Ukraine-Friedensgespräche auf Eis: Der Iran-Krieg lähmt die Diplomatie
Die eskalierende Lage im Nahen Osten blockiert die Dreiparteiendiplomatie über einen möglichen Waffenstillstand in der Ukraine – und bedroht nebenbei die globale Energieversorgung.
„Aufgrund der Situation rund um den Iran gibt es noch nicht die nötigen Signale für ein Dreiertreffen." Mit diesen nüchternen Worten erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Dienstagabend in seiner täglichen Videoansprache, warum die nächste Runde der trilateralen Friedensdiplomatie zwischen der Ukraine, Russland und den USA vorerst auf Eis liegt.
Seit dem 28. Februar führen die USA und Israel gemeinsam eine Militäroperation gegen den Iran durch. Teheran antwortete mit massiven Gegenschlägen – allein in den ersten Tagen feuerte der Iran nach Angaben Selenskyjs über 800 Raketen und mehr als 1.400 Drohnen auf Nachbarländer ab. Die geopolitische Aufmerksamkeit und militärische Ressourcen, die noch kürzlich für die Ukraine vorgesehen schienen, fließen nun in den Nahen Osten.
Trotz der diplomatischen Pause hält Kyjiw den Gesprächsfaden nach Washington aufrecht. „Die Ukraine steht mit der amerikanischen Seite faktisch täglich in Kontakt", betonte Selenskyj. Gleichzeitig führt Kyjiw intensive Gespräche mit Vertretern der Golfstaaten – denn die von iranischen Shahed-Drohnen betroffenen Länder suchen dringend ukrainische Expertise bei der Drohnenabwehr. Selenskyj nutzt das strategisch: Er bietet ukrainische Spezialisten im Austausch gegen PAC-3-Patriot-Raketen an, die die Ukraine zur Verteidigung gegen russische Angriffe benötigt.
Daneben warnte der Präsident vor einer weiteren Eskalationsstufe: Teheran erwäge, die Straße von Hormuz zu blockieren – eine der wichtigsten Öl- und Gasrouten der Welt. „Genau diese Bedrohung destabilisiert bereits jetzt die Energiepreise auf vielen Märkten", so Selenskyj.
Sobald die Sicherheitslage und der politische Kontext es erlaubten, werde die trilaterale Diplomatie fortgesetzt. „Die Ukraine ist dazu bereit", bekräftigte der Präsident.