Ukrainische Drohnen treffen Häfen in der Region Sankt Petersburg
Ukrainische Drohnen haben in der Nacht auf Mittwoch zwei russische Ostseehäfen in der Region Leningrad getroffen und Brände ausgelöst – darunter erneut das Energiewerk NOWATĖK in Ust-Luga, einem der wichtigsten Umschlagplätze für russische Ölexporte.
In der Nacht auf den 25. März haben ukrainische Drohnen zwei russische Ostseehäfen in der Region Leningrad attackiert und dabei Brände ausgelöst. Betroffen waren der Industriehafen Ust-Luga sowie der Hafen der Stadt Wyborg. Gleichzeitig wurde die Stadt Belgorod mit Raketen beschossen, wodurch rund 450.000 Menschen zeitweise ohne Strom, Wasser und Heizung blieben.
Gegen vier Uhr morgens berichteten Anwohner in der Umgebung von Ust-Luga von Explosionen und teilten in sozialen Netzwerken Videos und Fotos, auf denen dichte Rauchschwaden und Flammen zu sehen waren. OSINT-Analysten zufolge wurde erneut das Werk NOWATĖK-Ust-Luga getroffen, wo Speichertanks in Brand gerieten. Die Anlage verarbeitet stabilisiertes Gaskondensat – ein Nebenprodukt der Erdgas- und Ölförderung – und verschifft Erdölprodukte auf internationale Märkte.
Ukrainian drones attacked the port of Ust-Luga in Russia
— Visegrád 24 (@visegrad24) March 25, 2026
Following the strike, a Novatek facility in the area caught fire. The plant processes gas condensate and exports petroleum products. pic.twitter.com/zzjtITS7NV
Ust-Luga ist einer der größten Universalhäfen Russlands an der Ostsee. Im Jahr 2025 belief sich sein Güterumschlag auf 130,5 Millionen Tonnen. Über den Hafen werden sowohl Flüssiggüter – darunter Rohöl, Erdölprodukte, Flüssigchemikalien, Ammoniak und Harnstoff – als auch Kohle, Mineralien, Eisenerz, Getreide, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Container abgewickelt. Er gilt damit als ein zentraler Knotenpunkt für russische Energieexporte in westliche und internationale Märkte.
In Wyborg geriet nach dem Drohnenangriff ein Schiff in Brand. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei vorläufig um den Patrouilleneisenbrecher „Purga", der derzeit auf der Wyborger Schiffswerft für den Grenzdienst des russischen FSB gebaut wird. Darüber hinaus fing ein Gebäude des Unternehmens AG „Agrikola" Feuer, das sich rund 30 Meter vom örtlichen FSB-Gebäude entfernt befindet.
Der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drossdenko, erklärte, in der Nacht seien 56 Drohnen abgefangen worden. Die Löscharbeiten im Hafen Ust-Luga dauerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch an.
Das russische Verteidigungsministerium behauptete seinerseits, in der Nacht auf den 25. März insgesamt 389 ukrainische Drohnen über zwölf russischen Regionen sowie im Moskauer Raum und auf der Krim abgeschossen zu haben – darunter über der Region Leningrad, aber auch über Brjansk, Smolensk, Kaluga, Kursk, Twer, Orjol, Belgorod, Tula, Pskow, Nowgorod und Wologda.
Die Angriffe vom 25. März fügen sich in eine Serie ukrainischer Tiefschläge gegen russische Energieinfrastruktur ein, die in den vergangenen Wochen deutlich an Intensität gewonnen hat. Am 22. und 23. März hatte der ukrainische Generalstab bestätigt, dass der Ölterminal „Transneft – Port Primorsk" in der Region Leningrad getroffen worden war, wobei der Tankpark und die Verladeinfrastruktur beschädigt wurden. Am 21. März hatten ukrainische Drohnen die Raffinerie in Saratow angegriffen und dabei eine Sekundärverarbeitungsanlage sowie einen großen Vertikaltank getroffen.
Die wiederholten Angriffe auf Ust-Luga sind strategisch bedeutsam: Der Hafen ist eine der wichtigsten Drehscheiben für russische Ölexporte über die Ostsee und damit ein zentrales Glied in der Finanzierungskette des russischen Krieges. Bereits im Frühjahr 2025 hatten Drohnenangriffe den Ölexport aus Ust-Luga vorübergehend unterbrochen. Die erneuten Treffer zeigen, dass die Ukraine ihre Fähigkeit ausbaut, wirtschaftlich sensible Ziele tief im russischen Hinterland zu erreichen – und dies trotz der massiven Gegenangriffe, die Russland zeitgleich auf ukrainische Städte und Energieanlagen fliegt.
Mit Drohnenangriffen auf den wichtigsten russischen Ostsee-Ölhafen und eine Raffinerie im über 1.400 Kilometer entfernten Ural, hatte die Ukraine bereits vor kurzem erneut tief ins Herz der russischen Kriegsfinanzierung getroffen.