Ust-Luga brennt wieder: Ukraine setzt Angriffe auf russische Energieinfrastruktur an der Ostsee fort
Die ukrainische Angriffsserie auf russische Energieinfrastruktur an der Ostsee geht weiter: Drohnen trafen erneut den Hafen Ust-Luga, störten den Flugbetrieb in Sankt Petersburg und wurden über estnischem Territorium geortet.
Ukrainische Langstreckendrohnen haben den russischen Öl- und Gashafen Ust-Luga an der Ostsee erneut angegriffen. Der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, bestätigte Schäden an den Hafenanlagen. Es ist bereits der fünfte Angriff auf russische Energieinfrastruktur an der Ostsee innerhalb weniger Tage – nach einer Serie von Treffern auf Ust-Luga und den Nachbarhafen Prymorsk in der vergangenen Woche.
Der Angriff weitete sich über die unmittelbare Zielregion hinaus aus. Am Finnischen Meerbusen wurden Drohnen über den Landkreisen Kingisepp an der estnisch-russischen Grenze sowie Wyborg nahe der Grenze zu Finnland geortet. Am Flughafen der Millionenstadt Sankt Petersburg – rund 150 Kilometer vom Angriffsgebiet entfernt – mussten wegen der Drohnenbedrohung mehr als 60 Flüge gestrichen oder verschoben werden. Der zivile Luftverkehr in der gesamten Nordwestregion Russlands wurde damit spürbar gestört.
Besonders heikel ist das Übergreifen der Drohnenaktivität auf NATO-Gebiet. Wie bereits in der Vorwoche drangen ukrainische Drohnen erneut in den estnischen Luftraum ein. Einwohner der Region Kastre im Osten Estlands berichteten in lokalen Telegramkanälen vom charakteristischen Surren der Flugkörper sowie mindestens einer Explosion. Eine offizielle Stellungnahme des estnischen Verteidigungsministeriums stand zunächst aus.
Die wiederholten Luftraumverletzungen über Estland sind diplomatisch brisant: Das NATO-Mitglied ist verpflichtet, seinen Luftraum zu schützen, und hatte nach ähnlichen Vorfällen in der Vorwoche bereits Erklärungsbedarf angemeldet. Bisher hat Tallinn die Vorfälle zur Kenntnis genommen, ohne eine formelle Beschwerde einzureichen – ein Balanceakt zwischen Bündnisverpflichtungen und der grundsätzlichen Unterstützung der Ukraine.
Ust-Luga gilt als einer der strategisch wichtigsten Häfen Russlands an der Ostsee. Über ihn werden erhebliche Mengen Rohöl exportiert, teils über Tanker der sogenannten Schattenflotte, mit der Russland westliche Sanktionen zu umgehen versucht. Die Ukraine setzt mit ihrer Angriffsserie auf eine klare wirtschaftliche Logik: Jeder Ausfall des Terminals entzieht Moskau Exporteinnahmen, die direkt der Kriegsfinanzierung dienen.