Ukrainische Truppen erobern fast 200 Quadratkilometer im Süden der Ukraine zurück

Nach Monaten fast durchgängiger russischer Vorstöße hat die ukrainische Armee im Süden der Front einen spürbaren Erfolg erzielt.

Ukrainische Truppen erobern fast 200 Quadratkilometer im Süden der Ukraine zurück
Foto: Žilvinas Ka / Unsplash

In der Region Saporischschja gelang es ukrainischen Einheiten, 100 bis 200 Quadratkilometer Gelände zurückzuerobern – der größte Geländegewinn seit der gescheiterten Gegenoffensive im Sommer 2022.

Der Vorstoß erfolgte auf zwei Achsen: westlich des Dorfes Prymorske und östlich der Kleinstadt Huljaipole. Genau dort, wo russische Kräfte in den vergangenen Wochen auf die Gebietshauptstadt Saporischschja vorgerückt waren und eine Überquerung des Dnjepr in Richtung Westen vorbereitet hatten. Die ukrainische Gegenaktion kam prompt – und sie kam, weil die russische Seite derzeit massive Kommunikationsprobleme hat.

Auslöser war die Abschaltung von Starlink durch Elon Musk für russische Nutzer. Die Folge: Die russischen Kampftruppen verloren plötzlich ihre wichtigste Echtzeit-Verbindung. Telegram, der zweite zentrale Kommunikationskanal, wurde ebenfalls stark eingeschränkt. Als Notlösung setzen die russischen Streitkräfte nun auf ein Lowtech-System namens „Barasch-1“: Ballons, die in 20 bis 30 Kilometern Höhe 5G-Hotspots schleppen.

Unabhängige Militärexperten sehen in der Kombination aus Kommunikationsausfall, extrem hohen russischen Verlusten und winterlichem Wetter die entscheidenden Faktoren für den ukrainischen Erfolg. „Die 36. Armee, die in diesem Abschnitt kämpft, ist stark abgenutzt“, sagt der Militärexperte Franz-Stefan Gad laut dem Spiegel. „Die Russen verlieren derzeit mehr Soldaten, als sie nachrekrutieren können.“ In dem nun umkämpften Gebiet handele es sich größtenteils um Grauzonen, die weder Seite dauerhaft kontrolliert habe – eher um Drohnen-überwachte Niemandsland-Streifen mit einzelnen unterirdischen Beobachtungsposten.

Der Erfolg ist für Kyjiw nach der Rückeroberung von Kupjansk im Dezember 2025 der zweite nennenswerte Lichtblick in kurzer Zeit. Dennoch warnt Gady vor Übertreibungen: „Von einer neuen Gegenoffensive kann noch keine Rede sein. Es ist ein lokaler Gegenstoß.“

Parallel versuchen russische Stellen offenbar, das Starlink-Problem auf kriminelle Weise zu umgehen: Sie lassen Terminals über ukrainische Strohmänner registrieren – gegen Bezahlung, aber unter Androhung langer Haftstrafen für die Ukrainer. In manchen Fällen sollen russische Dienste sogar Angehörige ukrainischer Kriegsgefangener unter Druck gesetzt haben. Die ukrainische Seite reagierte mit einer raffinierten Gegenmaßnahme: In sozialen Medien boten Ukrainer an, für die Russen Terminals zu registrieren, kassierten das Geld, meldeten die Gerätenummern an die eigenen Behörden – und lieferten so die exakten Koordinaten russischer Einheiten. Die Einnahmen aus diesen „Scams“ sollen nun an die ukrainischen Streitkräfte fließen.

In wenigen Tagen jährt sich der russische Überfall auf die Ukraine zum vierten Mal. Beide Seiten sind personell und materiell stark ausgelaugt. Größere operative Durchbrüche sind derzeit bei keiner der Kriegsparteien in Sicht. Der kleine, aber symbolträchtige Geländegewinn im Süden zeigt jedoch: Wo die russische Logistik und Kommunikation ins Stocken gerät, kann die ukrainische Armee sofort zuschlagen – auch mit deutlich weniger Ressourcen.