Russischer Drohnenangriff auf Minenarbeiter-Bus in Dnipropetrowsk: 15 Tote, 15 Schwerverletzte

In einem weiteren brutalen Angriff auf die zivile Bevölkerung hat Russland einen Bus mit ukrainischen Bergarbeitern beschossen.

Russischer Drohnenangriff auf Minenarbeiter-Bus in Dnipropetrowsk: 15 Tote, 15 Schwerverletzte
Foto: Staatlicher Katastrophenschutz / Natalia Yemchenko / Facebook

Mindestens 15 Minenarbeiter starben, 15 weitere wurden verletzt – viele von ihnen schwer. Der Vorfall ereignete sich am Sonntag in der Nähe der Stadt Pawlohrad, als der Dienstbus die Schichtarbeiter nach Hause bringen sollte. Der Angriff ist Teil einer systematischen russischen Kampagne gegen die Energieinfrastruktur der Ukraine – und er kommt zu einem Zeitpunkt, an dem fragile Waffenstillstandsversprechen ohnehin auf der Kippe stehen.

Der Drohnenangriff traf den Bus in der Kleinstadt Terniwka. Die Opfer waren allesamt Zivilisten: Bergleute des größten privaten Energieunternehmens der Ukraine, DTEK, die gerade ihre Schicht in einer Kohlemine beendet hatten. „Der Dienstbus transportierte Bergarbeiter – Zivilisten, die nicht am Kampf beteiligt waren. Das ist ein weiterer brutaler Angriff mit Opfern, nur für heute“, schrieb der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinets auf Telegram. Sechs der Verletzten schweben in Lebensgefahr.

Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Angriff als „demonstratives Verbrechen“, das einmal mehr zeige, wer für die Eskalation verantwortlich sei: Russland. Der Gouverneur der Region, Oleksandr Hanzha, bestätigte die Zahlen und berichtete, dass die meisten Verletzten in Krankenhäuser gebracht wurden. Der Vorsitzende der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft, Mykhailo Wolynets, sprach von einer täglichen Realität: „Der russische Aggressor zielt jeden Tag auf die Minen. Es vergeht kein Tag, an dem Bergleute nicht in Notfällen aus stromlosen Schächten gerettet werden müssen.“

Hintergrund des Angriffs ist die anhaltende russische Offensive gegen die ukrainische Energieversorgung. Seit Beginn der großangelegten Invasion 2022 hat Moskau systematisch Kohleminen, Kraftwerke und Umspannwerke attackiert. Besonders betroffen ist der Osten des Landes: Von einst 145 Kohleminen im Jahr 2014 sind heute nur noch 14 in Betrieb. Die verbleibenden Anlagen – darunter die von DTEK – stehen unter Dauerbeschuss. Der Angriff auf den Bus war Teil einer größeren Drohnenwelle gegen mehrere Minen in der Region.

Der Vorfall ereignet sich in einer hochbrisanten Phase: Erst vor wenigen Tagen hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, dass Wladimir Putin einer einwöchigen Aussetzung von Angriffen auf ukrainische Städte zugestimmt habe – zumindest bis zur nächsten Kältewelle. Russland relativierte das später: Die Zusage gelte nur für Kyjiw und nur bis zum 1. Februar. Nun, am selben Tag, schlägt Russland erneut zu – und trifft ausgerechnet Zivilisten, die für die Energieversorgung des Landes unverzichtbar sind.

Die internationale Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der britische Abgeordnete John McDonnell verurteilte den Angriff auf X als „entsetzlich“ und sandte im Namen britischer Gewerkschaften Kondolenz an die Familien der Opfer.

Für die Ukraine bedeutet jeder Angriff auf Energiearbeiter eine weitere Verschärfung der ohnehin dramatischen Lage. Massenstromausfälle, Notabschaltungen und die ständige Bedrohung der Infrastruktur machen den Winter 2025/26 zu einer der schwersten Prüfungen seit Kriegsbeginn. Während in Abu Dhabi am 4. und 5. Februar Verhandlungen zwischen Ukraine, USA und Russland anstehen, zeigt dieser Angriff: Der Krieg gegen die Zivilbevölkerung und die Lebensadern des Landes geht weiter – gnadenlos und ohne Rücksicht.