Ungarn stoppt Diesel-Lieferungen an die Ukraine – Streit um beschädigte Druschba-Pipeline eskaliert

Ungarn hat die Lieferungen von Dieselkraftstoff in die Ukraine vorläufig eingestellt.

Ungarn stoppt Diesel-Lieferungen an die Ukraine – Streit um beschädigte Druschba-Pipeline eskaliert
Foto: Gergő Szőke / Unsplash

Kyjiw/Budapest– Dies teilte Außenminister Péter Szijjártó am Mittwoch mit. Die Maßnahme gilt, bis der Öltransit durch die russische Pipeline „Druschba“ nach Ungarn wieder aufgenommen wird. Szijjártó warf dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor, die Wiederinbetriebnahme aus politischen Gründen zu blockieren und damit bewusst die ungarische Energieversorgung zu gefährden.

In einem Post auf der Plattform X (ehemals Twitter) schrieb Szijjártó wörtlich: „Heute haben wir beschlossen, die Lieferungen von Dieselkraftstoff in die Ukraine auszusetzen. Die Lieferungen werden nicht wieder aufgenommen, solange der Öltransit nach Ungarn über die Druschba-Pipeline nicht wiederhergestellt ist. Selenskyj hat aus politischen Gründen entschieden, den Öltransit nicht wiederherzustellen und damit bewusst die Energieversorgung Ungarns zu gefährden – obwohl wir eine wichtige Rolle für die Energiesicherheit der Ukraine spielen.“

Der ungarische Außenminister betonte, dass ein erheblicher Teil der ukrainischen Importe von Gas, Strom und Diesel über oder aus Ungarn erfolge. „Von uns kann nicht erwartet werden, dass wir die Energiesicherheit eines anderen Landes garantieren, während unsere eigenen Lieferungen bedroht sind. Die Zusammenarbeit im Energiebereich muss auf Gegenseitigkeit und Respekt beruhen, nicht auf Druck“, so Szijjártó weiter.

Hintergrund: Russischer Angriff auf die Pipeline

Die Druschba-Pipeline („Freundschaft“) ist seit einem russischen Drohnenangriff am 27. Januar 2026 in der Nähe von Brody im Gebiet Lwiw unterbrochen. Dabei wurde kritisches Equipment beschädigt. Die Ukraine hatte Ungarn noch am selben Tag über die Ursache informiert und betont, weiterhin ein zuverlässiger Transitpartner zu sein, der sich an bestehende Verträge und die EU-Sanktionspolitik gegenüber Russland halte.

Die ukrainische Seite weist darauf hin, dass Ungarn und die Slowakei von der EU zeitlich begrenzte Ausnahmen beim Import russischen Öls über Pipelines erhalten hatten, um Zeit für eine Diversifikation zu gewinnen. Aktive Schritte zur Reduzierung der Abhängigkeit von russischen Energieträgern seien jedoch nicht erkennbar.

Scharfe Reaktion aus Kyjiw

Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhij Tychyj, kommentierte das ungarische Vorgehen scharf: „Das erinnert wirklich an das Verhalten von Drogenabhängigen – bei allem Respekt vor dem ernsten Problem der Sucht. Das ist eine Metapher, um das Verhalten der Orban-Regierung zu erklären, die entgegen der europäischen Politik die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas aufrechterhalten will.“

Tychyj wies außerdem darauf hin, dass Budapest bisher keine klare Schuldzuweisung an Russland für den Angriff auf die Pipeline vorgenommen habe. Die Ukraine stehe in ständigem Dialog mit der EU-Kommission sowie mit Ungarn und der Slowakei.

Weitere Eskalation: Alternative Route über Kroatien

Nach dem Ausfall der ukrainischen Druschba-Strecke hatten Ungarn und die Slowakei Kroatien gebeten, russisches Rohöl über die Adria-Pipeline zu transportieren – einen Weg, den Budapest früher als unakzeptabel abgelehnt hatte. Der kroatische Wirtschaftsminister Ante Šušnjar erklärte sich bereit, bei der Energiesicherheit zu helfen, forderte die beiden Länder jedoch gleichzeitig auf, den Import russischen Öls einzustellen.

Die EU-Kommission hatte zuvor erklärt, dass der Stopp der Druschba-Lieferungen keine Bedrohung für die Energiesicherheit Ungarns und der Slowakei darstelle. Dennoch drängen beide Länder auf eine rasche Reparatur der beschädigten ukrainischen Pipeline-Abschnitte.

Der aktuelle Schritt Ungarns verschärft die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Budapest und Kyjiw weiter. Beobachter sehen darin ein weiteres Druckmittel der Orban-Regierung, die seit langem enge Kontakte zu Moskau pflegt und sich wiederholt gegen scharfe EU-Sanktionen gegen Russland ausgesprochen hat. Ob und wann der Diesel-Transit in die Ukraine wieder aufgenommen wird, bleibt derzeit offen.