Geheimdienstbericht: Russland plant neue Großoffensive im Südosten der Ukraine

Russland verstärkt seine Truppen im Südosten der Ukraine und bereitet laut Geheimdienstangaben eine neue Offensive vor. Während Moskau ehrgeizige Ziele im Donbas verfolgt, bleibt die Lage an der Front angespannt und Friedensgespräche kommen kaum voran.

Geheimdienstbericht: Russland plant neue Großoffensive im Südosten der Ukraine
Foto: Artilleriebrigade der Luftlandetruppen Schytomyr

Russland bereitet eine neue Bodenoffensive im Südosten der Ukraine vor und zieht dafür strategische Reserven von rund 20.000 Soldaten zusammen. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf Wadym Skibitsky, den stellvertretenden Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR, der der ukrainischen Verhandlungsdelegation angehört. Derzeit stehen nach GUR-Angaben rund 680.000 russische Soldaten an der Front.

Foto: Ukraine-Journal

Das erklärte Ziel Moskaus ist nach Einschätzung des ukrainischen Geheimdienstes die vollständige Einnahme des Donbas — und zwar bis September dieses Jahres. Das würde bedeuten, dass Russland die verbleibenden Teile der Oblaste Donezk und Luhansk, die noch unter ukrainischer Kontrolle stehen, innerhalb weniger Monate unter seine Kontrolle bringen will. Ein äußerst ambitionierter Zeitplan angesichts der bisherigen Frontdynamik, die trotz anhaltender russischer Vorstöße nur langsame Geländegewinne gezeigt hat.

Skibitsky verwies zudem auf den deutlich gewachsenen russischen Rüstungsausstoß. Russland produziere derzeit rund 60 Iskander-Raketen pro Monat und habe seine Produktionskapazitäten insgesamt erheblich ausgebaut. Dem stehe auf ukrainischer Seite ein anhaltender Mangel an Abwehrmitteln gegenüber: Die Ukraine verfüge schlicht nicht über ausreichende Ressourcen, um ihr gesamtes Territorium wirksam zu schützen.

Besonders besorgniserregend ist nach Angaben des GUR-Vertreters die Lage der ukrainischen Energieinfrastruktur. Die russische Winterkampagne habe massive Schäden an Kraftwerken und Stromleitungen hinterlassen. Das Energiesystem sei weiterhin extrem anfällig — und Moskau verfeinere seine Angriffstaktik kontinuierlich weiter, um bestehende Lücken in der ukrainischen Luftabwehr gezielt auszunutzen.

Parallel zu diesen Geheimdiensteinschätzungen zeigt das aktuelle Frontbild ein gemischtes Bild. Im Gebiet um das besetzte Donezk hat die ukrainische Asow-Brigade nach eigenen Angaben alle Nachschubwege unter Drohnenkontrolle gestellt und verfolgt russische Einheiten auf den Straßen in Richtung Suhres, Andrijiwka, Starobeschew, Horliwka, Lyssytschansk sowie auf der Donezker Ringstraße. Im Gebiet Charkiw wiederum haben ukrainische Kräfte in der schwer umkämpften Stadt Wowchansk Teile mehrerer Straßenzüge zurückerobert und dabei nach eigenen Angaben erhebliche feindliche Infanterieverluste erzielt.

Der Bericht des GUR fällt in eine Phase, in der die Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien zwar nominell laufen, aber keine substanziellen Ergebnisse vorweisen können. Dass Russland parallel dazu strategische Reserven in Stellung bringt, legt nahe, dass Moskau auf militärische Fakten setzt — und nicht auf Verhandlungsergebnisse.