Ukraine erzielt beeindruckende Geländegewinne
Die ukrainischen Streitkräfte haben in den vergangenen Tagen signifikante Fortschritte an der Front in der Region Saporischschja erzielt.
Laut einer Analyse des US-amerikanischen Institute for the Study of War (ISW) haben ukrainische Truppen zwischen Mittwoch und Sonntag etwa 201 Quadratkilometer ihres eigenen Territoriums von russischen Besatzern zurückerobert. Dies markiert den größten territorialen Gewinn in so kurzer Zeit seit der ukrainischen Gegenoffensive im Juni 2023. Die eroberten Flächen entsprechen fast den russischen Eroberungen des gesamten Monats Dezember 2025, die auf 244 Quadratkilometer beziffert werden.
Die ukrainischen Gegenangriffe konzentrieren sich vor allem auf eine Zone etwa 80 Kilometer östlich der Stadt Saporischschja, wo russische Truppen seit dem Sommer 2025 stark vorgerückt waren. Berichten zufolge haben die Ukrainer Ortschaften wie Orestopil, Oleksiivka, Sosnivka, Verbove und Stepove befreit und dringen in Kalynivske und Ternove vor. Insgesamt haben ukrainische Kräfte in den letzten Tagen etwa 52,68 Quadratkilometer an Boden gewonnen, was mehr ist als während der gesamten Gegenoffensive 2023. Diese Fortschritte erfolgen in Gebieten wie Dobropillya, Hulyaipole und dem Pokrovs'ke-Richtung, wo ukrainische Truppen russische Positionen umgehen und Flüsse wie den Yanchur überqueren konnten.
Ein entscheidender Faktor für diese Erfolge scheint die Blockade des Satellitensystems Starlink für russische Streitkräfte zu sein. Das ISW erklärt, dass die ukrainischen Gegenangriffe wahrscheinlich die Beeinträchtigung der russischen Kommunikation und Führung ausnutzen, die durch die Unterbrechung des Zugangs zu Starlink entstanden ist. Russische Militärblogger berichteten bereits am 5. Februar von Störungen, nachdem der US-Unternehmer Elon Musk Maßnahmen ankündigte, um die illegale Nutzung der Technologie durch den Kreml zu stoppen. Laut ukrainischen Quellen umgingen russische Drohnen mit Hilfe von Starlink elektronische Störsysteme und konnten Ziele präzise treffen. Ohne diesen Zugang wurden in der vergangenen Woche nur am 9. Februar russische Geländegewinne verzeichnet, an den übrigen Tagen machten die Ukrainer Boden gut.
Russische Militärbeobachter und Blogger äußern sich frustriert über die Auswirkungen. Ein Blogger warnte, dass die Starlink-Störungen zusammen mit Einschränkungen bei Telegram – einem weiteren wichtigen Kommunikationskanal – die russische Kommandostruktur stark beeinträchtigen und zu Chaos auf dem Schlachtfeld führen könnten. Berichte deuten darauf hin, dass russische Einheiten ihre Angriffe reduzieren mussten und nun nach Alternativen suchen, was die ukrainischen Kräfte nutzen, um lokalisierte Gegenangriffe durchzuführen. Ein NATO-Beamter bestätigte gegenüber der BBC, dass die ukrainischen Erfolge in der Ostregion Saporischschja zumindest teilweise auf SpaceX' Bemühungen zurückzuführen sind, russischen Zugriff auf Starlink zu blockieren.
Aus russischer Sicht werden diese ukrainischen Vorstöße als begrenzte und opportunistische Aktionen dargestellt, die nicht die Gesamtlage verändern. Russische Quellen wie TASS und RT berichten stattdessen von anhaltenden russischen Offensiven in anderen Sektoren, wie im Donezk-Gebiet, und betonen, dass Moskau weiterhin Fortschritte macht, trotz hoher Verluste auf beiden Seiten. Das russische Verteidigungsministerium meldet, dass ukrainische Truppen in den letzten 24 Stunden über 1.110 Mann Verluste erlitten haben, während russische Kräfte Siedlungen in der Donezk-Region befreit haben. Dennoch geben russische Blogger zu, dass die Kommunikationsprobleme – einschließlich Starlink und Telegram – die Operationen behindern und zu Rückzügen in manchen Bereichen führen könnten.
Mitte Februar 2026 kontrolliert Russland etwa 19,5 Prozent des ukrainischen Territoriums ganz oder teilweise, im Vergleich zu 18,6 Prozent ein Jahr zuvor. Rund sieben Prozent – darunter die Krim und Teile des Donbass – standen bereits vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 unter russischer Kontrolle. Experten warnen jedoch, dass Russland trotz dieser Gewinne enorme Verluste hinnehmen muss: NATO-Generalsekretär Mark Rutte schätzt, dass russische Truppen allein im Dezember 2025 und Januar 2026 über 65.000 Tote zu beklagen hatten, bei minimalen territorialen Fortschritten.
Die aktuellen ukrainischen Erfolge könnten die Dynamik an der Front verändern, doch Experten betonen, dass sie von anhaltender westlicher Unterstützung abhängen. Estlands Premierministerin Kaja Kallas warnte auf der Münchner Sicherheitskonferenz, dass Russland an Verhandlungstischen mehr gewinnen könnte als auf dem Schlachtfeld, und rief zu fortgesetzter Solidarität auf. Ob diese Gegenangriffe zu einer breiteren Offensive ausarten, bleibt abzuwarten, da beide Seiten unter Ressourcenmangel leiden.