Eiszeit in Kyjiw: Offener Schlagabtausch zwischen Klitschko und Selenskyj
Kyjiw friert, die Politik streitet. Nach den massiven Angriffen auf die Hauptstadt tobt ein Machtkampf um die Verantwortung. Wer hat beim Schutz der kritischen Infrastruktur versagt?
Kyjiw – Der Winterkrieg ist zurück, und er trifft Kyjiw härter als je zuvor. Seit dem Großangriff am 9. Januar kämpft die Millionenmetropole mit Blackouts und eiskalten Heizungen. Doch statt Krisenmanagement dominiert ein politisches "Schwarzer-Peter-Spiel" die Schlagzeilen.
Der Auslöser:
Bürgermeister Vitali Klitschko sorgte für Empörung, als er den Kyjiwern kurz nach den Angriffen riet: „Fahrt aufs Land, wo es Öfen gibt.“ Die Kyjiwer fühlten sich im Stich gelassen. Klitschko ruderte zurück, doch die politische Flanke war offen.
Der Vorwurf der Regierung:
Präsident Selenskyj und Energieminister Schmyhal greifen die Stadtführung frontal an. Der Tenor: Andere Städte wie Charkiw seien vorbereitet gewesen – Kyjiw nicht. „In Kyjiw wurde sehr wenig getan“, so der Vorwurf aus dem Präsidialamt.
Das Dilemma der Zuständigkeit:
Die Journalistin Lesia Padalka (LB.ua) analysiert das Chaos:
- Eigentum: Die Kraftwerke gehören der Stadt.
- Schutz: Die Luftabwehr und bauliche Schutzmaßnahmen sind Sache der Regierung.
- Bürokratie: Der Bau von mobilen Mini-Kraftwerken stockte, weil das Verteidigungsministerium plötzlich Betonbunker für diese Anlagen vorschrieb.
Erst jetzt, mitten in der Katastrophe, raufen sich Stadt und Regierung zusammen. Ein gemeinsamer Krisenstab unter Leitung von Minister Schmyhal soll retten, was zu retten ist. Doch die Frage bleibt: Warum haben Präsident und Bürgermeister, die beide in derselben Stadt arbeiten, nicht schon im Herbst miteinander geredet?
Der Streit, so Klitschko spät einsichtig, nützt am Ende nur einem: Wladimir Putin.