Selenskyj warnt: Russland wird nach dem Donbas, Dnipro und Charkiw ins Visier nehmen

Der ukrainische Präsident ist überzeugt, dass ein Nachgeben gegenüber Moskau keine Stabilität, sondern weitere Aggression bringen würde – und wirft dem Trump-Team vor, Putins wahre Absichten zu unterschätzen.

Selenskyj warnt: Russland wird nach dem Donbas, Dnipro und Charkiw ins Visier nehmen
Foto: Staatsanwaltschaft der Ukraine

Wolodymyr Selenskyj hat erneut eindringlich vor den Folgen territorialer Zugeständnisse an Russland gewarnt. In einem Podcast-Interview erklärte der ukrainische Präsident, Moskau werde nicht aufhören, wenn die Ukraine den Donbas aufgebe. Stattdessen werde Russland versuchen, weitere ukrainische Großstädte zu erobern – konkret nannte er Dnipro und Charkiw.

Selenskyj äußerte sich dabei auch kritisch über die amerikanische Vermittlung. Die US-Delegation, namentlich Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner, habe in Moskau „zu viel" Zeit mit Wladimir Putin verbracht. Dies habe dazu geführt, dass das Team von Präsident Donald Trump Russlands eigentliche Kriegsziele nicht vollständig durchschaue. Der ukrainische Präsident betonte, er kenne die Psychologie des Kreml-Diktators und dessen militärische Absichten besser als das Weiße Haus.

Ein zentraler Kritikpunkt Selenskyjs ist die Haltung Washingtons gegenüber dem Donbas. Teile der amerikanischen Seite glaubten offenbar, die Region sei für die Ukraine ohnehin nicht von Bedeutung – eine Einschätzung, die der Präsident scharf zurückwies. Gleichzeitig warnte er davor, dass die USA Putins Zusagen zu viel Vertrauen schenkten. „Die Amerikaner sind überzeugt, dass sie Putin vertrauen können", sagte Selenskyj und fügte hinzu, Washington wolle nicht eingestehen, dass der russische Präsident sie täuschen und die Besatzung auch nach einem Abkommen fortsetzen könnte.

Die Äußerungen fallen in eine Phase, in der die Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland nach Einschätzung von Beobachtern ins Stocken geraten sind. Das Magazin Foreign Affairs analysierte jüngst, dass die Gespräche zwar in einer Sackgasse steckten, dies aber nicht mit den Entwicklungen im Nahen Osten zusammenhänge. Das Problem liege vielmehr in der Verhandlungsstrategie, die Washington verfolge.

Aus Moskau kamen unterdessen Signale, dass der Kreml eine Wiederaufnahme von Dreiergesprächen – also im Format USA, Ukraine, Russland – für möglich halte. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, man hoffe, dass Washington in naher Zukunft mehr Zeit für dieses Format aufwenden könne.

Selenskyj machte in dem Interview auch deutlich, dass er sich nicht scheue, gegenüber Trump offen Widerspruch zu äußern. Er gehöre zu den wenigen, die dem US-Präsidenten sagten, wenn er falschliege – eine Aussage, die seinen Anspruch unterstreicht, als eigenständiger Akteur in den Verhandlungen wahrgenommen zu werden und nicht lediglich als Empfänger westlicher Vorgaben.