Russische Armee tötet ukrainische Evakuierungsgruppe während Osterfeuerpause

Russland hat den selbst ausgerufenen Osterwaffenstillstand von Beginn an gebrochen – allein in den ersten sechs Stunden registrierte die Ukraine fast 500 Verstöße, darunter den tödlichen Drohnenangriff auf eine Evakuierungsgruppe in der Region Saporischschja.

Russische Armee tötet ukrainische Evakuierungsgruppe während Osterfeuerpause
Foto: DeepState

Während des von Russland ausgerufenen Osterwaffenstillstands hat die russische Armee am Karsamstag eine ukrainische Evakuierungsgruppe in der Region Saporischschja getötet. Der Angriff ereignete sich gegen 17:30 Uhr in der Nähe des Dorfes Huljaipilske – rund anderthalb Stunden nach Inkrafttreten der angekündigten Feuerpause. Eingesetzt wurden FPV-Drohnen. Dies berichtete das ukrainische Frontbeobachtungsprojekt DeepState.

Russland hatte das sogenannte Osterperemirium einseitig für den Zeitraum von 16:00 Uhr am Karsamstag bis zum Ende des 12. April angekündigt. Die ukrainische Seite erklärte, die Streitkräfte würden sich dem Waffenstillstand anschließen, behielten sich jedoch das Recht vor, auf jede feindliche Aktion zu reagieren.

Hunderte Verstöße innerhalb weniger Stunden

Von einer tatsächlichen Feuerpause war an der Front wenig zu spüren. Der ukrainische Generalstab meldete, dass bis 22:00 Uhr – also binnen sechs Stunden nach Beginn des Waffenstillstands – bereits 469 Verstöße durch russische Kräfte registriert worden waren. Darunter 22 Sturmaktionen, 153 Artilleriebeschüsse, 19 Angriffe mit Kamikazedrohnen vom Typ Lanzet und Molnija sowie 275 FPV-Drohnenangriffe.

In seinem Abendvideo sprach sich Präsident Wolodymyr Selenskyj dennoch dafür aus, die Feuerpause fortzusetzen. Russland habe ein Signal erhalten, dass eine Verlängerung möglich sei. Selenskyj betonte, dass die Menschen einen Osterfeiertag ohne Bedrohung verdienten und dass echte Schritte in Richtung Frieden nötig seien – nicht nur symbolische Gesten.

Ein Muster mit System

Der Angriff auf die Evakuierungsgruppe reiht sich in ein bekanntes Muster ein. Bereits bei früheren Feuerpausen – etwa zu Weihnachten oder beim orthodoxen Weihnachtsfest im Januar – hatte Russland angekündigte Waffenruhen gebrochen oder von Beginn an ignoriert. Humanitäre Ziele wie Sanitätsteams und Evakuierungsfahrzeuge sind dabei immer wieder gezielt ins Visier genommen worden, was nach internationalem Humanitären Völkerrecht als Kriegsverbrechen gilt.

Die Tötung der Evakuierungsgruppe nahe Huljaipilske ereignete sich am selben Tag, an dem die Ukraine fast 200 eigene Kriegsgefangene aus russischer Haft empfing – darunter viele, die seit dem Beginn der Vollinvasion festgehalten worden waren.