„Papiertiger": Trump erwägt ernsthaft den Austritt der USA aus der NATO

Donald Trump hat erklärt, er denke ernsthaft über einen Austritt der USA aus der NATO nach – und nannte das Bündnis einen „Papiertiger", nachdem die europäischen Verbündeten sich geweigert hatten, am Krieg gegen den Iran teilzunehmen.

„Papiertiger": Trump erwägt ernsthaft den Austritt der USA aus der NATO
Illustratives Foto / US-Präsident Donald Trump

Donald Trump hat in einem Interview erklärt, er denke ernsthaft darüber nach, die Vereinigten Staaten aus der NATO zu ziehen. Als Auslöser nannte er die Weigerung der Bündnispartner, sich am amerikanischen Krieg gegen den Iran zu beteiligen. Den Atlantischen Verteidigungspakt bezeichnete er dabei als „Papiertiger" – und ergänzte, Wladimir Putin wisse das ebenfalls.

Es ist die schärfste Drohung, die Trump in Richtung Bündnis je ausgesprochen hat. Schon in seiner ersten Amtszeit hatte er die Allianz wiederholt kritisiert und mit Kürzungen gedroht. Doch die jetzige Aussage geht weiter: Sie ist kein Verhandlungsmanöver mehr, sondern klingt nach einer ernsthaften politischen Überlegung – und fällt in einen Moment, in dem die Spannungen zwischen Washington und seinen europäischen Verbündeten einen neuen Höhepunkt erreicht haben.

Der unmittelbare Anlass ist der laufende US-Militäreinsatz gegen den Iran, der am 28. Februar mit gemeinsamen Luftangriffen der USA und Israels begann. Trump hatte von den NATO-Partnern verlangt, Kriegsschiffe zu entsenden, um die von Teheran faktisch blockierte Straße von Hormus wieder zu öffnen – durch die normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels fließen. Die Blockade hat die Energiepreise weltweit in die Höhe getrieben und Rezessionsängste ausgelöst. Die europäischen Verbündeten lehnten die Forderung ab. Für Trump war das der Beweis, den er zu brauchen glaubte.

Auch Außenminister Marco Rubio pflichtete seinem Präsidenten öffentlich bei. Die NATO sei eine „Einbahnstraße", wenn Europa amerikanische Unterstützung erwarte, sich aber verweigere, sobald Washington Hilfe benötige. Man werde die Mitgliedschaft in der Allianz nach Ende des Iran-Konflikts grundsätzlich überdenken müssen, so Rubio. Trump kommentierte diese Äußerungen mit dem Wort „erfreut".

Besonders brisant ist Trumps Angriff auf Großbritannien. Premierminister Keir Starmer hatte eine Beteiligung am Irankrieg ebenfalls verweigert. Daraufhin spottete Trump, die Briten hätten „nicht einmal eine richtige Marine mehr", und deren Flugzeugträger funktionierten nicht. Was Starmer politisch unternehmen solle, sei ihm egal – der Premierminister solle tun, was er wolle, das spiele keine Rolle mehr.

Im Hintergrund dieser Auseinandersetzungen verdichtet sich ein strukturelles Konzept, das in Trumps Umfeld als „Pay to play"-Modell bekannt geworden ist: Wer die Verteidigungsausgaben nicht auf das von Trump geforderte Niveau hebt, soll künftig kein Stimmrecht bei NATO-Entscheidungen mehr haben – auch nicht über Kriegseinsätze. Ob eine solche Reform rechtlich überhaupt umsetzbar wäre, ist fraglich. Dass sie ernsthaft diskutiert wird, ist es nicht.

Konkret wird Trump zufolge auch der Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland geprüft. Dieser Schritt stand seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Raum, wurde nun aber erstmals als aktive Überlegung bestätigt.

Was die Äußerungen besonders bemerkenswert macht, ist ein Detail im Rande: Im vergangenen Herbst hatte Trump selbst noch Russland als „Papiertiger" bezeichnet. Dass er diesen Begriff jetzt auf die NATO anwendet, ist eine rhetorische Kehrtwende, die in europäischen Hauptstädten kaum unbemerkt geblieben sein dürfte.

Die rechtliche Lage ist eindeutig: Der NATO-Bündnisfall nach Artikel 5 gilt nur bei einem Angriff auf ein Mitgliedsland. Der Iran-Krieg, der mit einem amerikanisch-israelischen Angriff begann, fällt nicht darunter. Europa hat also formal keine Bündnisverpflichtung verletzt. Dass Trump das anders bewertet, sagt viel über sein Verständnis des Bündnisses aus – und über die Richtung, in die seine zweite Amtszeit die transatlantischen Beziehungen treibt.