Tief im russischen Süden: Ukraine attackiert Ölraffinerie und Schwarzmeerhafen

Mit gezielten Drohnenangriffen auf eine Großraffinerie und den Fährhafen zur besetzten Krim hat die Ukraine in der Nacht auf Samstag erneut Russlands empfindlichste Wirtschaftsadern attackiert.

https://en.wikipedia.org/wiki/Afipsky_refinery
Die Ölraffinerie Afipsky in der russischen Region Krasnodar. (Wikipedia)

In der Nacht auf Samstag haben ukrainische Drohnen zwei strategisch bedeutsame Ziele im südrussischen Krasnodarer Gebiet getroffen: die Afipsky-Ölraffinerie, eine der größten Erdölverarbeitungsanlagen im Süden Russlands, sowie den Hafen Kawkas an der Kertscher Meerenge. Beide Angriffe lösten Brände aus und verursachten erhebliche Schäden.

Anwohner in der Nähe der Raffinerie berichteten gegen ein Uhr nachts von dutzenden Explosionen, als russische Flugabwehrsysteme aktiviert wurden und Sirenen in der gesamten Region ertönten. Russische Behörden bestätigten Treffer, schrieben die Schäden jedoch fallenden Drohnentrümmern zu – eine in solchen Berichten übliche Formulierung, die den Eindruck einer erfolgreichen Abwehr erwecken soll. Opfer seien keine zu beklagen, hieß es offiziell. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Luftverteidigung habe in der Nacht insgesamt 87 ukrainische Drohnen über mehreren Regionen abgeschossen – eine Angabe, die sich nicht unabhängig überprüfen ließ.

Die Afipsky-Raffinerie verarbeitet jährlich rund 6,25 Millionen Tonnen Rohöl und deckt damit etwa zwei Prozent der gesamten russischen Raffinationskapazität. Sie produziert Benzin, Dieselkraftstoff, Gaskondensatdestillate, schwere Erdölrückstände sowie Schwefel und gilt als wichtiger Knotenpunkt der russischen Energieversorgung im Süden des Landes. Es ist nicht das erste Mal, dass die Anlage ins Visier geraten ist – sie wurde bereits in früheren ukrainischen Drohnenangriffen beschädigt.

Beim zweiten Ziel, dem Hafen Kawkas auf der Tschuscha-Nehrung an der Kertscher Meerenge, wurden nach russischen Angaben drei Personen verletzt. Ein Technikschiff wurde beschädigt, nachdem Drohnentrümmer auf das Hafengelände gefallen waren. Der Hafen Kawkas ist einer der größten Passagierhäfen Russlands und dient vor allem der Fährverbindung zur besetzten Halbinsel Krim – er ist damit ein logistischer Schlüsselpunkt für die russische Versorgung des besetzten Gebiets.

Darüber hinaus meldeten Anwohner einen weiteren Drohnenangriff auf das Chemiewerk KuibyshevAzot im Ort Toljatti in der Oblast Samara – über das Ausmaß etwaiger Schäden lagen zunächst keine gesicherten Informationen vor.

Der ukrainische Generalstab bestätigte am Samstagmorgen die Angriffe auf die Afipsky-Raffinerie und den Hafen Kawkas. Die Treffer fügen sich in Kyjiws anhaltende Strategie ein, russische Energieinfrastruktur und Logistikdrehscheiben gezielt zu attackieren – mit dem Ziel, Moskaus Einnahmen zu schmälern und die militärische Versorgungskette zu stören. Öl- und Gasexporte sind eine der wichtigsten Einnahmequellen, mit denen Russland seinen Angriffskrieg finanziert. Angesichts der durch den Iran-Krieg ohnehin angespannten globalen Energiemärkte kommt solchen Schlägen gegen russische Raffinerie- und Exportkapazitäten derzeit besondere Bedeutung zu.