Iran droht Ukraine mit Raketenangriffen – wegen Drohnenhilfe für Israel
Der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsausschusses des iranischen Parlaments, Ibrahim Azizi, sagte, dass jede Unterstützung der Ukraine für Israel, einschließlich Drohnen, ukrainisches Territorium zu einem „legitimen Ziel“ für Raketenangriffe Teherans mache.
Teheran/Kyjiw – Der Vorsitzende des Ausschusses für nationale Sicherheit im iranischen Parlament, Ibrahim Azizi, hat der Ukraine offen mit Raketenangriffen gedroht. In einem Interview mit dem Sender Iran International erklärte er, jede Unterstützung der Ukraine für Israel – insbesondere die Lieferung von Drohnenabwehrsystemen – mache das gesamte ukrainische Staatsgebiet gemäß der UN-Charta zu einem legitimen Ziel für Angriffe der Islamischen Republik. Kyjiw hat die Drohung bislang nicht kommentiert.
Die Aussage ist kein Zufall und kein isolierter Ausrutscher – sie ist die logische Konsequenz einer strategischen Entwicklung, die Teheran zunehmend unter Druck setzt. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 hat sich Kyjiw zum weltweit führenden Zentrum für die Bekämpfung iranischer Drohnen entwickelt. Die Ukraine hat im Kampf gegen täglich eingesetzte Shahed-Kamikaze-Drohnen Erfahrungen und Technologien entwickelt, die inzwischen weit über die eigenen Grenzen hinaus gefragt sind. Mehr als zehn Länder haben Kyjiw um Beratung und Unterstützung bei der Drohnenabwehr gebeten – darunter mehrere Golfstaaten, die seit dem Beginn der US-israelischen Militäroperation gegen den Iran am 28. Februar selbst unter Beschuss stehen.
Für Teheran ist das eine empfindliche Niederlage: Der strategische Wert seiner Massendrohnenangriffe – das wichtigste Druckmittel des Irans gegen Israel und die Golfstaaten – wird durch ukrainisches Know-how systematisch ausgehebelt. Dass die Ukraine nun offen damit beginnt, diese Expertise an Israels Verbündete in der Region weiterzugeben, veranlasst den Iran, Kyjiw nicht mehr als neutralen Drittstaat im Nahostkonflikt zu betrachten, sondern als aktiven Kriegsteilnehmer auf der gegnerischen Seite.
Dabei ist das Verhältnis zwischen der Ukraine und dem Iran seit Jahren eindeutig feindlich: Teheran hat Russland mit Tausenden Shahed-Drohnen beliefert und Technologien für deren Massenproduktion auf russischem Boden bereitgestellt. Dieses Rüstungsgeschäft brachte dem Iran Milliardenverträge ein – darunter russische Hilfe beim Aufbau ballistischer Raketen und bei der Modernisierung der iranischen Luftverteidigung. Azizis Drohung ist insofern auch ein Versuch, die Ukraine einzuschüchtern und von weiterer Kooperation mit Israel und den Golfstaaten abzuhalten.
Ob die Drohung militärisch substanziell ist, bleibt fraglich. Der Iran verfügt über ballistische Raketen mit einer Reichweite, die theoretisch die Ukraine erreichen könnte – allerdings ist die iranische Armee durch die laufende US-israelische Operation erheblich geschwächt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, die USA und Israel hätten in den ersten 14 Tagen der Operation über 15.000 Ziele im Iran beschossen. Der neue Oberste Führer des Irans, Motjtaba Chamenei, soll nach Angaben von US-Militärs verletzt und entstellt sein und tritt bislang nicht öffentlich auf. Selenskyj wiederum traf sich am Rande seines Parisbesuchs mit dem iranischen Kronprinzen Reza Pahlavi im Exil – ein deutliches Signal, auf welcher Seite Kyjiw in diesem Konflikt steht.