USA genehmigen Verkauf von JDAM-ER-Präzisionsbomben an die Ukraine
Die USA haben den Verkauf von JDAM-ER-Präzisionsbomben mit einer Reichweite von bis zu 75 Kilometern an die Ukraine genehmigt – ein Rüstungspaket im Wert von rund 373 Millionen Dollar, abgewickelt über Boeing.
Das US-Außenministerium hat den möglichen Verkauf von Lenkbomben des Typs JDAM-ER an die Ukraine genehmigt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, umfasst das Paket neben den Munitionskits auch zugehöriges Ausrüstungsmaterial. Das Gesamtvolumen des Rüstungsgeschäfts beläuft sich auf rund 373,6 Millionen US-Dollar. Als Hauptauftragnehmer wurde der amerikanische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Boeing bestimmt.
Die Abkürzung JDAM steht für Joint Direct Attack Munition. Dabei handelt es sich nicht um eine eigenständige Bombe, sondern um einen Nachrüstsatz, der konventionelle freifallende Bomben in präzisionsgelenkte Allwetterwaffen verwandelt. Das Kit besteht aus einem integrierten Trägheitsnavigationssystem und einem GPS-Empfänger, die gemeinsam die Treffergenauigkeit erheblich steigern. Zusätzlich werden kleine Tragflächen mittig an der Bombe angebracht sowie ein aerodynamisches Steuerheck, das die Flugbahn des Geschosses während des Anflugs auf das Ziel korrigiert. Je nach Modifikation beträgt das Gewicht der Bomben zwischen 230 und 960 Kilogramm.
Bei der nun genehmigten Variante handelt es sich um die JDAM-ER – die Abkürzung ER steht für Extended Range, also erweiterte Reichweite. Im Unterschied zur Basisversion verfügt die JDAM-ER über eine deutlich größere Spannweite der Steuerflächen, was ihr erlaubt, nach dem Abwurf aus der Luft erheblich weiter zu gleiten. Damit können Ziele in einer Entfernung von bis zu 75 Kilometern bekämpft werden. Das ermöglicht angreifenden Flugzeugen, außerhalb der Reichweite feindlicher Kurzstrecken-Luftabwehrsysteme zu bleiben und dennoch präzise Wirkung zu erzielen.
Für die Ukraine ist die Genehmigung dieses Rüstungsgeschäfts von erheblicher operativer Bedeutung. Bislang war die ukrainische Luftwaffe beim Einsatz von Lenkbomben darauf angewiesen, vergleichsweise nah an die vorderen Linien heranzufliegen, was die eigenen Maschinen und Besatzungen einem erhöhten Risiko durch russische Flugabwehr aussetzte. Waffen mit größerer Reichweite erlauben es, Ziele tief im russisch kontrollierten Gebiet zu bekämpfen, ohne in den direkten Gefahrenbereich vorstoßen zu müssen – darunter Munitionsdepots, Treibstofflager, Kommandoposten und Nachschubwege.
Die Lieferung von JDAM-Kits an die Ukraine hat eine Vorgeschichte: Australien hatte der Ukraine bereits früher solche Systeme übermittelt, was die militärische Nützlichkeit der Munition im ukrainischen Kontext unter Beweis gestellt hatte. Die nun durch Washington formell genehmigte Transaktion ist Teil eines größeren Musters der westlichen Rüstungsunterstützung, die zunehmend auf Präzisionssysteme mit größerer Reichweite setzt. In Kyjiw hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj wiederholt betont, dass Fernwaffensysteme für die Verteidigung des Landes unverzichtbar seien, da sie es der Ukraine ermöglichten, russische Logistik und Infrastruktur auch dann zu treffen, wenn direkte Gegenangriffe an der Front nicht möglich sind.
Die formelle Genehmigung durch das US-Außenministerium bedeutet noch nicht den unmittelbaren Abschluss des Verkaufs – sie eröffnet den rechtlichen Rahmen für die Transaktion und informiert den US-Kongress über die geplante Lieferung. Der Kongress hat im Anschluss daran die Möglichkeit, innerhalb einer bestimmten Frist Einspruch zu erheben. Angesichts der parteiübergreifenden Unterstützung für die Ukraine-Hilfe im Verteidigungsbereich gilt ein solcher Einspruch jedoch als unwahrscheinlich.