Russlands Öleinnahmen steigen sprunghaft – Krieg im Iran füllt Moskaus Kriegskasse

Der Preis für russisches Öl ist seit Beginn des Krieges im Iran um 82 % gestiegen.

Russlands Öleinnahmen steigen sprunghaft – Krieg im Iran füllt Moskaus Kriegskasse
Foto: Vardan Papikyan / Unsplash

Moskau/London – Der Krieg im Nahen Osten hat eine unerwartete Nebenwirkung, die für die Ukraine und ihre Verbündeten alarmierend ist: Der drastische Anstieg der weltweiten Ölpreise infolge der Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran verschafft Russland deutlich höhere Einnahmen aus seinen Ölexporten – und damit mehr Geld für die Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat der für die russische Besteuerung maßgebliche Ölpreis am 9. März die im russischen Staatshaushalt eingeplante Schwelle erstmals seit Januar 2025 überstiegen. Der Preis für russisches Öl erreichte 6.105 Rubel pro Barrel – umgerechnet rund 77 US-Dollar. Das liegt deutlich über den im russischen Bundeshaushalt für 2026 veranschlagten 5.440 Rubel beziehungsweise 59 US-Dollar pro Barrel. Gegenüber dem Stand vom 27. Februar – dem Tag vor Beginn der US-israelischen Militäroperation gegen den Iran – entspricht dies einem Preisanstieg von 82 Prozent innerhalb weniger Tage.

Besonders brisant: Händler, mit denen Reuters gesprochen hat, berichten, dass Indien russisches Öl sogar zu einem Preis oberhalb des Brent-Referenzpreises gekauft hat – ein Novum, das die veränderte Marktlage verdeutlicht. Bislang musste Russland sein Öl wegen westlicher Sanktionen und der daraus resultierenden Preisdeckelung mit erheblichen Abschlägen verkaufen. Dieser Nachteil fällt nun zumindest vorübergehend weg.

Da Russlands Öl- und Gaseinnahmen direkt zur Finanzierung der Kriegsausgaben genutzt werden, profitiert der Kreml nun unmittelbar vom Konflikt im Nahen Osten – ohne selbst aktiv an ihm beteiligt zu sein. Für Kyjiw bedeutet das eine verschlechterte strategische Ausgangslage: Russland, dessen Wirtschaft zuletzt durch gesunkene Weltmarktpreise und Sanktionsdruck spürbar belastet war, erhält nun einen unerwarteten finanziellen Puffer.

Allerdings könnte der Preisanstieg nur von kurzer Dauer sein. Bereits am Mittwoch gaben die Ölpreise nach, nachdem Berichte über eine mögliche Freigabe strategischer Ölreserven durch die G7-Staaten die Märkte beruhigten. Konkret sollen Hunderte Millionen Barrel aus den nationalen Reserven auf den Markt gebracht werden, um den durch die Hormus-Blockade ausgelösten Versorgungsengpass abzufedern. Am Dienstag notierte russisches Öl bereits wieder bei rund 62 US-Dollar pro Barrel – noch über dem russischen Haushaltsplan, aber weit unter dem Höchststand vom Wochenende.

Ob der Rückgang anhält, ist ungewiss. Solange der Konflikt im Nahen Osten andauert und die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Öltransitrouten der Welt – weiter blockiert oder bedroht bleibt, dürften die Ölpreise volatil und tendenziell erhöht bleiben. Das nützt Russland – und schadet all jenen, die auf niedrige Energiepreise als Mittel des wirtschaftlichen Drucks auf Moskau gesetzt hatten.