Ukraine findet kaum noch Geldgeber für US-Waffen
Die Ukraine kämpft nicht nur an der Front, sondern zunehmend auch um Geld: Immer weniger NATO-Länder sind bereit, neue Finanzzusagen für den Kauf amerikanischer Waffen zu leisten – und der Bedarf für 2026 beläuft sich auf rund 15 Milliarden Dollar.
Der Ukraine fällt es zunehmend schwer, neue NATO-Partner zu finden, die bereit sind, amerikanische Rüstungsgüter für sie zu finanzieren. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf Alona Hetmantschtschuk, die ukrainische Botschafterin bei der NATO. Derzeit trage nur eine kleine Gruppe von Ländern die Hauptlast – und es werde immer schwieriger, immer wieder dieselben Partner anzusprechen, sagte sie.
Als einziges Land, das sich zuletzt neu in diesen Kreis eingereiht habe, nannte Hetmantschtschuk Großbritannien. London hat sich verpflichtet, der Ukraine bis 2031 jährlich mindestens drei Milliarden Pfund für die Verteidigung zur Verfügung zu stellen.
Gleichzeitig betonte die Botschafterin, dass die Lieferungen amerikanischer Militärtechnik derzeit nicht beeinträchtigt seien – auch nicht durch den laufenden Krieg der USA gegen den Iran, der erhebliche Ressourcen bindet. Kyjiw habe keinerlei Signale erhalten, dass Washington wegen des Irankonflikt seine Waffenlieferungen einschränken werde.
Der Finanzbedarf ist dennoch erheblich: Nach ukrainischen Berechnungen werden 2026 rund 15 Milliarden Dollar benötigt, um Waffen in den USA im Rahmen des sogenannten PURL-Programms zu kaufen. Derzeit laufen die Lieferungen in Tranchen von jeweils rund 500 Millionen Dollar – doch wenn neue Finanzzusagen ausbleiben, drohen Verzögerungen.
Innerhalb des NATO-Bündnisses wird laut Bloomberg erwogen, den Finanzierungsansatz zu flexibilisieren: Statt gebündelter Pakete könnten Einzelbeiträge fließen, sobald sie verfügbar sind. Das wäre innenpolitisch in manchen Ländern schwieriger zu vermitteln, würde der Ukraine aber einen stabileren Nachschubfluss sichern.
Als dringlichsten Bedarf nannte Hetmantschtschuk Systeme zur Raketenabwehr – insbesondere solche, die ballistische Raketen abfangen können. Sollten diese nicht aus US-amerikanischen Beständen kommen, bliebe nur die schwierige Option, sie aus den Lagern anderer Länder zu beschaffen. Als möglichen alternativen Weg nannte sie Golfstaaten, die Interesse an ukrainischen Drohnenabfangsystemen gezeigt hätten. Die Ukraine produziere diese derzeit in doppelt so großer Stückzahl, wie sie selbst benötige – und sei grundsätzlich bereit, sie im Tausch gegen Unterstützung bei der Raketenabwehr anzubieten.
Erschwerend kommt hinzu, dass einige europäische Länder neue Verpflichtungen offenbar auch deshalb hinauszögern, weil in den kommenden Wochen ein EU-Hilfspaket freigeschaltet werden könnte – Gelder, die der Ukraine die Beschaffung amerikanischer Waffen ohne zusätzlichen Druck auf einzelne Staatshaushalte ermöglichen würden. Ungarn blockiert dieses Paket jedoch weiterhin und knüpft seine Zustimmung an die Wiederherstellung des Öltransits über die Druschba-Pipeline.