Ukrainische Drohnenangriffe treffen Russlands Schattenflotte in der Ostsee

Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ölhäfen nahe Sankt Petersburg haben nach Einschätzung von Greenpeace den Tankerverkehr der russischen Schattenflotte in der Ostsee vorübergehend zum Erliegen gebracht.

Ukrainische Drohnenangriffe treffen Russlands Schattenflotte in der Ostsee
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Ukrainische Angriffe auf russische Ölanlagen haben nach Einschätzung von Greenpeace spürbare Auswirkungen auf den Tankerverkehr in der Ostsee gezeigt. Für mehrere Tage blieben beladene Schiffe aus — ein seltenes Zeichen dafür, dass die ukrainische Drohnenstrategie gegen russische Energieinfrastruktur zumindest kurzfristig Wirkung entfaltet.

„Für einige Tage kamen keine beladenen Tanker mehr aus Richtung Osten, und die wenigen, die unterwegs waren, fuhren größtenteils leer", erklärte eine Greenpeace-Sprecherin. Auffällig sei zudem, dass mehr Tanker als zuvor vor Anker lägen — was angesichts der Lage jedoch nicht überrasche. Die Organisation rechnet in den kommenden Tagen wieder mit einem Anstieg des Tankerverkehrs, da der Betrieb in den betroffenen Häfen zumindest teilweise wieder aufgenommen worden sei. Wie groß die noch verfügbaren Ladekapazitäten tatsächlich sind, sei derzeit aber schwer einzuschätzen.

Im Zentrum der ukrainischen Angriffe stehen zwei strategisch bedeutsame Häfen nahe Sankt Petersburg: der Hafen Primorsk sowie der Öl- und Gashafen Ust-Luga an der Ostsee. Beide Einrichtungen waren in den vergangenen Wochen mehrfach Ziel ukrainischer Langstreckendrohnen, die dort Anlagen in Brand setzten. Die Häfen gelten als zentrale Umschlagpunkte für russisches Exportöl und damit als neuralgische Punkte der russischen Kriegsfinanzierung.

Ust-Luga brennt wieder: Ukraine setzt Angriffe auf russische Energieinfrastruktur an der Ostsee fort
Die ukrainische Angriffsserie auf russische Energieinfrastruktur an der Ostsee geht weiter: Drohnen trafen erneut den Hafen Ust-Luga, störten den Flugbetrieb in Sankt Petersburg und wurden über estnischem Territorium geortet.

Kyjiw greift damit ein Herzstück des russischen Staatshaushalts an. Der Ölexport ist eine der wichtigsten Einnahmequellen Moskaus — Mittel, die unmittelbar zur Finanzierung des Krieges beitragen. Mit der sogenannten Schattenflotte versucht Russland seit Einführung des westlichen Ölpreisdeckels, diesen zu umgehen: Alte, häufig marode und kaum versicherte Tanker transportieren russisches Rohöl unter Umgehung westlicher Sanktionsmechanismen in alle Welt. Greenpeace hatte wiederholt eindringlich vor den damit verbundenen Umweltgefahren gewarnt — ein Unfall eines dieser Schiffe in der Ostsee könnte nach Einschätzung der Umweltschützer eine ökologische Katastrophe von erheblichem Ausmaß auslösen.

Die für die Ostsee zuständige Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt bestätigte die Beobachtungen von Greenpeace nicht. „Erkenntnisse dazu liegen hier nicht vor", erklärte ein Sprecher auf Anfrage.

Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Energieinfrastruktur sind Teil einer bewussten Strategie, Russlands Kriegswirtschaft unter Druck zu setzen, ohne dabei auf westliche Waffen mit speziellen Reichweitenbeschränkungen angewiesen zu sein. Indem Kyjiw tief ins russische Hinterland trifft, versucht es, den wirtschaftlichen Spielraum Moskaus einzuengen — und zugleich ein Signal zu senden, dass der Krieg auch auf russischem Boden spürbare Kosten hat.