Ukraine erhält trotz ungarischer Blockade Kredit von 90 Milliarden Euro von der EU
Die Ukraine wird einen langfristigen Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt für die Jahre 2026 und 2027 erhalten – ungeachtet der Blockade durch Ungarn.
Kyjiw/Brüssel– Dies hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj heute persönlich mitgeteilt.
„Sie sagte, dass die Entscheidung in jedem Fall von den 27 getroffen wurde. Und deshalb kann diese Entscheidung nicht geändert werden. Sie sagte, sie werde Instrumente finden, um die Entscheidung zu sichern. Und die Ukraine wird im Frühjahr die erste Tranche dieser 90 Milliarden erhalten“, zitierte Selenskyj von der Leyen auf einer Pressekonferenz am Dienstagabend.
Die Entscheidung des EU-Rats zur Vergabe des Kredits war bereits am 19. Dezember 2025 einstimmig von allen 27 Mitgliedstaaten getroffen worden. Es handelt sich um ein Darlehen, das die Ukraine erst zurückzahlen muss, nachdem sie Reparationen von Russland erhalten hat. Der Kredit soll vor allem die Verteidigung und grundlegende Haushaltsbedürfnisse des Landes finanzieren.
Ungarn hatte in den vergangenen Wochen angekündigt, die Auszahlung zu blockieren, um Druck auf Kyjiw auszuüben. Budapest fordert die Reparatur der Druschba-Ölpipeline und die Wiederaufnahme des Transits russischer Energieträger durch die Ukraine. Trotz dieses Vetos betonte von der Leyen, dass die ursprüngliche Einigung der 27 Staaten unverändert gilt und die EU-Kommission nun technische und rechtliche Wege finden werde, um die Mittel fließen zu lassen.
Die erste Tranche soll bereits im Frühjahr 2026 ausgezahlt werden. Parallel dazu hat der Rat der EU am selben Tag zwei von drei notwendigen Rechtsakten freigegeben, die für die Umsetzung des Kredits erforderlich sind.
Der ukrainische Präsident zeigte sich zufrieden mit der Zusage Brüssels. Die Finanzhilfe kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine weiterhin massiv auf westliche Unterstützung angewiesen ist, um die russische Aggression abzuwehren und den Staatshaushalt zu stabilisieren.
Der 90-Milliarden-Kredit ist Teil des langfristigen EU-Unterstützungspakets für die Ukraine. Er ergänzt andere Hilfen, darunter bereits zugesagte Militär- und Budgethilfen in Milliardenhöhe. Ungarn hatte zuletzt wiederholt Sanktionen und Hilfspakete für Kyjiw blockiert, um eigene energie- und migrationspolitische Interessen durchzusetzen.