Fico präsentiert angebliche Satellitenbilder zur Druschba-Pipeline – zeigen kann er sie nicht
Der slowakische Premier Robert Fico behauptet, Beweise zu besitzen, dass die Druschba-Pipeline gar nicht beschädigt sei – und wirft Selenskyj öffentlich die Lüge vor. Nur zeigen kann er die Bilder nicht. Ein politisches Schauspiel mit weitreichenden Folgen.
Es ist eine Behauptung, die in ihrer Konstruktion beinahe kafkaesk anmutet: Der slowakische Premierminister Robert Fico erklärte am Mittwoch, er besitze Satellitenaufnahmen, die zweifelsfrei belegten, dass die Druschba-Pipeline – jene sowjetische Öltrasse, die einst russisches Öl durch die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei leitete – gar nicht beschädigt sei. Präsident Wolodymyr Selenskyj lüge, so Fico, und versuche damit, Bratislava und Budapest unter Druck zu setzen.
Der entscheidende Haken: Die Aufnahmen sind angeblich klassifiziert. Die Öffentlichkeit, die Medien, die EU-Partner – niemand darf sie sehen.
Eine Pipeline, ein Streit, zwei Lager
Die Druschba-Pipeline war bis Januar 2026 eine der letzten aktiven Energieverbindungen zwischen Russland und EU-Mitgliedsstaaten, die trotz des seit fast vier Jahren andauernden Angriffskriegs weiter in Betrieb war. Als Kyjiw mitteilte, die Pipeline sei durch einen russischen Angriff im Westen der Ukraine beschädigt worden und der Transit damit eingestellt, reagierten Bratislava und Budapest mit Empörung – und einer Gegenthese.
Fico, dessen Regierung seit Langem als kremlfreundlichste in der gesamten EU gilt, zweifelt offen an der ukrainischen Darstellung. Bereits Ende Februar hatte er erklärt, der slowakische Geheimdienst bestätige, dass die Pipeline intakt sei und der Transit jederzeit wieder aufgenommen werden könnte. Beweise für diese Behauptung blieb er damals – wie jetzt – schuldig. Auch Ungarn, das gemeinsam mit der Slowakei den Stopp der Dieselexporte in die Ukraine verhängt hat, legte keine Belege vor.
Selenskyj lädt ein – Fico twittert
Kyjiw reagierte auf die Vorwürfe mit einer für die Ukraine charakteristisch direkten Geste: Selenskyjs Berater Dmytro Lytvyn lud Fico ein, die „ernsthaften Fragen" persönlich in der Ukraine zu besprechen, anstatt sie über soziale Medien auszutragen. Eine Antwort Ficos auf diese Einladung blieb bislang aus.
Stattdessen eskalierte Bratislava auf anderem Feld: Die Slowakei kündigte das Abkommen über Notfallstromlieferungen an die Ukraine. Kyjiw ließ das demonstrativ gelassen: Ukraine kaufe den Strom und erhalte ihn nicht geschenkt, erklärte das ukrainische Außenministerium – Fico schade damit vor allem slowakischen Unternehmen, die nun Einnahmen verlieren.
Budapest in Moskau, Kyjiw unter Strom
Während Fico in Bratislava Geheimbilder ankündigt, die er nicht zeigen kann, reiste der ungarische Außenminister Péter Szijjártó am Mittwoch nach Moskau – zu einem Treffen mit Wladimir Putin. Das Ergebnis: Putin übergab zwei Gefangene, die neben der ukrainischen auch die ungarische Staatsbürgerschaft besitzen sollen. Kyjiw nannte den Schritt einen zynischen PR-Coup und bestellte den ungarischen Geschäftsträger ein.
Das große Bild hinter all diesen Entwicklungen ist schwer zu übersehen: Fico und Orbán agieren zunehmend als koordinierte Störfaktoren innerhalb der EU – in dem Moment, in dem die Europäische Union eigentlich geschlossen hinter der Ukraine stehen müsste. Ob geheime Satellitenbilder, eingestellte Stromlieferungen oder Moskau-Besuche: Die Botschaft aus Budapest und Bratislava ist dieselbe – und Kyjiw muss damit umgehen.