Ukraine erzielt Fortschritte in Region Charkiw und Donezk trotz russischen Drucks
Trotz anhaltender russischer Offensivversuche an mehreren Frontabschnitten konnte die ukrainische Armee in der Oblast Charkiw und im Donbas eigene Geländegewinne erzielen – das geht aus der aktuellen Lageeinschätzung des amerikanischen Instituts für Kriegsstudien hervor.
Trotz des anhaltenden russischen Angriffsdrucks an mehreren Frontabschnitten hat die ukrainische Armee in der Oblast Charkiw und im Donbas eigene Geländegewinne erzielt. Das geht aus dem Lagebericht des amerikanischen Instituts für Kriegsstudien vom 5. April hervor. Laut den Analysten scheitert der Großteil der russischen Sturmangriffe, ohne dass nennenswerte Gebietsgewinne erzielt werden.
Im Norden, in der Oblast Sumy, setzten russische Truppen am 3. und 4. April ihre Vorstöße im Grenzgebiet fort – insbesondere im Bereich Hrabowske südöstlich von Sumy. Ein Durchbruch blieb jedoch aus. Auch auf diesem Abschnitt konnte Russland trotz wiederholter Angriffe keine gesicherten Geländegewinne verbuchen.
Auf dem Abschnitt rund um Charkiw versuchten russische Einheiten, ukrainische Kräfte von der Grenzlinie zu verdrängen und der Großstadt Charkiw näherzukommen. Gefechte wurden bei Wowtschansk, Lyptsi und weiteren Ortschaften verzeichnet. Entgegen dem russischen Ziel gelang es ukrainischen Einheiten jedoch, im südwestlichen Teil von Wowtschansk vorzurücken. Geolokalisierte Aufnahmen bestätigen diesen Fortschritt. Auch auf der Kupjansker Richtung verbesserten ukrainische Kräfte ihre Stellungen – georeferenzierte Daten zeigen ukrainische Vorstöße im nördlichen Bereich von Kupjansk, selbst während aktiver russischer Angriffe in der Umgebung.
Im Donbas hält Russland seinen Sturmdruck aufrecht mit dem erklärten Ziel, die gesamte Oblast Donezk zu kontrollieren. Auf den Richtungen Slowjansk, Kostjantyniwka und Pokrowsk blieben russische Angriffe ohne Ergebnis. Infiltrationsversuche russischer Einheiten bei Kostjantyniwka schlugen ebenfalls fehl. Auf der positiven Seite für die Ukraine: Im Bereich Oleksandrivka konnten eigene Kräfte vorrücken, während russische Angriffe nahe Pokrowsk, Dobropillja und Nowopawliwka abgewehrt wurden.
Im Süden, in der Oblast Saporischschja, griff die russische Armee im Bereich Huljajpole und Orjochowe an, erzielte aber auch dort keine Geländegewinne. In der Oblast Cherson setzte Russland ebenfalls Offensivhandlungen fort, ohne die Frontlage zu verändern.
Ein strategisch bedeutsames Element des ukrainischen Vorgehens ist laut ISW der Ausbau der sogenannten „Ringzone": ukrainische Einheiten kontrollieren dabei systematisch gegnerische Bewegungen in einem Korridor von bis zu 20 bis 30 Kilometern hinter der Frontlinie. Diese Taktik schränkt die russische Logistik und Truppenbewegungen erheblich ein und trägt dazu bei, russische Angriffe bereits im Ansatz zu bremsen.
Das britische Militärgeheimdienst MI6 kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: Selenskyj hatte zuletzt erklärt, er habe eine Bewertung des MI6 erhalten, wonach die Frontlage für die Ukraine derzeit so günstig wie seit zehn Monaten nicht mehr sei. The Telegraph hatte in einer Analyse ebenfalls festgestellt, das russische Offensivmomentum sei ins Stocken geraten.
Parallel zum Frontbericht wurde bekannt, dass Russland im Bereich Saporischschja die Einnahme des Dorfes Bojkiw beansprucht. Die ukrainische Seite widersprach: Das 33. separate Sturmregiment der ukrainischen Landstreitkräfte erklärte, diese Meldung entspreche nicht der Realität. Russland betreibe gezielte Informationsoperationen, um Panik zu erzeugen und die Gesellschaft zu desorientieren.