Ukraine und USA kurz vor Drohnen-Kooperationsabkommen

Die Ukraine und die USA stehen kurz vor einem Rüstungsabkommen zur gemeinsamen Drohnenproduktion. Das Pentagon hat ukrainische Firmen bereits zur milliardenschweren „Drone Dominance"-Initiative eingeladen — trotz anfänglicher Skepsis aus dem Weißen Haus.

Ukraine und USA kurz vor Drohnen-Kooperationsabkommen
Foto: mil.gov.ua

Die Ukraine und die Vereinigten Staaten stehen kurz vor dem Abschluss einer weitreichenden Rüstungskooperation im Bereich der Drohnentechnologie. Wie der US-amerikanische Sender CBS News berichtet, haben das US-Außenministerium und die ukrainische Botschafterin Olha Stefanischtyna einen gemeinsamen Memorandum-Entwurf erarbeitet, der als erster formaler Schritt zu einem umfassenden Verteidigungsabkommen zwischen beiden Ländern gelten soll.

Das geplante Abkommen würde der Ukraine erlauben, militärische Technologien in die Vereinigten Staaten zu exportieren und gemeinsam mit amerikanischen Unternehmen Joint Ventures zur Drohnenproduktion zu gründen. Damit würde eine industrielle Partnerschaft entstehen, von der beide Seiten nach ukrainischer Einschätzung profitieren könnten — die Ukraine durch Zugang zu amerikanischem Kapital und Absatzmärkten, die USA durch ukrainisches Know-how auf einem Kriegsschauplatz, der die Entwicklung unbemannter Systeme in einem bis dahin unbekannten Tempo vorangetrieben hat.

Dass ukrainische Drohnentechnologie auch für die USA von unmittelbarem operativen Wert ist, zeigte sich im jüngsten Konflikt im Iran. Die Ukraine half demnach Verbündeten der Vereinigten Staaten dabei, Angriffe mit Drohnen vom Typ Schahed abzuwehren, und stellte damit unter Beweis, dass die im Krieg gegen Russland entwickelten Systeme und Abwehrkonzepte auch in anderen regionalen Konflikten einsetzbar sind. Für Washington dürfte dieses demonstrierte Potenzial ein gewichtiges Argument für die Kooperation darstellen.

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass derzeit rund 20 Länder in das ukrainische Programm namens „Drone Deals" eingebunden seien. Mit vier Staaten — Saudi-Arabien, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Finnland — seien entsprechende Abkommen bereits unterzeichnet. Die Vereinigten Staaten wären damit der bislang gewichtigste Partner innerhalb dieses Rahmens.

Die Ausgangslage für eine derartige Partnerschaft ist auf ukrainischer Seite bemerkenswert: Die Ukraine verfügt über die industriellen Kapazitäten, im Jahr 2026 rund drei Millionen kostengünstige FPV-Drohnen herzustellen. Die amerikanische Rüstungsindustrie brachte im vergangenen Jahr lediglich 300.000 solcher Systeme hervor. Dieser eklatante Produktionsunterschied macht die Ukraine zu einem attraktiven Partner für die USA, die ihrerseits an einer Stärkung der eigenen unbemannten Luftkapazitäten interessiert sind.

Das US-Verteidigungsministerium hat ukrainische Unternehmen bereits zur Teilnahme an der Initiative „Drone Dominance" eingeladen, für die ein Budget von 1,1 Milliarden US-Dollar vorgesehen ist. Damit hat das Pentagon konkrete Schritte unternommen, noch bevor ein formales Abkommen unterzeichnet ist — ein Zeichen, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit auf militärischer Ebene bereits Gestalt annimmt, auch wenn die politische Einigung noch aussteht.

Denn auf politischer Ebene war der Weg zur Kooperation zuletzt nicht frei von Hindernissen. Das Weiße Haus unter Präsident Donald Trump hatte sich zunächst skeptisch gezeigt; Trump selbst hatte erklärt, dass die USA auf diesem Gebiet keine fremde Hilfe benötigten. Ungeachtet dieser Signale laufen die Verhandlungen jedoch weiter, und das Verteidigungsministerium agiert offenbar unabhängig von den öffentlichen Relativierungen des Präsidenten.

Der ukrainische Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat prognostiziert, dass das Produktionspotenzial der heimischen Rüstungsindustrie bis Ende des Jahres ein Volumen von 55 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Dem stehen allerdings verfügbare Mittel für Rüstungseinkäufe von lediglich rund 15 Milliarden Dollar im laufenden Jahr gegenüber. Diese Finanzierungslücke macht deutlich, weshalb Kyjiw auf externe Kooperationen und Kapitalbeteiligungen angewiesen ist: Ohne ausländische Investitionen lässt sich das vorhandene industrielle Potenzial nicht ausschöpfen.

Einige ukrainische Unternehmen haben nicht auf ein formales Abkommen gewartet und sind bereits auf dem US-amerikanischen Markt aktiv. Im März unterzeichnete General Cherry, einer der größten ukrainischen Drohnenhersteller, eine Vereinbarung zur gemeinsamen Produktion unbemannter Luftfahrtsysteme in den USA — als Partner fungiert der amerikanische Rüstungsausrüster Wilcox Industries. Dieses Beispiel illustriert, dass die bilaterale Industriekooperation in der Praxis bereits begonnen hat, auch wenn der diplomatische Rahmen noch in Ausarbeitung ist.

Parallel dazu betreibt die Ukraine eine breite diplomatische Offensive für ihre Drohnentechnologie. Sicherheitsratssekretär Rustem Umerow unternahm in den vergangenen Monaten mehrere Reisen in die Golfstaaten, um Kooperationsabkommen im Drohnenbereich auszuloten. Auch mit europäischen Partnern führt Kyjiw entsprechende Gespräche und arbeitet an weiteren Abkommen innerhalb des Drone-Deals-Rahmens. Die Ukraine verfolgt damit eine Strategie der industriellen Diversifizierung, die den Krieg gegen Russland nicht nur als existenzielle Bedrohung, sondern auch als Katalysator für den Aufbau eines global vernetzten Rüstungsexportsektors begreift.