Ukrainischer Energieminister meldet massives Stromdefizit in Kyjiw
Die ukrainische Hauptstadt kämpft weiter mit den Folgen der russischen Angriffe auf die Infrastruktur.
Wie der Erste Vizepremierminister und Energieminister Denys Schmyhal am späten Sonntagabend mitteilte, bleibt die Lage in Kyjiw kritisch: Hunderttausende Haushalte sind von der Versorgung abgeschnitten.
Der Winter hält Kyjiw fest im Griff, und der Kampf um Licht und Wärme wird intensiver. Nach Angaben von Denys Schmyhal sind in der Metropole weiterhin über 800.000 Abonnenten ohne Strom. Um einen totalen Zusammenbruch des Netzes zu verhindern, müssen die Versorger weiterhin auf Notabschaltungen zurückgreifen.
Ein Wettlauf gegen die Kälte
In einer eilig einberufenen Krisensitzung koordinierten Regierungsvertreter, Rettungskräfte und Energieversorger die nächsten Schritte. Der Fokus liegt nun auf pragmatischen Lösungen, um die kritische Infrastruktur am Laufen zu halten:
- Diesel-Reserven: Aus den Beständen des Energieministeriums wurden 50 Tonnen Diesel freigegeben, um große Generatoren zu betreiben, die lebenswichtige Objekte versorgen.
- Kraft-Wärme-Kopplung: Zwei neue Blockheizkraftwerke (Kogeneration) sind bereits in Kyjiw eingetroffen, zwei weitere sollen in der kommenden Woche folgen. Diese Anlagen sind entscheidend, um dezentral Strom und Wärme zu produzieren.
„Es ist wichtig, die Autonomie der Basisstationen zu maximieren“, betonte Schmyhal mit Blick auf die Kommunikation. Die Bevölkerung müsse auch während der Blackouts Zugang zu Informationen haben und erreichbar bleiben.
Tödlicher Einsatz der Helfer
Der Einsatz für die Wiederherstellung der Versorgung fordert jedoch auch Opfer. Schmyhal bestätigte den Tod eines Rettungskräfte-Mitarbeiters im Dienst. Zudem wurde bei einem gezielten russischen Angriff auf ein Energieobjekt im Gebiet Mykolajiw ein Elektriker durch Schrapnelle schwer verletzt.
Trotz der Gefahren arbeiten die Reparaturtrupps rund um die Uhr. Allein am Sonntag waren 166 Brigaden im Einsatz, unterstützt durch 74 Teams in der Nacht. Verstärkung rollt zudem aus anderen Landesteilen an: 17 zusätzliche Brigaden aus Tschernihiw, Ternopil, Poltawa und Winnyzja sollen helfen, das Licht in Kyjiw wieder anzuschalten.
Hoffnungsschimmer bei der Wärme: Während der Strom fehlt, gibt es leichte Fortschritte bei der Heizung. Von ursprünglich 1.676 unversorgten Hochhäusern konnte ein Großteil wieder ans Wärmenetz angeschlossen werden. Doch für viele Kyjiwer bleibt die Situation eine Geduldsprobe in eisiger Dunkelheit.