Norwegen hat der Ukraine keine einzige der sechs zugesagten F-16 übergeben

Sechs F-16-Kampfjets, die Norwegen der Ukraine versprochen hat, sind bis heute nicht geliefert worden – alle Maschinen stecken in einer Reparaturwerkstatt in Belgien fest, während Oslo zuvor den Eindruck erweckt hatte, die Flugzeuge seien längst im Einsatz.

Norwegen hat der Ukraine keine einzige der sechs zugesagten F-16 übergeben
Foto: Chandler Cruttenden / Unsplash

Sechs F-16-Kampfjets, die Norwegen der Ukraine versprochen hat, sind bislang nicht geliefert worden. Alle sechs Maschinen befinden sich derzeit in einer Reparaturwerkstatt in Belgien und können nicht in die Ukraine überführt werden. Das berichtet der norwegische Rundfunk NRK unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen.

Zwei der Kampfjets befinden sich demnach seit mehr als einem Jahr in Belgien zur Wartung. Die Maschinen wurden zuvor in Dänemark eingesetzt, um ukrainische Piloten auszubilden, und anschließend zur Instandsetzung nach Belgien gebracht. Die verbleibenden vier Flugzeuge waren zum Zeitpunkt der geplanten Übergabe nicht flugtauglich: Sie wurden zerlegt, die Einzelteile verpackt und ebenfalls zur Reparaturwerkstatt des Unternehmens Sabena in Belgien transportiert.

Besonders gravierend ist die Lage bei den vier Maschinen in der Sabena-Werkstatt: Laut den Quellen von NRK fehlen für deren Wiederherstellung rund hundert Ersatzteile. Wann die fehlenden Komponenten beschafft werden können und wann die Flugzeuge schließlich einsatzbereit sein werden, ist derzeit unklar. Die Quellen betonten, die Beschaffung der Teile und der Zusammenbau würden erhebliche Zeit in Anspruch nehmen.

Besonders brisant ist der Umstand, dass die norwegische Regierung in der Vergangenheit Aussagen getroffen hatte, die den Eindruck erweckten, die Maschinen seien bereits in der Ukraine angekommen. So erklärte der Chef des norwegischen Generalstabs, Eirik Kristoffersen, die von Norwegen gespendeten F-16 seien „derzeit ein wichtiger Teil der ukrainischen Luftverteidigung" – eine Formulierung, die angesichts der nun bekannt gewordenen Umstände erhebliche Fragen aufwirft.

Norwegen hatte sich gemeinsam mit anderen westlichen Staaten verpflichtet, der Ukraine Kampfflugzeuge des Typs F-16 zu liefern, um die geschwächten ukrainischen Luftstreitkräfte zu stärken. Der russische Angriffskrieg hat die ukrainische Luftwaffe stark unter Druck gesetzt; westliche Kampfjets gelten als wichtiger Baustein für die Verteidigungsfähigkeit des Landes.

Die Verzögerungen bei der F-16-Lieferung sind indes kein neues Thema. Der pensionierte US-Luftwaffengeneral David Deptula hatte kürzlich erklärt, die Politik der USA, der Ukraine in den frühen Phasen des Krieges keine Kampfjets zu liefern, sei ein gravierender Fehler gewesen. Der F-16 ermögliche es, „schnelle und tiefe Schläge zu führen, um russische Manöver zu stören", so Deptula. Er zeigte sich überzeugt, dass eine frühzeitige Lieferung den Kriegsverlauf hätte beeinflussen können.

Der aktuelle Bericht über den Zustand der norwegischen Maschinen dürfte die Debatte über die Verlässlichkeit westlicher Waffenlieferzusagen erneut entfachen. Für die Ukraine, die weiterhin unter massivem militärischem Druck Russlands steht, bedeutet jede weitere Verzögerung eine geschwächte Ausgangsposition in der Luft.