Weg frei für die Mehrstaatigkeit: Ukraine führt neue Regeln für die Staatsbürgerschaft ein

Seit dem 16. Januar 2026 gelten in der Ukraine neue gesetzliche Regelungen für den Erwerb und den Erhalt der Staatsbürgerschaft.

Weg frei für die Mehrstaatigkeit: Ukraine führt neue Regeln für die Staatsbürgerschaft ein
Foto: Ukrinform

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes Nr. 4502-IX macht das Land einen historischen Schritt in Richtung Akzeptanz der Mehrstaatigkeit und erleichtert insbesondere ausländischen Verteidigern und Bürgern westlicher Partnerstaaten den Zugang zum ukrainischen Pass.

​Die staatliche Migrationsbehörde der Ukraine gab bekannt, dass die Reformen darauf abzielen, bürokratische Hürden abzubauen und die Realitäten des anhaltenden Verteidigungskrieges rechtlich abzubilden. Hier sind die wichtigsten Änderungen im Überblick:

​Erleichterungen für Militärangehörige und ihre Familien

​Eine der bedeutendsten Neuerungen betrifft ausländische Freiwillige, die in den ukrainischen Streitkräften dienen. Bisher mussten Bewerber oft langwierige Nachweise über den Austritt aus ihrer ursprünglichen Staatsbürgerschaft erbringen – ein Prozess, der in Kriegszeiten oft unmöglich ist.

​Nun können ausländische Soldaten sowie Familienangehörige von gefallenen Helden eine einfache „Erklärung über den Verzicht auf die ausländische Staatsbürgerschaft“ abgeben. Damit erkennen sie sich rechtlich als rein ukrainische Staatsbürger an, ohne formell aus ihrer bisherigen Staatsangehörigkeit entlassen worden zu sein. Wer bereits zwischen 2018 und heute eingebürgert wurde, aber die Entlassung aus der alten Staatsbürgerschaft noch nicht vollziehen konnte, hat bis zum 16. Juli 2026 Zeit, dies über das neue Erklärungsverfahren nachzuholen.

​Vorzug für Partnerstaaten

​Die Ukraine öffnet sich zudem gezielt für Bürger aus Ländern, die als strategische Partner gelten. Staatsangehörige aus Deutschland, Polen, der Tschechischen Republik, Kanada und den USA können die ukrainische Staatsbürgerschaft nun durch ein vereinfachtes Deklarationsverfahren erhalten. Dies unterstreicht die enge Verbundenheit der Ukraine mit ihren westlichen Verbündeten.

​Neue Anforderungen: Geschichte und Sprache

​Während das Verfahren für bestimmte Gruppen einfacher wird, steigen die Anforderungen an die Integration für andere. Personen, die die Staatsbürgerschaft aufgrund ihrer territorialen Herkunft beantragen, müssen künftig Prüfungen ablegen. Diese umfassen:

  • ​Grundlagen der ukrainischen Verfassung
  • ​Ukrainische Geschichte
  • ​Nachweis über Kenntnisse der ukrainischen Staatssprache

​Strengere Regeln bei Sicherheitsrisiken

​Das Gesetz schafft gleichzeitig klarere Grundlagen für den Entzug der Staatsbürgerschaft. Wer eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellt oder sich an der bewaffneten Aggression gegen die Ukraine beteiligt, muss künftig mit dem schnellen Verlust des ukrainischen Passes rechnen.

Mit dieser Reform bewegt sich die Ukraine weg von der strikten Einstaatigkeit hin zu einem modernen Modell der Mehrstaatigkeit (Multi-Staatsbürgerschaft). Das Gesetz ist nicht nur ein Signal der Dankbarkeit an die internationalen Unterstützer an der Front, sondern auch ein wichtiger Schritt zur Integration der weltweiten ukrainischen Diaspora und zur Stärkung der nationalen Sicherheit.