Drohnenangriff auf Charkiw: Vier Tankstellen getroffen, sechs Menschen verletzt
Russische Drohnen haben am Freitag erneut Charkiw ins Visier genommen und dabei vier Tankstellen sowie ein Wohngebäude beschädigt – sechs Menschen wurden verletzt, einer davon schwer.
Russische Streitkräfte haben am Freitag die Stadt Charkiw mit Drohnen angegriffen und dabei mehrere Stadtteile getroffen. Nach Angaben von Oleh Synjehubow, dem Leiter der regionalen Militärverwaltung der Oblast Charkiw, richteten sich die Angriffe gegen den Schewtschenkiwskyj-, den Cholodnohirskyj- und den Osnowjanskyj-Distrikt der Stadt. Vier Tankstellen sowie ein Mehrfamilienhaus wurden beschädigt. Insgesamt sechs Menschen erlitten Verletzungen.
Ein 62-jähriger Mann wurde mit Explosionsverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Sein Zustand wird als mittelschwer eingestuft; Ärzte kümmern sich nach Angaben der Behörden intensiv um seine medizinische Versorgung. Fünf weitere Personen mussten am Ort des Beschusses von Sanitätern behandelt werden: drei Frauen im Alter von 39, 47 und 57 Jahren sowie zwei Männer im Alter von 44 und 61 Jahren litten an einer akuten Stressreaktion infolge des Angriffs.
Der nachmittägliche Beschuss war bereits der zweite Drohnenangriff auf Charkiw innerhalb weniger Stunden. Bereits am Morgen hatten russische Streitkräfte den Slobidskyj-, den Saltiwskyj-, den Kyjiw- und erneut den Osnowjanskyj-Distrikt mit unbemannten Fluggeräten angegriffen und dabei ebenfalls Kraftstoffanlagen getroffen. Bei diesem früheren Angriff wurden drei weitere Menschen verletzt. Die gezielte Beschießung von Tankstellen in mehreren Stadtteilen in kurzen zeitlichen Abständen deutet auf eine koordinierte Strategie hin, die Versorgungsinfrastruktur der Stadt systematisch unter Druck zu setzen.
Charkiw ist als zweitgrößte Stadt der Ukraine und aufgrund seiner Lage nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt seit Beginn des umfassenden russischen Angriffskrieges im Februar 2022 eines der am häufigsten beschossenen Ballungsgebiete des Landes. Die Stadt leidet unter einem anhaltenden Abnutzungsbeschuss, bei dem russische Streitkräfte neben militärisch relevanten Zielen wiederholt auch Wohngebiete, Infrastruktureinrichtungen und zivile Objekte ins Visier nehmen. Die geographische Nähe zur russischen Grenze ermöglicht es den Angreifern zudem, Drohnen mit kurzen Reaktionszeiten einzusetzen und damit die ukrainische Luftabwehr unter besonderem Druck zu halten.
Die ukrainische Luftverteidigung verzeichnete am Freitag dennoch beachtliche Ergebnisse: Nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte wurden im Laufe des Tages 220 von insgesamt 227 feindlichen Drohnen abgefangen und zerstört. Dass dennoch eine erhebliche Zahl von Geschossen ihr Ziel erreichte, verdeutlicht das Ausmaß der russischen Angriffswellen, mit denen versucht wird, die Abwehrkapazitäten der Ukraine zu überfordern.
Neben Charkiw standen am Freitag auch zahlreiche andere Regionen der Ukraine unter Beschuss. Im Gebiet Saporishshja wurde bei einem russischen Angriff ein Mensch getötet und mehrere weitere verletzt; zudem fiel in Teilen der Region nach Behördenangaben die Gasversorgung aus, nachdem russische Angriffe die entsprechende Infrastruktur beschädigten. In der Oblast Sumy kam ein Mann ums Leben, als eine feindliche Drohne ihn während der Feldarbeit traf. Im Gebiet Dnipropetrowsk verzeichneten die Behörden nach eigenen Angaben mehr als 50 feindliche Angriffe im Laufe des Tages, bei denen drei Menschen verletzt wurden. In Cherson trafen Drohnen am frühen Morgen einen Linienbus und später einen Supermarkt; die Angriffe forderten Tote und Verletzte.
Inmitten der fortgesetzten russischen Angriffe auf ukrainische Städte und zivile Infrastruktur meldete die ukrainische Seite auch Gegenschläge. Auf der Krim sollen nach ukrainischen Angaben eine taktische Einheit des russischen ballistischen Raketensystems Iskander sowie zwei Radarsysteme vom Typ Podjot und MIS-M1 zerstört worden sein. Die Angaben konnten unabhängig nicht überprüft werden. Im Konotopper Distrikt der Oblast Sumy traf darüber hinaus ein russischer Raketenangriff zivile Infrastruktur; auch dabei gab es Berichten zufolge Verletzte.