Zeitenwende in Budapest: Orbán räumt Niederlage ein – Magyar gewinnt Parlamentswahl

Ungarns Wähler haben Viktor Orbán nach 15 Jahren an der Macht abgewählt – der Oppositionsführer Péter Magyar und seine Partei Tisza feiern einen historischen Erdrutschsieg.

Zeitenwende in Budapest: Orbán räumt Niederlage ein – Magyar gewinnt Parlamentswahl
Foto: x.com/panyiszabolcs

Viktor Orbán, seit 2010 fast ununterbrochen Ministerpräsident Ungarns und einer der engsten Verbündeten des Kremls in der Europäischen Union, hat am Sonntagabend seine Niederlage bei den Parlamentswahlen eingestanden. Er gratulierte dem Oppositionsführer Péter Magyar telefonisch – und bestätigte dies kurz darauf öffentlich vor seinen Anhängern.

Magyar, der die liberal-konservative Oppositionspartei Tisza anführt, teilte die Nachricht des Anrufs knapp auf Facebook mit: „Der Ministerpräsident hat uns telefonisch zur Victory gratuliert." Wenig später trat Orbán selbst vor die Kameras. „Die Wahlergebnisse sind zwar noch nicht endgültig, aber klar und eindeutig. Wir haben weder die Verantwortung noch die Fähigkeit zu regieren. Ich habe der siegreichen Partei gratuliert", sagte er.

Nach Auszählung von rund 45 Prozent der Stimmen deutete sich ein historischer Erdrutschsieg für Tisza an: Die Partei kam demnach auf mehr als zwei Drittel der Parlamentssitze – 135 Mandate – und übertraf damit die Partei des amtierenden Regierungschefs deutlich.

Rekordwahlbeteiligung als Zeichen des Wandels

Bereits im Laufe des Wahltages hatte sich ein außergewöhnliches Bild abgezeichnet: Die Wahlbeteiligung war nach Medienberichten die höchste seit Jahren. Bis zum Nachmittag hatten bereits fast fünf Millionen Menschen ihre Stimme abgegeben – das entspricht rund 66 Prozent der rund 8,1 Millionen Wahlberechtigten. Politische Beobachter werteten dies als Zeichen einer breiten Mobilisierung gegen Orbán.

Die Vorwahlumfragen hatten das Ergebnis bereits angedeutet: Das Meinungsforschungsinstitut Median sah Tisza in den letzten Tagen vor der Wahl bei 55,5 Prozent der Listenstimmen, Orbáns Fidesz dagegen nur noch bei knapp 38 Prozent.

Moskaus stiller Abschied von einem Verbündeten

Bemerkenswert ist, dass auch der Kreml Orbáns Niederlage offenbar seit längerem erwartet hatte. Die russische Publikation Meduza berichtete unter Berufung auf eigene Quellen, Moskau habe zunächst gehofft, Orbán und sein Wahlkampfteam könnten die Lage noch wenden. Zuletzt hätten russische Regierungsvertreter diese Hoffnung jedoch aufgegeben.

Orbán galt über Jahre als wichtigster Unterstützer russischer Interessen innerhalb der EU. Er blockierte wiederholt EU-Hilfen für die Ukraine, pflegte enge wirtschaftliche und persönliche Verbindungen zu Wladimir Putin und nutzte seine Vetomacht in Brüssel gezielt, um westliche Sanktionen und Militärhilfe zu verzögern. Ein Regierungswechsel in Budapest könnte die geopolitische Dynamik innerhalb der EU spürbar verändern – zugunsten einer klareren Unterstützung der Ukraine.

Magyar – der Außenseiter, der alles veränderte

Péter Magyar war bis vor wenigen Jahren politisch weitgehend unbekannt. Erst durch seine öffentliche Abrechnung mit dem Orbán-System – er ist der Ex-Mann einer früheren Justizministerin – erlangte er landesweite Bekanntheit. Tisza gilt als dezidiert proeuropäisch und unterstützt die Ukraine. Ein endgültiges offizielles Ergebnis stand bei Redaktionsschluss noch aus.