Ukraine meldet Geländegewinne im Süden – Selenskyj: Russlands Frühjahrsoffensive durchkreuzt
Inmitten anhaltender russischer Angriffe und diplomatischer Blockaden meldet die Ukraine einen bedeutenden militärischen Erfolg: Im Süden des Landes haben die Streitkräfte innerhalb von eineinhalb Monaten über 400 Quadratkilometer Territorium zurückerobert.
Kyjiw – Inmitten anhaltender russischer Raketen- und Drohnenangriffe auf ukrainische Städte verkündete Präsident Wolodymyr Selenskyj am Sonntag eine bedeutende militärische Erfolgsmeldung: Den ukrainischen Streitkräften ist es nach eigenen Angaben gelungen, im Süden des Landes innerhalb von etwa eineinhalb Monaten rund 400 bis 435 Quadratkilometer besetztes Territorium zurückzuerobern. Die Operationen hätten zugleich die russischen Planungen für eine Frühjahrsoffensive in dieser Region erheblich gestört.
Gemeinsamer Auftritt mit dem niederländischen Premier
Selenskyj gab diese Erklärung während eines gemeinsamen Pressebriefings mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten ab, der zu einem Solidaritätsbesuch in Kyjiw eingetroffen war. Die Wahl des Moments war symbolisch: Der 8. März ist Internationaler Frauentag – und gleichzeitig ein Tag, an dem die russischen Angriffe auf ukrainisches Gebiet unvermindert weitergingen.
Der Präsident erläuterte, dass die ukrainischen Verteidigungskräfte in den vergangenen Wochen auf dem südlichen Frontabschnitt sowohl bedeutende Verteidigungsoperationen als auch gezielte Offensivaktionen durchgeführt hätten. Das erklärte Ziel sei es gewesen, russische Aufmarschpläne zu unterbinden – und dieses Ziel sei nach Einschätzung des Militärführung erfolgreich erreicht worden.
Hintergrund: Die Operationen auf dem Olexandriwsker Abschnitt
Die jetzt von Selenskyj bestätigten Zahlen decken sich mit früheren Angaben des ukrainischen Oberkommandierenden Oleksandr Syrskyj. Dieser hatte bereits Ende Februar berichtet, dass Luftlandekräfte und verbündete Einheiten seit Ende Januar im sogenannten Olexandriwsker Abschnitt die Kontrolle über rund 400 Quadratkilometer Territorium und acht Ortschaften zurückgewonnen hätten. Es handelt sich dabei um einen strategisch sensiblen Bereich im südlichen Frontgebiet, in dem russische Kräfte in den Vormonaten intensiven Druck ausgeübt hatten.
Die ukrainische Militärführung sieht in diesen Geländegewinnen nicht nur einen taktischen Erfolg, sondern vor allem eine präventive Maßnahme: Indem die Initiative ergriffen wurde, konnten russische Truppenkonzentrationen aufgelöst und geplante Stoßrichtungen für eine mögliche Frühjahrsoffensive durchkreuzt werden – eine klassische Strategie, um den Gegner in die Defensive zu zwingen, bevor er selbst angreifen kann.
Kontext: Ein Krieg an vielen Fronten
Selenskyjs Erfolgsmeldung fällt in eine Phase, die für die Ukraine von erheblichem Druck geprägt ist – militärisch wie diplomatisch. Allein in der vergangenen Woche feuerte Russland nach ukrainischen Angaben fast 1.750 Kampfdrohnen, mehr als 1.530 Gleitbomben sowie 39 Raketen auf ukrainisches Gebiet ab. Der Samstag war von einem besonders schweren Raketenangriff auf Charkiw überschattet worden, bei dem ein Wohnhaus im Kyiwer Bezirk der Stadt getroffen wurde und mindestens zehn Menschen ums Leben kamen.
Gleichzeitig kämpft Kyjiw um internationale Unterstützung: Das 20. EU-Sanktionspaket gegen Russland bleibt ebenso blockiert wie ein europäisches Hilfspaket im Umfang von 90 Milliarden Euro. Selenskyj hatte am Vortag angekündigt, die gesamte kommende Woche der Koordination mit europäischen Partnern zu widmen, um diese Blockaden zu durchbrechen.
Niederländische Unterstützung bekräftigt
Ministerpräsident Jetten nutzte seinen Besuch in Kyjiw, um die fortgesetzte Unterstützung der Niederlande für die Ukraine zu unterstreichen. Die Niederlande gehören seit Kriegsbeginn zu den verlässlichsten Verbündeten der Ukraine und haben unter anderem maßgeblich zur Lieferung von F-16-Kampfjets beigetragen. Selenskyj dankte seinen internationalen Partnern ausdrücklich und betonte, dass weitere Stärkung der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit unerlässlich sei – sowohl an der Front als auch durch politischen und wirtschaftlichen Druck auf Moskau.
Die ukrainische Seite wertet die Geländegewinne im Süden als Beweis dafür, dass die eigene Armee auch unter schwierigen Bedingungen in der Lage ist, die Initiative zu ergreifen und dem Gegner empfindliche Rückschläge zu versetzen. Wie nachhaltig diese Erfolge sind, wird sich in den kommenden Wochen zeigen – wenn das Wetter besser wird und die traditionell als besonders gefährlich geltende Frühjahrsphase des Krieges beginnt.