Selenskyj warnt vor neuen russischen Angriffen auf ukrainische Infrastruktur
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einer abendlichen Videoansprache vor erneuten russischen Angriffen auf die Infrastruktur seines Landes gewarnt.
Basierend auf Geheimdienstinformationen bereite sich Russland darauf vor, in den kommenden Monaten wieder zuzuschlagen, insbesondere im Frühling. Selenskyj rief alle Beteiligten auf, wachsam zu bleiben.
Die Warnung kommt nach einem der härtesten Winter im laufenden Krieg, den Russland nutzen wollte, um die Ukraine zu "zerstören", wie Selenskyj es formulierte. Trotz massiver Raketen- und Drohnenangriffe habe das Land seine Energiesysteme erhalten können. "Wir haben den schwierigsten Winter des gesamten Krieges überstanden", betonte der Präsident. "Die Russen wollten ihn in die Zerstörung der Ukraine und der Ukrainer verwandeln. Aber die Ukraine ist nicht gebrochen. Wir haben unser Energiesystem bewahrt."
Ein Winter der Angriffe und des Widerstands
Im Verlauf des Winters wehrte die Ukraine zahlreiche massive Angriffe ab. Selenskyj erinnerte an einen der größten Angriffe am 6. Dezember, bei dem die russischen Streitkräfte mehr als 700 Ziele anvisierten, darunter über 50 Raketen und Hunderte von Shahed-Drohnen einsetzten. "Bei einem einzigen Angriff – Dutzende Raketen, Hunderte von 'Shaheds'", betonte Selenskyj. Dennoch gelang es den ukrainischen Verteidigern, die Mehrheit der Bedrohungen abzuwehren.
Der Präsident nutzte die Gelegenheit, um Dank auszusprechen. Er lobte die Arbeiter der Energieunternehmen, Reparatur- und Notfallteams sowie die Staatliche Dienststelle für Notfälle der Ukraine als "wahre Helden". Auch die Krieger, Entwickler und Betreiber von Abfangsystemen, kommunale Dienste, lokale und regionale Behörden sowie ukrainische Unternehmer erhielten Anerkennung. "Besonders möchte ich die ukrainischen Unternehmer hervorheben – jedes Geschäft in der Ukraine, klein oder groß, das sich in diesen Bedingungen anpassen konnte, Arbeitsplätze erhalten hat und durch diesen Winter gekommen ist", fügte Selenskyj hinzu. "Es ist extrem wichtig, dass wir weiterhin widerstandsfähig bleiben."
Die russischen Angriffe haben massive Schäden an der ukrainischen Energieinfrastruktur verursacht. Laut Energieminister Denys Schmyhal belaufen sich die Kosten für die Wiederherstellung über die nächsten zehn Jahre auf 90,6 Milliarden US-Dollar, basierend auf der Schadensbewertung RDNA5. Die Zerstörungen haben zu einer schweren Wirtschaftskrise geführt, die alle Branchen betrifft – von Stahlwerken über Bergbau und Zementproduktion bis hin zu Lebensmittelunternehmen. Unternehmen mussten die Produktion drosseln und Steuerzahlungen reduzieren, was den Staatshaushalt belastet.
Drohende Eskalation im Frühling
Selenskyjs Warnung unterstreicht die anhaltende Bedrohung durch die russische Aggression. "Die Geheimdienste liefern die entsprechenden Informationen", erklärte er. "Deshalb muss jeder, dessen Arbeit oder Dienst darin besteht, die Ukraine vor Angriffen zu schützen, diesen Frühling so fokussiert sein wie im Winter. Es ist notwendig, auf jede Bedrohung zu reagieren und russische Ziele abzuschießen – das Maximum Mögliche."
Experten sehen in diesen Aussagen einen Aufruf zur Verstärkung der Luftverteidigung und zur Vorbereitung auf eine mögliche Eskalation. Seit Beginn der Invasion im Februar 2022 hat Russland systematisch zivile Infrastruktur angegriffen, um die Moral der Bevölkerung zu brechen und wirtschaftlichen Druck auszuüben. Die Ukraine hat internationale Unterstützung erhalten, darunter Luftabwehrsysteme wie Patriot-Raketen von den USA und IRIS-T von Deutschland, die entscheidend für den Schutz der Energieversorgung waren.
Dennoch bleibt die Lage prekär. Die anhaltenden Angriffe haben zu Stromausfällen und Versorgungsengpässen geführt, die Millionen von Ukrainern betreffen. Internationale Organisationen wie die UNO und die EU haben die russischen Handlungen als Kriegsverbrechen verurteilt und weitere Hilfen zugesagt. Die Europäische Union plant, weitere Milliarden für den Wiederaufbau bereitzustellen, während die NATO die Verteidigungsfähigkeiten der Ukraine stärkt.
Ausblick und Aufruf zur Einheit
Selenskyj betonte die Notwendigkeit nationaler Einheit und internationaler Solidarität. "Wir müssen resilient bleiben", sagte er, und rief zu kontinuierlicher Unterstützung auf. Die Warnung vor neuen Angriffen könnte auch ein Signal an westliche Partner sein, mehr Waffen und Munition zu liefern, um zukünftige Attacken abzuwehren.
Während der Krieg in sein fünftes Jahr geht, bleibt die Ukraine entschlossen, ihre Souveränität zu verteidigen. Die jüngsten Erfolge im Winter geben Hoffnung, doch die Bedrohung durch Russland ist unvermindert. Experten warnen, dass ohne ausreichende Vorbereitungen der Frühling zu einer neuen Phase der Zerstörung werden könnte.