Massiver Shahed-Angriff auf Ukraine: Verteidigungsministerium erwartet Attacken bis Donnerstagmittag
Russland hat die Ukraine mit Hunderten Shahed-Drohnen attackiert – und ein Ende ist nicht in Sicht. Ein Berater des Verteidigungsministeriums warnt vor weiteren Raketenangriffen in der Nacht. Besonders hart traf es den Westen des Landes.
Russland hat am Mittwoch eine massive kombinierte Angriffswelle gegen die Ukraine gestartet, die nach Einschätzung des ukrainischen Verteidigungsministeriums bis zum Mittag des 13. Mai andauern dürfte. Beraten von Serhij Beskrestnow, bekannt unter seinem Rufzeichen „Flasch" und Berater des Verteidigungsministers, wurden die ukrainischen Streitkräfte und die Zivilbevölkerung auf eine schwere Nacht vorbereitet.
„Ich gehe davon aus, dass dies bis morgen Mittag anhalten kann, ungefähr so. Das bedeutet, dass wir in der Nacht Raketenabschüsse sehen werden, danach möglicherweise noch eine weitere Welle", erklärte Beskrestnow im ukrainischen Telemarathon. Russland habe genügend Schahed-Reserven angehäuft, um die Ukraine sowohl heute als auch morgen angreifen zu können. Er appellierte eindringlich an die Bevölkerung, Schutzräume aufzusuchen, um die Risiken durch die Drohnenangriffe zu minimieren.
Nach Angaben Beskrestnows haben die russischen Streitkräfte bereits mehrere Hundert Shahed-Kampfdrohnen eingesetzt – Angriffe, die sowohl aus südlicher als auch aus nördlicher Richtung erfolgten. Der Berater sprach von einem kombinierten Großangriff, den die ukrainischen Verteidigungskräfte erwartet hatten und auf den man vorbereitet gewesen sei. Für die Nacht zum Donnerstag rechnet er mit Raketenangriffen auf die zentrale und westliche Ukraine oder einer koordinierten kombinierten Attacke auf beide Landesteile.
Die Angriffswelle hatte am frühen Morgen des 13. Mai begonnen, als russische Streitkräfte erstmals mit Shaheds gegen Kyjiw und Odessa vorgingen. Dabei beobachteten ukrainische Experten eine veränderte Taktik des Gegners: Die Drohnen flogen entlang der Grenze zu Belarus in einem Abstand von fünf bis zehn Kilometern, buchstäblich eine nach der anderen und sofort in großer Zahl. Laut Beskrestnow zielt Russland darauf ab, die ukrainische Flugabwehr zu überlasten, damit möglichst viele Drohnen tief ins Landesinnere in Richtung Westen vordringen können.
In der Folge wurde der Westen der Ukraine zum Hauptziel der russischen Angriffe. Besonders schwer betroffen war die Region um Riwne, wo eine Drohne in ein Wohngebäude einschlug. Nach bisherigen Angaben gab es dabei Tote und Verletzte. Auch Luzk und Kowel standen unter massivem Beschuss: In der Nähe eines Objekts der kritischen Infrastruktur in Kowel wurden Kraftfahrzeuge und ein Wohngebäude beschädigt, fünf Personen suchten medizinische Hilfe. Unter Beschuss gerieten außerdem die Oblaste Transkarpatien, Tscherniwzi, Lwiw, Ternopil und Iwano-Frankiwsk. Augenzeugenberichten zufolge erreichte eine Drohne auch das Feriengebiet Bukowel im Karpatenmassiv.
Der ukrainische Generalstab bestätigte in dieser Zeit auch erfolgreiche eigene Operationen: Demnach wurden ein russischer Ölterminal sowie ein Gasverarbeitungswerk auf russischem Territorium durch ukrainische Drohnenangriffe getroffen. Der Nachrichtendienst Reuters berichtete zudem, dass ukrainische Drohnen eine der größten russischen Erdölraffinerien vorübergehend außer Betrieb gesetzt hätten.
Das ukrainische Kriegsanalyse-Netzwerk DeepState kommentierte die laufende Angriffswelle mit deutlichen Worten. Man wertete die massiven Beschüsse als Preis für das sogenannte temporäre Waffenstillstandsangebot, das Russland zuletzt öffentlichkeitswirksam propagiert hatte. Experten betonten, dass Moskau trotz aller diplomatischen Signale seine militärischen Kapazitäten ungebrochen einsetzt und die Zivilbevölkerung weiterhin systematisch terrorisiert.
Auch die Eisenbahninfrastruktur der Ukraine wurde nach Angaben der Staatsbahn im Verlauf des Tages mehrfach attackiert. Dabei kamen Mitarbeiter ums Leben, mehrere Zugverbindungen erlitten erhebliche Verspätungen. Der Angriff auf die Bahninfrastruktur gilt als Teil der russischen Strategie, die Versorgungslinien und die Mobilität im Hinterland zu stören.
Militärberater Beskrestnow wies darauf hin, dass der Westen der Ukraine den Schwerpunkt der Angriffe am Mittwoch bildete, während für die Nacht eine Verlagerung in Richtung Zentralukraine oder ein kombinierter Schlag gegen beide Landesteile erwartet werde. Wo genau die russischen Streitkräfte als Nächstes zuschlagen werden, lasse sich mit Sicherheit nicht vorhersagen.
Die ukrainische Flugabwehr war nach eigenen Angaben intensiv im Einsatz. Genaue Zahlen zur Abschussquote wurden zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht bekanntgegeben. Die Behörden riefen die gesamte Bevölkerung in den betroffenen Regionen dazu auf, Luftschutzkeller und Schutzräume aufzusuchen und Luftalarmwarnungen konsequent zu befolgen.