Osteraustausch: Ukraine holt fast 200 Gefangene nach Hause
Fast 200 Ukrainer sind am Karsamstag aus russischer Gefangenschaft heimgekehrt – darunter Verteidiger von Mariupol und Soldaten, die Russland bislang kategorisch nicht freigeben wollte.
Am Karsamstag, dem 11. April, hat die Ukraine in einem humanitären Gefangenenaustausch mit Russland 175 Soldaten und sieben Zivilisten befreit. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Austausch persönlich auf Telegram – und hob hervor, was diesen Austausch von vielen vorherigen unterscheidet: Fast alle Freigelassenen befanden sich seit dem Jahr 2022 in russischer Gefangenschaft.
„Unsere Leute kehren nach Hause zurück. 175 Soldaten. Kämpfer der Streitkräfte, Nationalgardisten, Grenzschützer. Mannschaftsdienstgrade, Unteroffiziere und Offiziere. Und sieben Zivilisten", schrieb Selenskyj. Er dankte allen Einheiten, die durch ihren Einsatz den ukrainischen Austauschfonds aufgefüllt haben, sowie allen internationalen Partnern, die bei der Rückholung mitgewirkt haben.
Verteidiger von Mariupol und der Tschernobyl-Zone
Der Koordinierungsstab für Kriegsgefangene ergänzte, dass mehr als die Hälfte der am Samstag Freigekommenen während der Verteidigung von Mariupol in russische Gefangenschaft geraten war – jenem monatelangen Häuserkampf, der im Frühjahr 2022 die Welt erschütterte und mit der Kapitulation der verbliebenen Verteidiger im Asowstahlwerk endete. Unter den Freigelassenen befinden sich auch mehrere Nationalgardisten, die in den ersten Tagen der russischen Vollinvasion bei der Besetzung des Kernkraftwerks Tschornobyl gefangen genommen worden waren.

Besonders bedeutsam: Es gelang, 25 Offiziere zu befreien, deren Freilassung die russische Seite zuvor kategorisch verweigert hatte. Die Freigelassenen hatten die Ukraine auf verschiedenen Frontabschnitten verteidigt – darunter Mariupol, Tschornobyl, der Raum Donezk, Luhansk, Charkiw, Cherson, Saporischschja, Sumy, Kyjiw und der Raum Kursk. Mehrere von ihnen sind verletzt.
Der jüngste Freigelassene ist 22 Jahre alt, der älteste 63.
Ein Zeichen zu Ostern
Der Austausch fiel bewusst auf den Vorabend des ukrainischen Osterfests, das in diesem Jahr auf den 12. April fiel. Militärgeheimdienstchef Kyrylo Budanow hatte den Austausch zuvor öffentlich bestätigt und angekündigt, dass noch vor Ende der folgenden Woche ein weiterer Austausch möglich sei.
Für die Familien der Betroffenen bedeutet die Nachricht nach oft jahrelangem Warten und Bangen eine Erlösung. Bilder vom Austauschort zeigten Umarmungen und sichtlich erschöpfte, aber lebendige Männer. Viele von ihnen hatten seit Februar 2022 keinen Kontakt zu ihren Angehörigen gehabt.
Selenskyj unterstrich, dass die vollständige Rückholung aller ukrainischen Kriegsgefangenen für Kyjiw eine Frage des Prinzips bleibe: „Die Rückholung aller Menschen aus russischer Gefangenschaft ist für uns von grundlegender Bedeutung." Wie viele Ukrainer insgesamt noch in russischer Haft sind, ist offiziell nicht bekannt – Schätzungen gehen von mehreren Tausend aus.