Russischer Angriff auf Energieanlage in der Oblast Tschernihiw: 380.000 Haushalte ohne Strom

In der Nacht auf Samstag hat Russland erneut die Energieinfrastruktur der Ukraine attackiert — ein Treffer auf eine Anlage im Rajon Nizhyn ließ rund 380.000 Haushalte in der Oblast Tschernihiw ohne Strom zurück.

Russischer Angriff auf Energieanlage in der Oblast Tschernihiw: 380.000 Haushalte ohne Strom
Foto: Staatlicher Katastrophenschutzdienst der Region Tschernihiw

In der Nacht auf Samstag hat die russische Armee erneut gezielt die ukrainische Energieinfrastruktur angegriffen. Gegen vier Uhr morgens traf ein russischer Angriff eine wichtige Energieanlage im Rajon Nizhyn in der Oblast Tschernihiw. Die Folgen des Angriffs sind gravierend: Hunderttausende Menschen in der Region wurden ohne Stromversorgung zurückgelassen.

Wie der regionale Energieversorger Tschernihiwoblenerho mitteilte, verloren infolge des Treffers rund 380.000 Abnehmer die Stromversorgung. Betroffen sind die Städte Tschernihiw, Pryluky, Nizhyn und Slawutytsch sowie die umliegenden Rajons Tschernihiw, Nizhyn und Pryluky. Allein in der Gebietshauptstadt Tschernihiw blieb ein bedeutender Teil der Stadt dunkel — rund 25.000 Wohnungen waren nach dem Angriff ohne Licht und Strom.

Die Reparaturteams des Versorgers begannen unmittelbar nach dem Treffer mit den notwendigen Wiederherstellungsarbeiten. Ob und wann die Versorgung vollständig wiederhergestellt werden kann, blieb zunächst unklar. Um die verbliebene Kapazität im Netz gerecht zu verteilen und eine weitere Überlastung zu verhindern, führte das Unternehmen ab neun Uhr morgens stundenweise Abschaltpläne für das gesamte Gebiet ein. Für die ersten drei Verbrauchergruppen sind demnach zwei Abschaltperioden pro Tag vorgesehen, für weitere drei Gruppen jeweils eine.

Der Angriff auf die Energieanlage im Rajon Nizhyn reiht sich in eine lange Serie russischer Schläge gegen die ukrainische Stromversorgung ein. Seit Beginn des groß angelegten Krieges gehört die gezielte Zerstörung der Energieinfrastruktur zu den zentralen Elementen der russischen Kriegsstrategie. Kraftwerke, Umspannstationen und Übertragungsleitungen wurden in zahllosen Angriffen beschädigt oder vollständig vernichtet. Die ukrainische Bevölkerung leidet seit Jahren unter den daraus resultierenden Blackouts, die nicht nur das Alltagsleben, sondern auch Krankenhäuser, Schulen und die Wasserversorgung belasten.

Die Oblast Tschernihiw liegt im Nordosten der Ukraine, unmittelbar an der Grenze zu Russland und Belarus. Ihre geografische Lage macht sie besonders verwundbar für Angriffe. Schon in den ersten Wochen des russischen Überfalls im Februar 2022 war die Region schwer umkämpft; russische Kräfte hatten zeitweise Teile des Gebiets besetzt, bevor sie im Rahmen des ukrainischen Gegenangriffs zurückgedrängt wurden. Seither ist die Oblast immer wieder Ziel von Raketenangriffen und Drohnenattacken. Die Energieinfrastruktur zählt dabei stets zu den bevorzugten Angriffszielen der russischen Streitkräfte.

Für die Bevölkerung von Tschernihiw und den umliegenden Ortschaften bedeuten solche Angriffe nicht nur Dunkelheit und den Ausfall elektrischer Geräte, sondern im schlimmsten Fall auch den Zusammenbruch der Heizungsversorgung und die Störung medizinischer Einrichtungen. Gerade für ältere und kranke Menschen sowie für Familien mit kleinen Kindern stellen unkontrollierte Stromausfälle eine ernsthafte Gefahr dar, insbesondere in den kälteren Monaten.

Unterdessen bereitet sich die Ukraine intensiv auf den nächsten Herbst und Winter vor. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass mehrere Regionen bei den Vorbereitungen für die neue Heizsaison hinter dem Zeitplan zurückliegen. Besondere Sorge bereiten ihm demnach die Oblaste Lwiw, Wolyn und Odessa sowie die Hauptstadt Kyjiw. Angesichts der anhaltenden russischen Angriffe auf die Infrastruktur läuft die Ukraine gegen die Zeit — jede zerstörte Anlage muss repariert oder ersetzt werden, bevor der nächste Winter einsetzt.

Der Umstand, dass Russland auch in der Nacht auf Samstag wieder eine Energieanlage ins Visier nahm, verdeutlicht, dass Moskau trotz diplomatischer Gespräche und internationaler Vermittlungsversuche keinerlei Bereitschaft zeigt, den Krieg gegen die ukrainische Zivilbevölkerung einzuschränken. Die Menschen in Tschernihiw wachten an diesem Samstagmorgen im Dunkeln auf — ein Bild, das stellvertretend für die anhaltende Realität des russischen Krieges gegen die Ukraine steht.