rolle in unseren Friedensbemühungen. Vielleicht werden wir versuchen, einen sogenannten Flughafen-Waffenstillstand zu regeln oder zu erreichen", sagte Sybiha in Brüssel. Er fügte hinzu, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj die Idee bereits mit einigen europäischen Staats- und Regierungschefs erörtert habe.

Das vorgeschlagene Abkommen wäre bewusst eng gefasst: Es würde lediglich einen gegenseitigen Verzicht auf Angriffe gegen Flughafeninfrastruktur umfassen. Sybiha argumentierte, dass Russland einen Anreiz haben könnte, einem solchen Abkommen zuzustimmen, da wichtige russische Verkehrsknoten — darunter der Moskauer Flughafen Scheremetjewo und der Flughafen Pulkowo nahe Sankt Petersburg — zunehmend in Reichweite ukrainischer Langstreckenangriffe geraten seien.

Für die Umsetzung schwebt Sybiha eine europäische Koordinierungsplattform vor. „Vielleicht könnten unsere europäischen Verbündeten durch die Schaffung einer Plattform oder einer speziellen Gruppe darüber diskutieren", sagte er. Eine solche Struktur würde es den EU-Mitgliedstaaten ermöglichen, aktiv in den diplomatischen Prozess einzugreifen, ohne dabei in direkte Konkurrenz zur amerikanischen Vermittlung zu treten.

Kyjiw betont ausdrücklich, dass Europa Washington nicht ablösen solle. Jegliche europäische Initiative müsse als Ergänzung zur US-geführten Diplomatie verstanden werden. „Es soll eine zusätzliche Richtung sein, keine Ersetzung oder Alternative", stellte Sybiha klar und unterstrich dabei, dass Europa dabei mit einer einheitlichen Stimme sprechen müsse. Eine unkoordinierte oder fragmentierte europäische Außenpolitik würde die Verhandlungsposition der Ukraine eher schwächen als stärken.

Auf europäischer Seite reagierte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas zurückhaltend, aber nicht ablehnend. Sie kündigte an, dass die Außenminister die mögliche Rolle Europas bei einem Treffen Ende des Monats erörtern werden. Bislang haben hochrangige EU-Vertreter argumentiert, Putin habe keine ernsthaften Absichten gezeigt, den Krieg zu beenden — ein Umstand, der europäische Initiativen bisher gebremst hat.

Der Vorschlag fällt in eine Phase erhöhter diplomatischer Aktivität, aber begrenzter Fortschritte. Das von Russland einseitig ausgerufene Waffenstillstandswochenende zum Anlass des Siegestages am 9. und 10. Mai blieb nach ukrainischen Angaben weitgehend wirkungslos. Soldaten an der Front berichteten, dass sie keinerlei Veränderung in der russischen Kampftätigkeit festgestellt hätten. Russland soll zudem erwägen, für Ende Mai einen weiteren, begrenzten Waffenstillstand zu beantragen — diesmal mit dem erklärten Ziel, Reparaturen an Stromleitungen durchzuführen, die das Kernkraftwerk Saporischschja mit Energie versorgen.

Vor diesem Hintergrund erscheint das ukrainische Angebot eines Flughafen-Waffenstillstands als strategisch durchdachter Schachzug: Er signalisiert Gesprächsbereitschaft, ohne weitreichende territoriale oder politische Zugeständnisse zu erfordern. Gleichzeitig testet er, ob Moskau überhaupt bereit ist, selbst kleine, technisch überprüfbare Abmachungen einzuhalten. Für Europa bietet der Vorschlag die Chance, nach langer Passivität in der Vermittlerrolle wieder sichtbar zu werden, ohne die Komplexität eines umfassenden Verhandlungsprozesses schultern zu müssen.

Ob Russland auf das Signal eingehen wird, bleibt offen. Bisher hat Moskau jede Form westlicher Beteiligung an möglichen Friedensgesprächen mit Skepsis begegnet und die Initiative stets für sich beansprucht. Ein begrenztes Flughafen-Abkommen könnte jedoch auch für den Kreml als gesichtswahrender Einstieg in einen umfassenderen Dialogprozess nützlich sein — sofern der politische Wille vorhanden ist, einen solchen überhaupt zu beginnen.