Kasachstan wirft Russland massive Geldwäsche vor: Fast 14 Milliarden Dollar über lokale Bank geschleust

In einer bemerkenswert offenen Kritik hat Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew Russland beschuldigt, fast 14 Milliarden US-Dollar über eine kasachische Bank gewaschen zu haben.

Kasachstan wirft Russland massive Geldwäsche vor: Fast 14 Milliarden Dollar über lokale Bank geschleust
Foto: Uladzislau Petrushkevich / Unsplash

Die Vorwürfe fallen in eine Zeit, in der Astana mit Hochdruck gegen Sanktionsumgehungs-Schemata vorgeht – und damit indirekt die russische Umgehung westlicher Strafmaßnahmen ins Visier nimmt.

Bei einer Sitzung zur Bekämpfung finanzieller Kriminalität nannte Tokajew die Enthüllung einen „obskuren Fakt“ aus rechtlicher, wirtschaftlicher und politischer Sicht. „Aus Sicht des Gesetzes, der Wirtschaft und sogar der Politik ist das meiner Meinung nach ein empörender Vorfall“, sagte der Präsident wörtlich. „Leider gibt es immer noch viele ähnliche Fälle, die mit betrügerischen Finanzschemata zusammenhängen.

“Die Summe von knapp 14 Milliarden Dollar (rund 7 Billionen Tenge) wurde nach Angaben Tokajews durch eine lokale Bank in Kasachstan „durchgeschleust“. Dahinter stecken vor allem russische Bürger, die nach Beginn der westlichen Sanktionen gegen Russland systematisch Bankkonten und Karten in Kasachstan aus der Ferne eröffneten – oft mit Hilfe von Vermittlern, die individuelle Identifikationsnummern (INN) und Konten besorgten. Über 90 Prozent der Karteninhaber, die für solche Geldwäsche-Schemata genutzt wurden, waren Nicht-Residenten.

Die kasachische Finanzaufsicht hat bereits reagiert: Seit September 2025 gelten verschärfte Kontrollen für russische Staatsbürger mit remote eröffneten Karten. Die Fernvergabe von INN wurde 2024 verboten, zahlreiche bereits vergebene Nummern annulliert. Banken müssen nun die Legalität des Aufenthalts, die Herkunft der Gelder und den Zweck der Überweisungen prüfen. Besonders streng überwacht werden Transaktionen über 1.000 US-Dollar sowie Konten von Personen unter 25 Jahren ohne nachweisbares Einkommen. Zudem dürfen Ausländer ohne Aufenthaltserlaubnis künftig nur noch eine Karte für maximal 12 Monate nutzen – und das nur nach biometrischer Identifikation.

Neben den Bank-Schemata kämpft Kasachstan auch gegen den Missbrauch von Kryptowährungen: Im vergangenen Jahr wurden über 130 illegale Krypto-Wechselstuben mit einem Umsatz von mehr als 62 Milliarden Tenge (ca. 124 Millionen US-Dollar) geschlossen. 2024 allein wurden 6.200 Fälle von sogenannten „Drop-Karten“ registriert – Konten, die als Strohmänner für illegale Überweisungen dienten –, mit einem Volumen von 24 Milliarden Tenge (rund 47 Millionen US-Dollar).

Die Enthüllung Tokajews kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Kasachstan seine Finanzsysteme zunehmend abriegelt, um nicht länger als Durchgangsstation für sanktionsumgehende Gelder aus Russland zu dienen. Die Europäische Kommission hatte Russland bereits im Dezember in die Liste der Länder mit hohem Risiko für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung aufgenommen – ein Schritt, der Astana offenbar zusätzlichen Druck macht, hart durchzugreifen.

Bisher gab es keine offizielle Reaktion aus Moskau zu den Vorwürfen. Für Beobachter ist jedoch klar: Die Worte des kasachischen Präsidenten markieren einen neuen, deutlich schärferen Ton in den Beziehungen zwischen den beiden eng verbundenen Nachbarstaaten – ausgerechnet in einer Zeit, in der Kasachstan versucht, sich wirtschaftlich und geopolitisch breiter aufzustellen.