Ukraine ruft den Energie-Notstand aus

Mitten im tiefsten Winter steht die Ukraine vor einer ihrer härtesten Bewährungsproben.

Ukraine ruft den Energie-Notstand aus
Foto: Dmytro Vynohradov / Unsplash

Präsident Selenskyj hat am 14. Januar 2026 den Notstand für den gesamten Energiesektor des Landes ausgerufen. Die Kombination aus massiven russischen Luftangriffen und extremen Wetterbedingungen hat die Versorgungslage dramatisch zugespitzt.

Die Lage ist ernst, vielleicht ernster als je zuvor in diesem langen Konflikt. Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko fand deutliche Worte: Er bezeichnete die Situation als "sehr schwierig" und sprach vom schlimmsten Ausmaß seit Beginn des Krieges. Als Reaktion darauf hat die ukrainische Führung nun drastische Maßnahmen ergriffen, um das Land durch die Kältewelle zu steuern.

Ein Land im Krisenmodus

In einer Dringlichkeitssitzung kündigte Selenskyj an, dass ein spezieller Koordinationsstab für Kyjiw eingerichtet wird, der rund um die Uhr operieren soll. Für den gesamten Energiesektor gilt ab sofort der Notstand. Die operative Leitung übernimmt der Erste Vizepremierminister und Energieminister, der nun weitreichende Befugnisse erhält, um bürokratische Hürden abzubauen. Das Ziel: Jede verfügbare Ressource soll so schnell wie möglich genutzt werden können.

​"Die Folgen der russischen Angriffe und die Verschlechterung der Wetterbedingungen sind schwerwiegend", erklärte der Präsident via Telegram. Reparaturtrupps, Energieunternehmen und Rettungsdienste arbeiteten zwar im 24-Stunden-Takt, doch das reicht angesichts der Zerstörung und der Minusgrade kaum aus.

Maßnahmen für das Überleben

Die Regierung setzt nun auf eine Mischung aus internationaler Hilfe und interner Deregulierung:

  • Schnellere Importe: Die Arbeit mit internationalen Partnern wird intensiviert, um dringend benötigtes Ersatzequipment zu erhalten und die Stromimporte aus der EU spürbar zu erhöhen.
  • Bürokratieabbau: Der Anschluss von Reserve-Generatoren und alternativen Energiequellen soll massiv vereinfacht werden – kein Papierkram, wenn es um Wärme geht.
  • Überprüfung der Sperrstunde: Angesichts der extremen Kälte hat Selenskyj die Regierung angewiesen, die Regeln der nächtlichen Ausgangssperre zu überdenken. Menschen, die in der Kälte stranden, dürfen nicht durch starre Regeln gefährdet werden.

Wärmeinseln als letzte Rettung

Besonders in Kyjiw soll das Netz der sogenannten "Punkte der Unbesiegbarkeit" (Points of Invincibility) – öffentliche Orte mit Strom, Wärme und Internet – dringend erweitert und überprüft werden. "Die Menschen müssen maximale Möglichkeiten haben, Unterstützungspunkte zu nutzen", forderte Selenskyj. Auch für Schulen und Universitäten werden neue Formate geprüft, da ein regulärer Unterricht in ausgekühlten Gebäuden kaum möglich sein wird.

​Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit und die Elemente. Die Botschaft aus Kyjiw ist klar: Der Zusammenhalt von Staat, Wirtschaft und lokalen Behörden ist jetzt die wichtigste Ressource, um diesen Winter zu überstehen.