Deutschland und Ukraine starten Rüstungsprogramm „Brave Germany" — Fokus auf Drohnen und KI

Deutschland und die Ukraine starten das gemeinsame Rüstungsprogramm „Brave Germany" — mit Fördermitteln für Drohnen, KI und Raketen. Verteidigungsminister Pistorius besuchte Kyjiw und kündigte zudem die gemeinsame Produktion von Langstreckendrohnen an.

Deutschland und Ukraine starten Rüstungsprogramm „Brave Germany" — Fokus auf Drohnen und KI
Foto: Ukrinform

Deutschland und die Ukraine haben ihre Rüstungskooperation deutlich ausgebaut. Im Rahmen eines Besuchs des deutschen Verteidigungsministers Boris Pistorius in Kyjiw kündigten er und sein ukrainischer Amtskollege Mychajlo Fedorow den bevorstehenden Start des gemeinsamen Programms „Brave Germany" an — einer Initiative zur technologischen Zusammenarbeit im Bereich moderner Verteidigungslösungen.

Fedorow bezeichnete Deutschland als das weltweit führende Land beim Umfang der Sicherheitshilfe für die Ukraine. In einem Posting auf seinem Telegram-Kanal dankte er Berlin und Pistorius persönlich für das, was er als „systemische Führungsrolle" bezeichnete — Entscheidungen, die die ukrainische Verteidigung nach seinen Worten konkret und spürbar stärken.

Zu den jüngsten deutschen Leistungen zählte Fedorow unter anderem die Lieferung von Raketen für das Flugabwehrsystem Patriot, die Unterstützung im Rahmen des PURL-Programms in der besonders schweren Winterperiode sowie mehr als eine Milliarde US-Dollar für den Ausbau der ukrainischen Fähigkeiten im Bereich Tiefenschlag und mittlerer Reichweite. Darüber hinaus verwies er auf die deutsche Beteiligung an der Unterstützung ukrainischer Drohnenangriffsbataillone und auf die Lieferung von Langstreckenmunition für die Artillerie im Rahmen der Tschechischen Initiative.

Das neu angekündigte Programm „Brave Germany" soll in enger Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Innovationscluster Brave1 umgesetzt werden. Brave1 ist eine staatliche Koordinierungsplattform, die zivile Technologieunternehmen und Rüstungsentwickler mit den militärischen Bedarfsträgern der Ukraine zusammenbringt. Ziel ist es, technologische Lösungen schneller an die Front zu bringen, als es über herkömmliche Beschaffungswege möglich wäre.

„Brave Germany" soll gemeinsame Förderprogramme für die Entwicklung von Lösungen in den Bereichen unbemannte Luftfahrzeugsysteme, künstliche Intelligenz, Kommunikationstechnologie, Raketensysteme und weitere rüstungsrelevante Felder umfassen. Ergänzend sind gemeinsame Hackathons und sogenannte Matchmaking-Sitzungen geplant, bei denen deutsche und ukrainische Unternehmen sowie Entwickler zusammengebracht werden sollen, um technologische Antworten auf die Anforderungen des modernen Krieges möglichst rasch zu identifizieren und umzusetzen.

Fedorow unterstrich die strategische Dimension des Besuchs: „Unser Ziel ist es, während des Besuchs zu zeigen, wie die Unterstützung unserer Partner in konkrete Ergebnisse auf dem Schlachtfeld umgewandelt wird. Die Ukraine demonstriert bereits heute die Resultate unserer Verteidigungsstrategie."

Parallel zur Ankündigung von „Brave Germany" wurde bekannt, dass Deutschland und die Ukraine beabsichtigen, gemeinsam Langstreckendrohnen mit einer Reichweite von bis zu 1.500 Kilometern zu produzieren. Pistorius erklärte, dass ukrainische und deutsche Unternehmen bereits an entsprechenden Projekten arbeiteten. Die Entwicklung solcher Systeme sei von zentraler Bedeutung für die Abschreckung russischer Angriffe auf die militärische Infrastruktur der Ukraine.

Daneben unterzeichneten beide Seiten ein Abkommen zur Unterstützung der ukrainischen Luftabwehr — ein Schritt, den Präsident Wolodymyr Selenskyj öffentlich bestätigte und als weiteres Signal der deutschen Verlässlichkeit würdigte.

Pistorius nutzte seinen Kyjiw-Besuch auch für eine klare Positionierung gegenüber Moskau. Er warnte davor, den russischen Präsidenten Wladimir Putin beim Wort zu nehmen, wenn dieser Friedensbereitschaft signalisiere. Putin greife regelmäßig auf Täuschung und taktische Manöver zurück, die durch interne Schwierigkeiten ausgelöst würden. Frieden sei jederzeit erreichbar — Putin müsse lediglich das Töten einstellen, einen glaubwürdigen Waffenstillstand einleiten und Verhandlungen ohne für die Ukraine inakzeptable Vorbedingungen zustimmen.

Der Besuch Pistorius' in Kyjiw steht damit für eine Vertiefung der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen gleichzeitig: klassische Rüstungshilfe, gemeinsame Industriekooperation und eine klare politische Botschaft an Russland. Für die Ukraine ist Deutschland damit nicht nur ein wichtiger Lieferant von Waffen und Munition, sondern zunehmend auch ein Partner bei der langfristigen Entwicklung eigener Verteidigungskapazitäten — ein Ansatz, der über die unmittelbaren Erfordernisse des laufenden Krieges hinausweist.