Trump lehnt ukrainisches Drohnenangebot ab – Selenskyj antwortet gelassen

Präsident Wolodymyr Selenskyj kommentierte die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der das Angebot der Ukraine, den USA beim Schutz vor iranischen Drohnenangriffen zu helfen, abgelehnt hatte.

Trump lehnt ukrainisches Drohnenangebot ab – Selenskyj antwortet gelassen
Foto: Ukrinform

Paris/Washington – Es war eine der bemerkenswertesten diplomatischen Absagen dieser Woche: US-Präsident Donald Trump hat das Angebot der Ukraine, den USA beim Schutz vor iranischen Drohnenangriffen zu helfen, öffentlich zurückgewiesen. Selenskyj reagierte in Paris ungewohnt zurückhaltend – doch hinter der Gelassenheit steckt eine Geschichte, die Trumps Behauptung erheblich relativiert.

Trumps Absage im Radiointerview

In einem Interview mit Fox News Radio stellte Moderator Brian Kilmeade die schlichte Frage, ob die Ukraine den USA beim Schutz vor Drohnen helfe. Trumps Antwort war ebenso schlicht: Nein, man brauche keine ukrainische Hilfe. Die USA wüssten über Drohnen mehr als irgendjemand sonst auf der Welt, und sie hätten die besten Drohnen überhaupt.

Die Aussage kam zu einem Zeitpunkt, der kaum zufälliger hätte sein können. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass die US-Armee 10.000 Abfangdrohnen in den Nahen Osten verlegt hat – Systeme, die unter dem Namen „Merops" laufen und von der Initiative „Project Eagle" entwickelt wurden, die unter anderem vom früheren Google-Chef Eric Schmidt finanziert wird. Erstmals kampferprobt wurden diese Drohnen 2024 in der Ukraine. Fünf Tage nach Beginn der gemeinsamen US-israelischen Militäroperation gegen den Iran am 28. Februar waren die Merops-Systeme bereits in der Krisenregion stationiert. Auch das Drohnenjagdsystem „Bumblebee" des Unternehmens Perennial Autonomy – ebenfalls in der Ukraine getestet – wurde in den vergangenen Wochen über das neue Pentagon-Sonderreferat JITF 401 beschafft und eingesetzt.

Selenskyjs diplomatisch-zurückhaltende Antwort

Auf Trumps Aussage angesprochen, reagierte Präsident Selenskyj in Paris mit einer bemerkenswerten Knappheit: „Rhetorik ist Rhetorik. Das Wichtigste ist, dass wir wissen, was wir tun." Eine direkte Konfrontation mit Washington vermied er – nicht zuletzt, weil die Ukraine wirtschaftlich und militärisch weiterhin auf die USA angewiesen ist. Selenskyj dankte den Amerikanern ausdrücklich dafür, dass die Ukraine weiterhin Waffen über das US-Beschaffungsprogramm PURL kaufen könne – darunter Himars-Raketenwerfer und Patriot-Abfangraketen.

Gleichzeitig ließ er keinen Zweifel daran, dass die Ukraine in der Drohnenabwehr nicht nur Empfänger, sondern auch Anbieter von Expertise ist. Kyjiw hat nach eigenen Angaben sechs offizielle Anfragen von Ländern des Nahen Ostens erhalten, die ukrainische Unterstützung im Umgang mit iranischen Drohnen erbitten. Eine hochrangige ukrainische Delegation unter Leitung des Sekretärs des Nationalen Sicherheitsrates, Rustam Umjerow, brach am 10. März in die Golfregion auf, um mit Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Jordanien konkrete Hilfsmodalitäten zu besprechen. Selenskyj wartet auf die Rückkehr dieser Delegation, um den genauen Umfang der erwarteten ukrainischen Unterstützung zu bestimmen.

Vier Jahre Drohnenkrieg als Exportgut

Was Trump als selbstverständliche amerikanische Überlegenheit darstellt, ist in Wahrheit das Ergebnis einer engen, wenn auch stillen Zusammenarbeit. Die Ukraine hat seit dem Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 mehr Erfahrung im industriellen Drohnenkrieg gesammelt als jede andere Nation der Welt. Russland setzt täglich Dutzende bis Hunderte iranischer Shahed-Drohnen ein – die Ukraine hat als erstes Land der Welt im großen Maßstab erprobt, wie man solche Schwärme effektiv und kosteneffizient bekämpft.

Das Kostenargument ist dabei entscheidend: Eine iranische Shahed-Drohne kostet mindestens 20.000 US-Dollar, eine Patriot-Abfangrakete über vier Millionen. Eine Merops-Drohne hingegen kostet derzeit 14.000 bis 15.000 Dollar – bei Massenproduktion könnten die Kosten auf drei bis fünf Tausend Dollar sinken. Wer günstige Abfangdrohnen gegen teure Angreiferdrohnen einsetzt, verändert die strategische Gleichung des Luftverteidigungskrieges fundamental. Es ist kein Zufall, dass das Pentagon dieses Konzept mit ukrainischen Kampfdaten entwickelt hat.

Macron und der iranische Kronprinz: Selenskyjs diplomatischer Marathon in Paris

Neben den Drohnen-Schlagzeilen war Selenskyjs Parisbesuch von einem dichten diplomatischen Programm geprägt. Neben dem Gespräch mit Präsident Macron – bei dem gemeinsame Waffenproduktion, Luftverteidigung und Luftfahrt im Mittelpunkt standen – traf Selenskyj am Rande auch den Kronprinzen des Iran, der im Exil lebt und als Führungsfigur der iranischen Opposition gilt. Ein symbolisch aufgeladenes Treffen: Die Ukraine ist seit Jahren unmittelbar von iranischen Drohnen betroffen, die Russland für seinen Angriffskrieg einsetzt. Dass Kyjiw nun zugleich Gesprächspartner des exilierten iranischen Königshauses ist, verdeutlicht die veränderte geopolitische Stellung der Ukraine in einem Konflikt, der weit über die eigenen Grenzen hinausreicht.

Macron sicherte Ukraine unterdessen erneute Unterstützung in der Sanktionsfrage zu und bekräftigte, Frankreich und Europa stünden hinter der Fortsetzung des Drucks auf Moskau – im Gegensatz zu der von Washington angekündigten temporären Lockerung der Ölsanktionen, die Selenskyj zuvor als potenzielle Zehn-Milliarden-Dollar-Finanzspritze für Russland kritisiert hatte.

Wortgefecht mit Subtext

Der kurze Austausch zwischen Trump und Selenskyj über Drohnen ist mehr als eine Episode am Rande. Er illustriert eine strukturelle Spannung: Die Ukraine ist militärtechnologisch zu einem gefragten Partner geworden – im Nahen Osten, in Europa, indirekt auch in den USA – während Washington öffentlich auf Distanz geht. Trump mag die beste Rhetorik haben. Die Fakten sprechen eine andere Sprache.