Vertrauen in Selenskyj bleibt stabil – Mehrheit der Ukrainer steht trotz Kriegsmüdigkeit und Skandalen hinter ihrem Präsidenten
Trotz anhaltendem Krieg, Korruptionsvorwürfen und internationaler Unsicherheiten vertrauen weiterhin 59 Prozent der Ukrainer Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Das ergibt eine aktuelle Umfrage des renommierten Kyiv International Institute of Sociology (KIIS), die Ende Dezember 2025 durchgeführt wurde. Nur 35 Prozent äußern Misstrauen – ein Wert, der sich seit Oktober kaum verändert hat.
Die Zahlen im Detail:
- 26 Prozent vertrauen Selenskyj voll und ganz,
- 33 Prozent eher,
- 23 Prozent vertrauen ihm überhaupt nicht,
- 12 Prozent eher nicht.
Der Saldo aus Vertrauen und Misstrauen liegt bei soliden +24 Prozent.
Ein Auf und Ab, geprägt vom Kriegsverlauf
Das Vertrauen zu Selenskyj ist seit Beginn der russischen Großinvasion hochdynamisch. Nach einem Tief Ende 2024 (um die 52 Prozent) stieg es 2025 wieder an – mit einem Höhepunkt im frühen Mai. Dann kamen Rückschläge: Korruptionsenthüllungen im Energiesektor kosteten den Präsidenten zeitweise bis zu 10 Prozentpunkte. Doch internationale Entwicklungen, insbesondere Fortschritte bei Friedensgesprächen, lösten einen „Rally-around-the-flag“-Effekt aus und ließen die Werte wieder steigen.
Ende Dezember 2025 schwächte sich dieser Effekt leicht ab, was zu einem minimalen Rückgang führte. Dennoch: Der aktuelle Stand liegt klar über dem Niveau von Ende 2024. Soziologen des KIIS betonen, dass das Vertrauen stark kontextabhängig bleibt – personelle Veränderungen oder neue Kriegsentwicklungen könnten die Kurve schnell wieder beeinflussen.
Wer vertraut wem – und was bedeutet das für die Zukunft?
Interessant ist die Unterscheidung zwischen „voller“ und „eher“ Zustimmung. Frühere KIIS-Umfragen zeigten: Wer Selenskyj voll und ganz vertraut, würde ihn auch nach dem Krieg gerne als Präsidenten sehen. Dagegen bevorzugen die „eher“ Vertrauenden oft eine neue Generation von Politikern – nicht jedoch Figuren aus der aktuellen Opposition.
Das deutet auf eine gespaltene, aber nicht polarisierte Gesellschaft hin: Selenskyj bleibt die zentrale Figur, doch ein Teil der Bevölkerung sehnt sich nach frischem Blut, sobald der Krieg vorbei ist.
Methodik und Repräsentativität
Die Umfrage basiert auf telefonischen Interviews mit 1.001 erwachsenen Ukrainern aus allen von der Regierung kontrollierten Gebieten. Der Erhebungszeitraum: 26. November bis 29. Dezember 2025. Der statistische Fehler liegt bei maximal ±4,1 Prozent. KIIS gilt als eine der zuverlässigsten Institute in der Ukraine und arbeitet unabhängig.
Fazit: Kein Abrutsch, sondern Resilienz
In einer Zeit, in der viele westliche Beobachter von sinkender Unterstützung sprechen, zeigt die Realität vor Ort ein anderes Bild: Selenskyj hält eine klare Mehrheit hinter sich. Das ist bemerkenswert nach fast vier Jahren Krieg. Ob dieses Vertrauen hält, hängt von den kommenden Monaten ab – von militärischen Erfolgen, Korruptionsbekämpfung und dem Fortschritt bei Friedensverhandlungen.
Quelle: Kyiv International Institute of Sociology (KIIS), veröffentlicht u.a. über Unian und weitere ukrainische Medien.