Selenskyj an Lukaschenko: „Die Ereignisse in Venezuela sollten eine Warnung sein"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt Belarus offen vor einem Kriegseintritt — und erinnert die Führung in Minsk mit einem ungewöhnlichen Verweis auf das Schicksal des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro an die möglichen persönlichen Konsequenzen.

Selenskyj an Lukaschenko: „Die Ereignisse in Venezuela sollten eine Warnung sein"
Foto: Präsidialamt der Ukraine

Die Ukraine beobachtet mit wachsender Besorgnis militärische Aktivitäten auf belarussischem Territorium nahe der gemeinsamen Grenze. Nach Angaben aus Kyjiw hat Minsk damit begonnen, in grenznahen Gebieten Straßen auszubauen und Artilleriestellungen zu errichten. Präsident Wolodymyr Selenskyj wertete dies als Zeichen, dass Russland erneut versuche, Belarus in den Krieg gegen die Ukraine hineinzuziehen.

Selenskyj erklärte, er habe Anweisung gegeben, die belarussische Führung formell vor den Folgen eines solchen Schritts zu warnen. Die Ukraine sei entschlossen, ihr Staatsgebiet und ihre Unabhängigkeit zu verteidigen. Zugleich richtete er eine ungewöhnlich direkte Botschaft an Minsk: Die jüngsten Ereignisse in Venezuela sollten die belarussische Führung davon abhalten, Fehler zu begehen.

Der Verweis zielt auf das Schicksal des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, der Anfang Januar gemeinsam mit seiner Frau in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von US-amerikanischen Truppen festgenommen und zur Strafverfolgung in die Vereinigten Staaten gebracht wurde. Selenskyj deutete damit an, dass auch autoritäre Machthaber nicht vor persönlichen Konsequenzen gefeit sind — eine Warnung, die unmissverständlich an Machthaber Alexander Lukaschenko adressiert ist.

Belarus hatte bereits zu Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 sein Territorium als Aufmarschgebiet für russische Truppen zur Verfügung gestellt, die damals von Norden auf Kyjiw vorrückten. Seitdem steht das Land unter starkem Druck Moskaus, sich aktiv am Krieg zu beteiligen. Lukaschenko hat eine direkte Kriegsbeteiligung bislang abgelehnt, Belarus jedoch eng an Russland gebunden und dem Kreml weitreichende Stationierungsrechte eingeräumt.


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Wochenzusammenfassung 11.04. bis 17.04.
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