Selenskyj und Starmer starten strategischen Dialog – London sichert 3,6 Milliarden Euro Militärhilfe jährlich bis 2031 zu
Beim Londoner Gipfel zwischen Selenskyj und Starmer wurde nicht nur ein strategischer Dialog für acht Kooperationsbereiche gestartet, sondern auch britische Militärhilfe von mindestens 3,6 Milliarden Euro jährlich bis 2031 verbindlich zugesagt.
London – Bei seinem Besuch in der britischen Hauptstadt hat Präsident Wolodymyr Selenskyj gemeinsam mit Premierminister Keir Starmer einen umfassenden strategischen Dialog zwischen der Ukraine und Großbritannien auf den Weg gebracht. Die beiden Staaten definierten dabei acht Kooperationsbereiche für die Jahre 2025 und 2026 – von Verteidigung und Justiz bis hin zu Wissenschaft, Energie und Wirtschaft. Grundlage ist das bereits bestehende „Hundertjährige Partnerschaft" sowie frühere Sicherheitsabkommen zwischen beiden Ländern.
Militärhilfe bis 2031 festgeschrieben
Das konkreteste Signal kommt aus dem Verteidigungsbereich: London verpflichtete sich, der Ukraine bis 2031 jährlich mindestens drei Milliarden Pfund (ca. 3,6 Milliarden Euro) an Militärunterstützung bereitzustellen. Priorität hat dabei die Luftverteidigung sowie die gemeinsame Entwicklung von Verteidigungstechnologien. Im Rahmen des Programms LYRA sollen Drohnen-Abfangsysteme vom Typ OCTOPUS in größerer Stückzahl produziert werden. Das Projekt Nightfall wiederum soll britische Rüstungsinnovationen gezielt auf die Anforderungen des ukrainischen Schlachtfeldes zuschneiden. Das Ausbildungsprogramm Operation INTERFLEX, im Rahmen dessen bislang Zehntausende ukrainischer Soldaten in Großbritannien trainiert wurden, wird fortgesetzt.
Garantien, Truppen und Tribunal
Im politischen Teil der Vereinbarung bestätigte London seine Führungsrolle in der sogenannten „Koalition der Willigen" – jenem europäischen Zusammenschluss, der verbindliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine entwickelt und möglicherweise Truppen auf ukrainischem Boden stationieren soll. Großbritannien unterstützt zudem das Einfrieren russischer Vermögenswerte bis zur vollständigen Zahlung von Reparationen. Gemeinsam wollen beide Länder noch bis Ende 2026 einen Sondertribunal für das russische Aggressionsverbrechen einrichten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Identifizierung und Rückführung der von Russland deportierten ukrainischen Kinder.
Informationskrieg, Energie und Wissenschaft
Großbritannien und die Ukraine wollen künftig enger bei der Bekämpfung russischer Desinformationskampagnen zusammenarbeiten – auch in Drittländern. Im Energiebereich soll Großbritannien beim Wiederaufbau zerstörter ukrainischer Infrastruktur helfen und die Integration des ukrainischen Energiesystems in EU-Standards unterstützen. Im Wissenschaftsbereich ist die Unterzeichnung eines Memorandums zur friedlichen Nutzung des Weltraums geplant; die Forschungsplattform ResearchBridge soll ukrainischen Wissenschaftlern den Zugang zu britischen Institutionen erleichtern. Das Programm TechBridge hat ukrainischen Start-ups bislang bereits über zehn Millionen Pfund an Investitionen ermöglicht.
Handel, Migration und Rückkehr
Im wirtschaftlichen Bereich haben beide Länder einen neuen Handels- und Wirtschaftsdialog gestartet, um Handelsbarrieren abzubauen und die Transportverbindungen zu stärken. Ein besonderes Augenmerk gilt der Verbesserung des Zugangs zu Kriegsrisikoversicherungen sowie der Stärkung ukrainischer Kapitalmärkte. Bei der Migration stehen erleichterte Reisebedingungen für Regierungsdelegationen auf der Agenda sowie Maßnahmen, die eine freiwillige Rückkehr ukrainischer Geflüchteter ermöglichen sollen, sobald sich die Sicherheitslage stabilisiert hat.
Der Londoner Besuch Selenskyjs umfasste neben den Gesprächen mit Starmer auch eine Audienz bei König Charles III., dem Selenskyj ein Tablet mit Echtzeit-Lagekarten des Frontgeschehens überreichte, sowie ein Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte.