Ukraine nimmt Öltransit durch Druschba-Pipeline am Mittwoch wieder auf

Die Ukraine nimmt den Öltransit durch die Druschba-Pipeline am Mittwoch wieder auf — kurz nachdem Präsident Selensky die abgeschlossenen Reparaturen gemeldet hatte, liegt bereits die erste Transitanfrage des ungarischen Ölkonzerns MOL vor.

Ukraine nimmt Öltransit durch Druschba-Pipeline am Mittwoch wieder auf
Foto: Wikipedia

Die Ukraine wird den Öltransit durch die Druschba-Pipeline bereits am Mittwoch, dem 22. April, wieder aufnehmen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle aus der Branche. Der Neustart des Betriebs ist demnach für den Nachmittag des folgenden Tages geplant. Bereits die erste Transitanfrage liegt vor: Das ungarische Ölunternehmen MOL hat nach Angaben des Insiders entsprechende Anträge eingereicht, wobei die ersten Liefermengen zu gleichen Teilen auf Ungarn und die Slowakei aufgeteilt werden sollen.

Die Wiederaufnahme des Transits ist eng mit den laufenden Verhandlungen über ein milliardenschweres EU-Kreditpaket verknüpft. Kyjiw strebt dringend Zugang zu einem EU-Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro an, der für die Kriegsfinanzierung und den Wiederaufbau des Landes von zentraler Bedeutung ist. Der Neustart der Druschba-Pipeline gilt dabei als wichtiges Signal an die europäischen Partner, insbesondere an jene EU-Mitgliedstaaten, die nach wie vor auf russisches Öl angewiesen sind und zuletzt erheblichen Druck auf Kyjiw ausgeübt hatten.

Die Geschichte rund um die Druschba-Pipeline ist in den vergangenen Monaten zu einem symbolisch aufgeladenen Streitpunkt zwischen der Ukraine und einigen ihrer EU-Nachbarn geworden. Am 27. Januar 2026 hatten russische Besatzungstruppen die Pipeline mit einem gezielten Angriff getroffen und damit den Öltransit in mehrere europäische Länder abrupt zum Erliegen gebracht. Der Schaden an der kritischen Infrastruktur war erheblich und erforderte umfangreiche Reparaturarbeiten, die sich über mehrere Wochen hinzogen.

Besonders auffällig war dabei die Reaktion Ungarns. Budapest beschuldigte in der Folge nicht etwa Russland als Urheber des Angriffs, sondern machte die Ukraine für die Versorgungsunterbrechungen verantwortlich. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha wies diese Darstellung scharf zurück und betonte, dass Ungarn gegenüber Moskau noch nicht einmal einen formellen Protest eingelegt habe. Diese Episode verdeutlichte einmal mehr die besondere Rolle, die Ungarn innerhalb der Europäischen Union einnimmt: Als eines der wenigen EU-Länder kauft Budapest weiterhin in erheblichem Umfang russisches Gas und Öl und pflegt damit wirtschaftliche Abhängigkeiten, die von den meisten anderen Mitgliedstaaten längst abgebaut werden.

Auch die Slowakei zeigte sich zunächst skeptisch gegenüber den ukrainischen Angaben über den Zustand der beschädigten Pipeline und drängte darauf, eigene Experten zu entsenden. Im März schließlich reisten Fachleute der Europäischen Union in die Ukraine, um den Zustand der von Russland angegriffenen Anlage vor Ort zu begutachten. Die Ergebnisse dieser Inspektion bestätigten im Wesentlichen die ukrainische Darstellung des Sachverhalts.

Am Dienstag, dem 21. April, meldete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selensky, dass die Reparaturarbeiten an der Druschba-Pipeline abgeschlossen seien. Zugleich sprach er jedoch eine deutliche Warnung aus: Es gebe keine Garantie dafür, dass Russland die Pipeline nicht erneut angreife. Diese Einschätzung ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Russland hat im Verlauf des Krieges wiederholt gezeigt, dass es bereit und in der Lage ist, zivile Infrastruktur systematisch zu zerstören — unabhängig davon, ob davon auch Drittländer betroffen sind, die formell als neutral oder gar als russlandfreundlich gelten.

Das Druschba-System gehört zu den ältesten und längsten Ölpipelinesystemen der Welt. Es wurde in der Sowjetzeit gebaut und verbindet Russland über das Territorium der Ukraine und Weißrusslands mit mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern, darunter Polen, Deutschland, die Tschechische Republik, die Slowakei und Ungarn. Vor allem der südliche Ast der Pipeline, der durch die Ukraine verläuft, versorgt Ungarn und die Slowakei mit einem erheblichen Anteil ihres Rohölbedarfs. Beide Länder haben bislang keine vollständige Unabhängigkeit von dieser Versorgungsroute erreicht, was ihre politische Haltung im EU-internen Diskurs über Russlandsanktionen und Ukraine-Unterstützung nachhaltig beeinflusst.

Die Wiederaufnahme des Transits ab dem 22. April dürfte die Spannungen innerhalb der EU vorerst lindern. Sie ändert jedoch nichts an der grundlegenden Verwundbarkeit dieser Infrastruktur, solange Russland die militärischen Mittel besitzt, sie erneut ins Visier zu nehmen. Kyjiw hat mit der raschen Wiederherstellung der Pipeline seinen guten Willen gegenüber den europäischen Partnern demonstriert — und gleichzeitig unmissverständlich klargemacht, dass Russland allein die Verantwortung für künftige Unterbrechungen trägt.