Ukrainische Drohnen treffen Öldepot in Sewastopol — Explosionen über besetzter Krim
In der Nacht zum 18. April erschütterten mehrere Explosionen die besetzte Krim — ukrainische Drohnen schlugen in ein Öldepot im Hafen von Sewastopol ein und lösten einen Großbrand aus.
Ukrainische Drohnen haben in der Nacht zum 18. April ein Öldepot in der besetzten Stadt Sewastopol auf der Krim getroffen. Mehrere Explosionen erschütterten die Stadt und das nahe gelegene Nowofedoriwka, wie russische Telegram-Kanäle unter Berufung auf Anwohnerberichte meldeten. Bewohner Sewastopols beschrieben intensive Luftabwehraktivität aus allen Stellungen rund um die Stadt. Im Hafenbereich der Kasatscha Bucht brach ein Großfeuer aus, das weithin sichtbar war.
Der von Russland eingesetzte Verwaltungschef Sewastopols, Michail Raswosschajew, bestätigte den Angriff in einem Telegram-Post, spielte dessen Ausmaß jedoch herunter. Er sprach von einem getroffenen Tank mit Treibstoffresten, der durch eine abgeschossene Drohne in Brand gesetzt worden sei, und betonte, es gebe keine Verletzten. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht — ebenso wenig wie die Berichte über das Ausmaß der Schäden.
Dem Telegram-Kanal Crimean Wind zufolge wurden russische Luftabwehrsysteme auch in der Nähe des Wärmekraftwerks Sewastopol aktiviert. Zeugen berichteten von Drohnengeräuschen über dem Leninbezirk der Stadt. Gegen 1:20 Uhr wurden zudem Explosionen nahe des Militärflugplatzes Saki in Nowofedoriwka gemeldet. Am Flugplatz Katscha stiegen Leuchtraketen auf, während Flugabwehrgeschütze und Maschinengewehre das Feuer eröffneten.
Die Halbinsel Krim ist seit ihrer völkerrechtswidrigen Annexion durch Russland im Jahr 2014 ein zentrales Ziel ukrainischer Angriffe. Ihre geografische Lage zwischen dem ukrainisch kontrollierten Festland und dem Schwarzen Meer macht sie zu einem strategisch bedeutsamen Dreh- und Angelpunkt für russische Militäroperationen. Sewastopol beherbergt den Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte und ist damit eines der wichtigsten militärischen Ziele im gesamten Kriegsgebiet. Die Ukraine hat die Krim in den vergangenen Jahren wiederholt mit Drohnen, Raketen und Seedrohnen angegriffen und dabei Kriegsschiffe, Treibstofflager sowie Infrastruktureinrichtungen getroffen.
Der Angriff vom Wochenende fügt sich in eine breit angelegte ukrainische Kampagne gegen russische Energieinfrastruktur ein, die in den vergangenen Monaten erheblich an Intensität gewonnen hat. Kyjiw hat seine Drohnenangriffe auf russische Ölanlagen deutlich ausgeweitet, um die Einnahmen zu schmälern, mit denen Moskau seinen Angriffskrieg finanziert. Allein im März wurde nach Medienberichten rund 40 Prozent der russischen Ölexportkapazität durch weitreichende ukrainische Drohnenangriffe und die Beschlagnahme von Tankern lahmgelegt — der größte Einbruch in der russischen Öllogistik seit Beginn des Krieges.
Dass Russland trotz dieser Angriffe wirtschaftlich nicht stärker unter Druck geraten ist, hängt auch mit dem Krieg im Nahen Osten zusammen. Die durch den Konflikt ausgelösten globalen Energiepreisanstiege haben Moskau unerwartet hohe Zusatzeinnahmen beschert. Zusätzlich hatte die US-Regierung vorübergehend globale Sanktionen auf den Kauf russischen Öls ausgesetzt — eine Ausnahmeregelung, die am 11. April auslief. Der Internationale Währungsfonds hob seine Wachstumsprognose für die russische Wirtschaft im Jahr 2026 dennoch zuletzt auf 1,1 Prozent an, was unter anderem auf die erhöhten Energiepreise zurückgeführt wird.
Erst zwei Tage vor dem Angriff auf Sewastopol hatten ukrainische Drohnen eine große russische Ölraffinerie im Hafen von Tuapse am Schwarzen Meer in Brand gesetzt. Videoaufnahmen zeigten meterhohe Flammen, die russischen Behörden kämpften noch am zweiten Tag nach dem Angriff gegen das Feuer. Die strategische Logik hinter der Angriffswelle ist klar: Indem die Ukraine Russlands Fähigkeit zur Kraftstoffversorgung seiner Streitkräfte und zur Generierung von Exporteinnahmen untergräbt, versucht sie, den militärischen und wirtschaftlichen Druck auf Moskau zu erhöhen — auch ohne westliche Bodentruppen oder eine Ausweitung des Konflikts auf russisches Kernland.