Ehemaliger ukrainischer Energieminister bei Fluchtversuch festgenommen
In einem der größten Korruptionsfälle der jüngeren ukrainischen Geschichte ist der ehemalige Energieminister German Galuschtschenko bei dem Versuch, das Land zu verlassen, von den Behörden gestoppt worden.
Die Festnahme erfolgte im Rahmen laufender Ermittlungen zu einem Bestechungssystem im Energiesektor, das einen Umfang von rund 100 Millionen US-Dollar (etwa 86 Millionen Euro) haben soll. Das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) bestätigte die Aktion auf Telegram und bezeichnete sie als Teil der Operation mit dem Codenamen „Midas“.
Galuschtschenko, der bis vor Kurzem das Energieministerium leitete, steht im Zentrum der Vorwürfe. Ihm wird vorgeworfen, persönliche Vorteile von dem Unternehmer Timur Minditsch erhalten zu haben – im Tausch gegen Einfluss auf Geldflüsse im Energiesektor. Ermittler der Antikorruptions-Staatsanwaltschaft (SAPO) gehen davon aus, dass Galuschtschenko in ein systematisches Bestechungsschema verwickelt war. Besonders belastend: Auf einer Audioaufnahme soll seine Stimme zu hören sein, in der Geschäftspartner zu Schmiergeldzahlungen gedrängt werden.
Der Skandal platzte im November 2025 auf, nach 15 Monaten intensiver Ermittlungen. NABU-Durchsuchungen in Büros und Wohnungen führten zur Festnahme mehrerer Verdächtiger und zur Anklage gegen insgesamt sieben Personen. Im Fokus steht der staatliche Atomkonzern Energoatom, das Herzstück der ukrainischen Stromversorgung mit einem Jahresumsatz von rund vier Milliarden Euro. Hier ging es um Aufträge für Schutzanlagen, die Kraftwerke und Netze vor russischen Drohnen- und Raketenangriffen sichern sollten – ein kritisches Thema inmitten des anhaltenden Krieges.
Laut NABU wurden jedoch 10 bis 15 Prozent der Auftragssummen systematisch abgezweigt, obwohl die Ukraine jeden Euro dringend für die Verteidigung benötigt. Als mutmaßlicher Drahtzieher gilt Timur Minditsch, ein langjähriger Geschäftspartner und Vertrauter von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Minditsch soll die Vergabe von Aufträgen und die Geldströme im Hintergrund gesteuert haben. Als die Ermittler zuschlugen, floh er ins Ausland und entzog sich so der ukrainischen Justiz.
Die Festnahme Galuschtschenkos an der Grenze unterstreicht die Entschlossenheit der ukrainischen Behörden, Korruption auch in höchsten Kreisen zu bekämpfen. Der Ex-Minister sitzt nun in Untersuchungshaft, während die Ermittlungen weiterlaufen. Experten sehen in diesem Fall einen Test für die Integrität der Regierung Selenskyj, die seit Kriegsbeginn Milliarden an internationaler Hilfe erhält und unter Druck steht, Transparenz zu wahren.
Weitere Entwicklungen in diesem Skandal werden mit Spannung erwartet, da er nicht nur den Energiesektor, sondern auch das Vertrauen in die ukrainische Führung erschüttern könnte.