Westliche Hightech im Herzen von Russlands neuester "Raketen-Drohne" entdeckt

Es ist ein Fund, der einmal mehr die Löchrigkeit des westlichen Sanktionsnetzes offenbart.

Westliche Hightech im Herzen von Russlands neuester "Raketen-Drohne" entdeckt
Foto: GUR - UNIAN-Collage

In den Trümmern einer neuartigen russischen Drohne, die erst Anfang 2026 über der Ukraine abgeschossen wurde, haben ukrainische Ermittler eine brisante Entdeckung gemacht: Das Herzstück der russischen Kriegsmaschine schlägt noch immer dank Mikrochips aus den USA und Europa.

Die "Geran-5": Mehr Rakete als Drohne

Bei dem untersuchten Fluggerät handelt es sich um den Typ Geran-5. Anders als die berüchtigten Geran-2 (die russische Version der iranischen Shahed-Drohnen), die mit ihrem knatternden Moped-Geräusch und der dreieckigen Form bekannt wurden, ist die Geran-5 eine ganz andere Liga.

​Laut dem ukrainischen Militärgeheimdienst (HUR) ähnelt sie eher einer geflügelten Rakete und ist eine Kopie der iranischen Karrar-Drohne. Ihre Leistung ist beunruhigend: Mit einem Turbojet-Triebwerk erreicht sie Geschwindigkeiten von 500 bis 600 km/h – das ist dreimal schneller als ihre Vorgänger. Diese Geschwindigkeit macht sie für die Luftabwehr deutlich schwerer abzufangen.

Frische Chips aus dem Westen

Nachdem ukrainische Kräfte zwei dieser Drohnen im Januar 2026 abgeschossen hatten – eine in der Region Kyjiw, die andere nahe Dnipro –, gelang es Experten, die Elektronik einer der Maschinen zu analysieren. Das Ergebnis ist ernüchternd für die westliche Sanktionspolitik.

​Im Navigationssystem und anderen elektronischen Bauteilen fanden sich Komponenten von namhaften westlichen Herstellern:

  • USA: Texas Instruments, CTS Corporation, Monolithic Power Systems
  • Deutschland: Infineon Technologies

​Besonders alarmierend ist das Herstellungsdatum der gefundenen Teile. Es handelt sich keineswegs um Restbestände aus der Zeit vor dem Krieg. Zwei Taktoszillatoren der US-Firma CTS Corporation wurden im Februar 2024 und September 2025 produziert – also Jahre nach Beginn der massiven westlichen Sanktionen.

Die chinesische Hintertür

Wie gelangen diese Komponenten nach Russland? Recherchen des Kyiv Independent zeigen ein komplexes Netzwerk aus Zwischenhändlern. Die Chips werden offiziell nicht nach Russland verkauft, sondern gelangen über Distributoren in China und Hongkong (wie Shenzhen Nuopuxun oder Abingo Distributors) an russische Importeure.

​Russische Firmen wie Niokr-Trade werben im Inland sogar offen mit einem "unbegrenzten Sortiment" an importierten Bauteilen. Die Spur führt von westlichen Fabriken (oft in Asien gelegen) über chinesische Händler direkt in die russischen Rüstungsfabriken.

Reaktionen der Hersteller

Auf Nachfrage beteuern die westlichen Konzerne ihre Unschuld. Infineon Technologies erklärte, man habe alle Geschäfte mit Russland eingestellt und nehme die Situation sehr ernst. Texas Instruments hatte bereits früher betont, dass jegliche Lieferungen nach Russland "unerlaubt" seien.

​Doch für die Menschen in der Ukraine bleibt dies ein schwacher Trost. Vladyslav Vlasiuk, der Sanktionsbeauftragte des ukrainischen Präsidenten, schätzt, dass allein 2025 rund 2,2 Millionen elektronische Komponenten nach Russland importiert wurden. Ohne diese westliche Technologie, so das Fazit der Experten, wäre Russlands neuer Drohnen-Terror in diesem Ausmaß kaum möglich.