Ungarn beschuldigt Ukraine: Szijjártó wirft Kyjiw Transport von „Militärmafia"-Geldern vor

Der Streit zwischen Ungarn und der Ukraine um beschlagnahmte Geldtransporter der Oschadbank spitzt sich zu: Budapest wirft Kyjiw vor, Gelder einer „Militärmafia" transportiert zu haben – und hält Bargeld und Gold im Wert von über 75 Millionen Dollar weiter fest.

Ungarn beschuldigt Ukraine: Szijjártó wirft Kyjiw Transport von „Militärmafia"-Geldern vor
Foto: Х / UKR Embassy in HUN

Budapest/Kyjiw – Der diplomatische Konflikt zwischen Ungarn und der Ukraine eskaliert weiter. Im Zentrum steht die Beschlagnahmung zweier gepanzerter Geldtransporter der ukrainischen Staatsbank Oschadbank, die am 5. März auf dem Weg von Wien in die Ukraine von ungarischen Sicherheitsbehörden gestoppt wurden. Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó erhob dabei schwere Vorwürfe: Es stelle sich die Frage, ob das Geld der sogenannten „ukrainischen Militärmafia" gehöre.

Enorme Summen – und ein ehemaliger Geheimdienstgeneral

Die beschlagnahmten Fahrzeuge transportierten nach ungarischen Angaben 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro sowie 9 Kilogramm Goldbarren. Sieben ukrainische Staatsbürger wurden festgenommen und verdächtig der Geldwäsche. Sie wurden inzwischen freigelassen und kehrten in die Ukraine zurück – die Wertgegenstände jedoch blieben in ungarischem Gewahrsam.

Besonders brisant: Nach ungarischen Medienberichten soll der Anführer der Gruppe der pensionierte Generalmajor Gennadij Kusnezow gewesen sein, ehemaliger Chef des Anti-Terror-Sonderoperationszentrums beim ukrainischen Geheimdienst SBU. Ungarische Behörden berichteten zudem, dass einer seiner früheren Untergebenen zuvor in Moskau über Aktivitäten ukrainischer Sicherheitskräfte im Donbas Bericht erstattet haben soll. Regierungssprecher Zoltán Kovács ergänzte, mehrere der Beteiligten hätten ausgeprägte militärische Hintergründe und enge Verbindungen zu ukrainischen Geheimdiensten.

Szijjártó: Seit Januar fast eine Milliarde Dollar transportiert

Außenminister Szijjártó ging in seiner Videobotschaft noch weiter: Er behauptete, seit Januar 2026 seien insgesamt 900 Millionen US-Dollar, 420 Millionen Euro und 146 Kilogramm Gold durch Ungarn in Richtung Ukraine transportiert worden – in „erstaunlichen Mengen", wie er es formulierte. Budapest fordert von Kyjiw eine sofortige und vollständige Erklärung über Herkunft und Zweck dieser Mittel. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán erklärte unterdessen, das Geld werde so lange einbehalten, bis die Ermittlungen den rechtmäßigen Eigentümer geklärt haben.

Oschadbank und Kyjiw weisen Vorwürfe zurück

Die ukrainische Seite reagierte mit scharfer Zurückweisung. Die Oschadbank bezeichnete den Vorfall als vollkommen routinemäßigen Vorgang: Die Wertsachen seien im Rahmen einer regulären Vereinbarung mit der österreichischen Raiffeisenbank transportiert und ordnungsgemäß deklariert worden. Die Bank kündigte rechtliche Schritte an, sollte das Eigentum nicht unverzüglich zurückgegeben werden.

Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete das Vorgehen Ungarns als beispiellosen Fall von „staatlichem Banditismus" und rief alle europäischen Partner auf, den Vorfall zu verurteilen. Auch die Raiffeisenbank International in Wien bestätigte indirekt den Sachverhalt: Ein Sprecher erklärte, die Bank sei seit Jahren als Händler für Banknoten tätig und arbeite dabei mit verschiedenen Institutionen zusammen. Die ungarischen Geldwäschevorwürfe seien „lächerlich".

Politischer Hintergrund: Ölpipeline und Milliardenhilfe

Beobachter sehen in dem Vorfall weniger einen echten Kriminalfall als vielmehr einen politischen Schachzug Budapests. Der Konflikt steht im Kontext einer Reihe handfester Streitpunkte zwischen Ungarn und der Ukraine: Kyjiw hatte Ende Januar die Durchleitung russischen Öls durch die Druschba-Pipeline nach Ungarn gestoppt, woraufhin Budapest ein Ultimatum stellte und mit politischem und finanziellem Druck drohte. Orbán blockiert zudem seit Monaten das EU-Hilfspaket über 90 Milliarden Euro für die Ukraine.

Ungarische Faktenchecker wiesen darüber hinaus darauf hin, dass russische Propagandakanäle den Zwischenfall sofort für eine gezielte Desinformationskampagne nutzten – unter anderem mit KI-generierten Falschbildern über die festgehaltenen ukrainischen Fahrer.

Der Vorfall belastet die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Kyjiw und Budapest erheblich – und dürfte auch auf europäischer Ebene für weiteren Zündstoff sorgen.