200 ukrainische Soldaten aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt

Am 5. März hat die Ukraine 200 Kriegsgefangene aus russischer Haft heimgeholt – darunter Verteidiger aus Mariupol, die fast vier Jahre in Gefangenschaft verbracht haben.

200 ukrainische Soldaten aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt
Foto: Selenskyj-Telegram

Präsident Selenskyj spricht von einer der wichtigsten Nachrichten, die eine ukrainische Familie erhalten kann.

„Heute haben 200 ukrainische Familien die langersehnte Nachricht bekommen: Ihre Angehörigen kommen nach Hause." Mit diesen Worten verkündete Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag in seinem Telegram-Kanal den zweiten Gefangenenaustausch des Jahres 2026. Für die Betroffenen und ihre Familien ist es ein Moment, auf den manche seit Jahren gewartet haben.

Verteidiger aus den härtesten Schlachten

Unter den Freigelassenen befinden sich Kämpfer aus einigen der blutigsten Frontabschnitte des Krieges: Verteidiger von Mariupol sowie Soldaten aus den Regionen Donezk, Luhansk, Charkiw und Saporischschja. Vertreten sind Angehörige der Streitkräfte der Ukraine, der Marine, der Luftlandetruppen, der Territorialverteidigung, der Drohneneinheiten, der Nationalgarde, des Grenzschutzes sowie des staatlichen Sondertransportdienstes. Auch Offiziere konnten befreit werden.

Besonders bewegend ist die Rückkehr jener Mariupol-Verteidiger, die seit dem Fall der Hafenstadt im Frühjahr 2022 in russischer Gefangenschaft waren – fast vier Jahre.

Manche kehrten mit kritisch niedrigem Gewicht zurück

Der ukrainische Ombudsmann Dmytro Lubinez, dessen Mitarbeiter den Austausch vor Ort begleitet und dokumentiert haben, veröffentlichte weitere Details: Der älteste Freigelassene ist 59 Jahre alt, der jüngste 27. Achtzehn der zurückgekehrten Soldaten feiern oder haben in diesem Monat Geburtstag. Viele befänden sich in einem schwierigen psychischen Zustand. Bei einigen wurde ein kritisch niedriges Körpergewicht festgestellt – ein Zeichen der Entbehrungen in russischer Haft.

Das Büro des Ombudsmanns überwacht die Einhaltung des humanitären Völkerrechts gegenüber Kriegsgefangenen und dokumentiert systematisch jeden Austausch.

Erster Schritt eines Genfer Abkommens

Laut Kyrylo Budanow, dem Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR, ist der heutige Austausch erst die erste Phase eines in Genf ausgehandelten Abkommens. „Wir arbeiten weiter, damit es in Kürze wieder gute Nachrichten gibt", schrieb er auf Telegram.

Selenskyj dankte ausdrücklich den Vereinigten Staaten für ihre Unterstützung bei der Realisierung dieses Austauschs – ein Hinweis darauf, dass Washington trotz der aktuellen Fokussierung auf den Iran-Krieg weiterhin als Vermittler in humanitären Fragen aktiv ist.

Eine lange Bilanz des Wartens

Seit Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 konnte die Ukraine insgesamt 6.622 eigene Staatsbürger aus russischer Gefangenschaft zurückholen. Jeder dieser Menschen steht für eine Familie, die auf ein Lebenszeichen gewartet hat – manchmal jahrelang, manchmal ohne Gewissheit, ob der Vermisste überhaupt noch am Leben ist.

Der erste Austausch des Jahres 2026 hatte am 5. Februar stattgefunden, als 157 Soldaten und Zivilisten heimkehrten. Darunter befand sich damals auch ein Kämpfer, der seit September 2022 offiziell als gefallen galt – und sogar eine Beerdigung gehabt hatte.

Selenskyj formulierte den Kern dieser Momente in schlichten Worten: „Die Rückkehr unserer Menschen auf heimischen Boden ist immer eine gute Nachricht für uns alle – für das ganze Land. Sie ist das Ergebnis der Stärke unserer Verteidiger."