Chrystia Freeland wird externe Beraterin von Präsident Selenskyj
Am 5. Januar 2026 hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine prominente Verstärkung für sein Team bekannt gegeben: Die kanadische Politikerin ukrainischer Herkunft, Chrystia Freeland, wird seine externe Beraterin für wirtschaftliche Entwicklung.
Die Ernennung erfolgte per Dekret und ist unbezahlt – Freeland arbeitet „außerhalb des Personals“.
In einer Mitteilung auf Telegram lobte Selenskyj die Expertise der 57-Jährigen: „Chrystia beherrscht diese Fragen professionell und verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Anziehung von Investitionen und der Durchführung wirtschaftlicher Transformationen.“ Er betonte, dass die Ukraine derzeit ihre innere Widerstandsfähigkeit stärken müsse – sowohl für einen schnellen Wiederaufbau, falls die Diplomatie Erfolge zeigt, als auch für eine längere Verteidigung, sollten Partnerhilfen verzögert werden.
Freeland ist keine Unbekannte in der internationalen Politik. Als langjährige Weggefährtin des ehemaligen kanadischen Premiers Justin Trudeau und später unter Mark Carney bekleidete sie Schlüsselpositionen: Sie war Ministerin für Internationalen Handel, Außenministerin, Finanzministerin und sogar Vize-Premierministerin Kanadas. Besonders bekannt wurde sie durch ihre harte Linie gegenüber Russland, die erfolgreiche Neuverhandlung des NAFTA-Abkommens und ihre Rolle bei Sanktionen nach der Annexion der Krim 2014.
Ihre Verbindung zur Ukraine ist persönlich und tief: Freeland, geboren 1968 in Alberta, ist die Tochter einer ukrainischstämmigen Mutter, Halyna Chomiak. Sie spricht fließend Ukrainisch und begann ihre Karriere als Journalistin – unter anderem als Stringer für die Financial Times, The Washington Post und The Economist direkt in der Ukraine in den 1990er Jahren. Später stieg sie zur Managing Director bei der Financial Times und Editorin bei Thomson Reuters auf, bevor sie 2013 in die Politik wechselte.
Im September 2025 legte Freeland ihr Amt als kanadische Verkehrs- und Handelsministerin nieder, um sich als Sonderbeauftragte Kanadas voll und ganz dem Wiederaufbau der Ukraine zu widmen. Nun geht sie einen Schritt weiter und berät Selenskyj direkt. Internationale Medien wie CBC, Politico und The Times of India sehen darin ein starkes Signal: Eine erfahrene Westpolitikerin mit ukrainischen Wurzeln bringt ihr Netzwerk und Know-how ein, um Investitionen anzuziehen und Reformen voranzutreiben.
In Zeiten, in denen die Ukraine nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich unter Druck steht – durch anhaltende Angriffe auf Infrastruktur und Sanktionsfolgen –, könnte Freelands Expertise entscheidend sein. Sie gilt als Brückenbauerin zwischen Kyjiw und westlichen Kapitalmärkten. Ob sie hilft, Milliarden für den Wiederaufbau zu mobilisieren oder Strategien gegen die Kriegsfolgen entwickelt: Diese Ernennung unterstreicht, wie sehr die Ukraine auf internationale Allianzen setzt.
Freeland selbst hat die Ernennung bisher nicht kommentiert, doch ihre bisherige Haltung lässt keinen Zweifel: Sie ist eine der lautstärksten Unterstützerinnen der Ukraine im Westen. Ein Gewinn für Kyjiw in einem Winter, der nicht nur kalt, sondern auch entscheidend für die Zukunft des Landes ist.